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Streetdance: Wie Battles jetzt online stattfinden

Streetdance

Sachsens Freestyle-Tänzer gehören zu den Besten

von Barbara Butscher, MDR KULTUR

Stand: 30. Januar 2021, 04:00 Uhr

Der DJ legt eine Platte auf, der Bass wummert, die erste Runde geht los. Wenn in Mitteldeutschland in der letzten Runde eines Streetdance-Battles die Finalisten aufeinander treffen, dann sind es in den letzten Jahren oft dieselben zwei Kandidaten: Ken Martin aus Leipzig und Nam Tran Xuan aus Chemnitz – Streetdance ist ihre Leidenschaft. Sachsens Freestyle-Tänzer behaupten sich auch in internationalen Wettbewerben.

Ken und Nam zählen zu den besten Freestyle-Tänzern Mitteldeutschlands. Auch über die Landesgrenzen Sachsens hinaus haben sie sich in der Streetdance-Szene einen Namen gemacht. Beide haben vor ungefähr 15 Jahren mit dem Tanzen angefangen. Schon so oft sind die beiden gegeneinander angetreten, haben häufig im Finale den Gewinner unter sich ausgemacht.

Ich würde sagen wir beide kennen uns lange genug und gut genug. Wir sind auch super gut befreundet, also da ist auch alles entspannt. Aber bei manchen Battles will man unbedingt gegen den anderen gewinnen.

Ken Martin, Streetdancer

Die Szene in Mitteldeutschland ist eher klein, nicht so präsent wie die Hochburgen in Berlin, Frankfurt oder Hamburg. Noch nicht. Vorreiter in der mitteldeutschen Streetdance-Szene sind Breaking-Crews wie die "the Saxonz" aus Dresden. Im Gegensatz zum Breaking, wo viele Figuren auf dem Boden ausgeführt werden, tanzen Ken und Nam aber Stand-Up, also Tanzstile im Stehen. Dazu gehören zum Beispiel Popping, Locking oder Hip-Hop.

Mitteldeutsche Szene ist von Miteinander geprägt

Streetdance in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist eher familiär. Es gibt immer mehr Tänzer und Tänzerinnen, aber die Gruppen und Communities seien noch nicht so groß, erklärt Nam.

Unsere Szene zeichnet sich dadurch aus, dass wir stark miteinander arbeiten. Es ist ein großes Ganzes. Alle verstehen sich, alle haben Lust miteinander zu tanzen – natürlich gibt es auch Konkurrenz.

Ken Martin, Streetdancer

Ken und Nam sind viel in Deutschland unterwegs. Sie trainieren mit anderen Tänzerinnen und Tänzern, lassen sich inspirieren, wollen lernen. Dafür besuchen sie auch Mentoren, zum Beispiel Szenegröße Rob Lawray, der selbst seit Jahren tanzt, unterrichtet und Events organisiert. Er glaubt, Ken und Nam könnten die Helden der Szene in der Region werden. Sie seien aktuell die stärksten Vertreter und eben die, die auch aus der Region rausgehen und sich präsentieren, sagt der Tanzlehrer aus Nürnberg.

Szene gestalten in Leipzig und Chemnitz

Nam Tran Xuan aus Chemnitz ist einer der besten Streetdancer in Mitteldeutschland Bildrechte: Anton Hofmeister

Mit seiner Crew "KleinParis" repräsentiert und gestaltet Ken in Leipzig die urbane Tanzszene mit. Im Heizhaus bieten sie Training, Jams, Workshops und manchmal auch Veranstaltungen oder Vorträge an. In Chemnitz sind Nam und befreundete Tänzerinnen und Tänzer derzeit noch in einer Kultureinrichtung. Damit sie in Zukunft aber mehr Freiheiten haben, trainieren können, wann sie wollen, andere unterrichten oder auch mal selbst Events organisieren, haben sie eigene Räumlichkeiten gesucht. Diese wollen sie noch in diesem Jahr eröffnen. Dazu haben sie die Gruppe "Chapter Raptor" gegründet und auch eine GmbH.

