Albumempfehlung "SOLOPIANO" von Sascha Stiehler: Einfach mal die Welt ausblenden

An der Stimme erkennt man einen Menschen - aber die 88 Tasten eines Klaviers sind für jeden gleich. Daher ist es Sascha Stiehler besonders wichtig, eine eigene Sprache am Klavier zu entwickeln. Auf der Suche nach der eigenen musikalischen Sprache, durchläuft der Wahl-Leipziger schon seit 27 Jahren musikalische Galaxien, wie Klassik, Jazz oder auch Pop. Der Pianist lässt die Eigenarten der Genres durch sein System laufen und nimmt sich Einflüsse mit, die nun auf seinem Debütalbum zu hören sind.

Die zehn Stücke des Albums, welches er schlicht "SOLOPIANO" nennt, sind rein instrumental. Die Stücke klingen atmosphärisch, etwas zwischen Neoklassik und Filmmusik. Passend zu den schlichten und anmutigen Melodien hat das Klavier einen intimen und gedämpften Sound. Man hört mitunter den perkussiven Anschlag der Tasten, was der Aufnahme Lebendigkeit verleiht - als würde der Pianist für einen ganz allein spielen. Stellenweise brechen die ruhigen Melodien in eine aufgeregte Abenteuerlust aus, nur um sich dann wieder in eine Decke aus wohligem Klang aufzulösen, in den sich vereinzelt elegante Synthesizer mischen.

Ein Kontrast zu Instagram

Seine Stücke sind von seiner unmittelbaren Umgebung inspiriert, von persönlichen Momenten und Gefühlen oder von seinen Liebsten. Wie zum Beispiel das Stück "Elli", das er für seine Tochter geschrieben hat oder das Stück "Plagwitz", das den bunten Charakter seines Leipziger Stadtteils einfängt. Es komme häufig vor, so Stiehler, dass man den Blick für seinen Nachbarn verliere. Dass man, wenn man vor einem Wasserfall im Vogtland stehe, trotzdem darüber nachdenke, dass die Niagarafälle viel eindrucksvoller seien.

Das Albumcover der Platte "Solopiano" von Sascha Stiehler ist zu sehen. Eine weiße Hand ist zentral im Bild vor einem weißen Hintergrund.
Albumcover "SOLOPIANO" von Sascha Stiehler. Bildrechte: Sandra Ludewig

Deshalb ist "SOLOPIANO" eine Hommage an die kleinen Dinge des Alltags und eine Erinnerung daran, dass sich das Schöne, Interessante und Aufregende oftmals genau vor der eigenen Haustür befindet. Wichtig war ihm, unserem heutzutage mit Eindrücken überfrachteten Leben einen Ruhepol zu schenken: "Dass man sagt, man taucht mal länger als 15 Sekunden in eine Instagram-Story ein. Dass man einfach mal wieder einen Moment schafft, der länger geht als diese kurzen Aufmerksamkeitsimpulse, die eigentlich super unwichtig sind."

Ein Album zum Entspannen und Genießen

Stiehlers Gedanke ist, dass die Fantasie der Hörenden seine Texte sind. Damit lässt er Spielraum für einen Dialog mit seinem Publikum, Raum für Kopfkino und dafür, dass seine Stücke für jede Person eine ganz eigene Bedeutung erlangen. Das sei für ihn sowieso das Schönste, was mit seiner Musik passieren könne. Also: Tee aufkochen, sich einkuscheln und die impulsüberlastete Welt da draußen mal einen Moment lang ausblenden, um einfach mal die Gedanken schweifen zu lassen.

Die Hände von Sascha Striehler sind über den Tasten eines Pianos zu sehen.
Sascha Stiehler am Piano. Bildrechte: Tom Streller

Eine Platte mit dem eigenen Namen zu veröffentlichen ist für ihn das Intimste, was man machen kann. Deshalb war es ihm wichtig, diesen Schritt nicht zu übereilen und zunächst musikalisch zu reifen. Und das ist ihm gelungen: Sascha Stiehlers pianistische Stimme bewegt sich auf seinem ersten Album "Solopiano" zwischen zärtlicher Zerbrechlichkeit und tänzerischer Tagträumerei. Wie eine kostbare Spieluhr, aufgezogen von den kleinen Dingen des Lebens.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Dezember 2021 | 16:40 Uhr