Corona-konform battlen über Instagram

Zuletzt haben Ken und Nam bei mehreren Online-Battles teilgenommen, über die Plattform Instagram – die Corona-Alternative zu den richtigen Wettkämpfen. Beim Wettkampf Dance Deluxe, der von der Stadt Nürnberg veranstaltet und von Rob Lawray mitorganisiert wurde, sind Ken und Nam im Halbfinale aufeinandergetroffen. Die Jury war sich uneins, so hat nach einem Unentschieden die Community in den Kommentaren den Sieger auserkoren: Ken kommt eine Runde weiter, ins Finale.

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Rob Lawray arbeitet seit Jahren für das Jugendhaus Bertha und kümmert sich um das Battle Dance Deluxe, das sonst eine Live-Veranstaltung ist. In diesem Jahr musste eine kreative Lösung her. Da er selbst für seine Schülerinnen und Schüler seit März 2020 Online-Classes und Challenges organisieren musste, findet er auch hier eine Lösung.

Die größte Herausforderung war, wie schafft man es, dass diese Online-Event auch viele sehen.

Rob Lawray, Tänzer und Organisator des Dance Deluxe

Auch Ken und Nam sind Fans des Formats

"Auch wenn es nicht optimal ist, es ist das Beste, was man gerade machen kann", sagt Ken. Beim Instagram-Wettbewerb fehlt vieles, was zu einem normalen Battle dazugehört: Live-Musik, auf die man tanzt; man hört sie das erste Mal, wenn der DJ sie anspielt und muss direkt reagieren. Der Druck, die Emotion mit dem Gegner gegenüber, dem man in die Augen schauen kann, auf den man reagieren kann und muss. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, die die Stimmung anheizen. Und die Gespräche und Begegnungen rund um so eine Veranstaltung.

Sächsische Tänzer sind Online erfolgreich

Streetdancer Ken Martin Leipzig hat in Leipzig eine Crew: KleinParis Bildrechte: Ntr Pictures

"So viele Nachteile gab es eigentlich gar nicht", sagt auch Nam und sieht die Vorteile an der Online-Version des Battles: "So hat man Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt." Nam hat bei einem internationalen Wettbewerb teilgenommen, organisiert aus dem Iran. Den hat er auch gewonnen. Beim Dance Deluxe, bei dem auch der Leipziger Ken dabei war, haben die Veranstalter extra Whats-App-Gruppen angelegt, damit die Tänzerinnen und Tänzer sich über den Wettkampf hinaus austauschen können. "Das war wichtig, denn durch die Videos war der Wettkampf bei mir sehr aufs Gewinnen ausgelegt. Weil ich den oder die andere ja nicht sehe", erklärt Ken, der das Dance Deluxe am Ende für sich auch entscheiden konnte.

Zum Begriff: Streetdance oder Urban Dance?Der Begriff Urban wird in der Hiphop-Szene aktuell diskutiert und kritisiert. Im Englischen sei der Begriff Urban ein Umweg, um von Ghetto oder direkt von schwarzer Kultur zu sprechen. Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Chance the Rapper sprachen davon, dass Schwarze schnell einfach in die Kategorie Urban abgeschoben werden, wenn sie ein Genre nur etwas beugten. Die Grammys reagierten 2020 auf Kritik und änderten eine Kategorie in "Black Music". Tänzer Nam Tran Xuan sagt: "Wir sind sozusagen Gast in der Hiphop-Kultur und deswegen sollten wir das respektieren und auch so umsetzen."

Die Autorin des Beitrages hat sich deshalb dazu entschieden, statt des weit verbreiteten Begriffs "urban dance" von "streetdance" zu sprechen – aber auch den Begriff urbaner Tanzstil zu verwenden, da der deutsche Begriff, im Gegensatz zum Englischen, nicht die Konnotation "Ghetto" trägt.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 30. Januar 2021 | 15:45 Uhr