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MDR KULTUR StudiosessionMDR KULTUR Studiosession mit Strömkarlen aus Dresden

Musikempfehlung

Strömkarlen aus Dresden: nordische Folksongs über Macht und Magie

von Grit Friedrich, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Stand: 02. Juli 2021, 12:11 Uhr

Fantasievolle Streicher, mehrstimmiger Gesang, virtuose Gitarren: Die Dresdner Band Strömkarlen entführt mit tänzerischer Musik ins nordische Reich von Riesen, Zwergen und Göttern – und fasziniert mit isländischen Texten.

Die Edda ist die wohl bekannteste Sammlung von Dichtkunst und Weltwissen aus dem Norden Europas. Davon ließ sich schon J. R .R. Tolkien für seinen Fantasy-Roman "Der Herr der Ringe" inspirieren. Auch die Folkband Strömkarlen aus Dresden greift auf diese altisländischen Texte zurück. Sie singt zum Beispiel Zaubersprüche, die Göttern und Menschen vorbehalten waren, aber nicht den Riesen.

"Irgendwann haben wir gesagt, wir wollen nur noch eigene Kompositionen spielen, selber Werke kreieren – mit alten Texten", erzählt Guido Richarts, Sänger, Bassist und Drehleierspieler von Strömkarlen. Die Edda sei so spannend, weil die Texte zunächst ungewohnt klängen, "weil sich die Sachen für unsere heutigen Ohren nicht reimen wie spätere Dichtung", so Richarts. Stattdessen gebe es Stabreime: "Die betonten Wortanfänge sind in einem bestimmten Schema gleich und das hat man damals als Reim, als Zusammenklang empfunden. Das ergibt, wenn man es vertont, tatsächlich eine andere Atmosphäre. Das fanden wir spannend."

Streichinstrumente dominieren den Klang

Seitdem die Dresdner Band vom Trio zum Quartett anwuchs, dominieren phantasievoll arrangierte Streichinstrumente den Klang von Strömkarlen. Caterina Other gibt den Liedern mit ihrer starken Liebe für Renaissancemusik einen satten tänzerischen Klang, Daniel Nikolas Wirtz sorgt für virtuose Melodien und Rhythmus an Gitarre und Mandoline. Die in Rudolstadt aufgewachsene Geigerin Christina Lutter spielt auch ihre traditionellen Flöten mit irischen und skandinavischen Klangfarben.

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Alle Musikerinnen und Musiker lieben Improvisation und mehrstimmigen Gesang: "Zwei Frauenstimmen, zwei Männerstimmen – damit kann man nochmal ganz anders arbeiten", findet Geigerin Lutter: "Und das andere, was ich sehr spannend und schön finde, ist, dass wir jetzt drei Streicher sind: Wir haben jetzt eine Geige, eine Bratsche (denn die Nyckelharpa, die Caterina spielt, ist in Bratschenstimmung) und den Kontrabass." Skandinavische Musik mit drei Streichern zu machen, mache sehr viel Spaß. Dazu trage auch das virtuose Gitarrenspiel von Daniel Nikolas Wirtz bei.

Strömkarlen entführen mit vielschichtiger, manchmal schwebender, dann wieder treibender Musik ihr Publikum in die Welten von Riesen, Göttern, Walküren und Zwergen. Das Quartett aus Dresden bewegt sich im Spannungsfeld zwischen uralten Traditionen und modernem Songwriting.

Grit Friedrich, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Die Texte muss man beim Hören nicht verstehen

In den von Strömkarlen neu vertonten Edda-Texten geht es oft um unterhaltsame Wissensduelle. Daneben gibt es immer wieder Verse zu alten Zaubersprüchen und Beschwörungsformeln, wobei bewusst auf schwedische und norwegische Übersetzungen verzichtet wurde, also alle Lieder im originalen Alt-Isländisch zu hören sind.

"Es gibt ja auch schöne Nachdichtungen auf Deutsch", sagt Sänger und Bassist Richarts, "aber wir lieben diesen für uns heute exotischen und urtümlichen Klang des Isländischen." Das habe nichts mit Authentizität zu tun. Aber schließlich solle die Musik im Vordergrund stehen.

Er höre viel fremdsprachige Musik, deren Texte er nicht verstehe. Dadurch könne er beim Hören seine eigene Bilderwelt kreieren, sagt Richarts: "Das funktioniert besser, wenn man nicht so an den Texten klebt. Bei einem Singer/Songwriter möchte ich genau wissen, was der mir zu sagen hat. Bei unserer Musik geht es mehr um Musik, die Texte sind der Anlass."

In Strömkarlens Musik steckt tiefes historisches Wissen

Skandinavien als Sehnsuchtsort, mit seiner imposanten Natur, den überwältigenden Landschaften und den bis heute in der Alltagskultur präsenten Sagen und Legenden, auch aus der Edda, spielt eine hörbare Rolle in der Musik der Dresdner. Es steckt tiefes historisches Wissen in den aus vielen Quellen schöpfenden Kompositionen dieser Band aus Dresden. Doch im Mittelpunkt steht die Kultur der Skalden, ihres Zeichens reisende Dichter in Island, die von Hof zu Hof gezogen sind, um ihre Verse zu verbreiten.

Und dann soll es einen sagenhaften Dichtertrank gegeben haben, den Skaldenmet: "Odin hatte davon gehört und wollte an diesen Skaldenmet rankommen, um auch ein guter Dichter zu werden", erzählt Geigerin Christina Lutter: "Wo er ihn gefunden hat, ob er da rangekommen ist oder nicht, kann ich hier nicht erzählen – das wäre Spoileralarm, das möchte ich hier nicht verraten." Strömkarlen entführen mit vielschichtiger, manchmal schwebender, dann wieder treibender Musik ihr Publikum in die Welten von Riesen, Göttern, Walküren und Zwergen. Das Quartett aus Dresden bewegt sich im Spannungsfeld zwischen uralten Traditionen und modernem Songwriting.

Die Band gibt ihr Wissen bei Schülerkonzerten weiter

Die dritte Edda-CD, "Edda Sånger: Runes & Rumours", ist – wie das Vorgänger-Doppelalbum – als von Hand geprägtes und in Leinen gebundenes Buch mit allen Liedtexten erhältlich. Im Frühling soll es zum ersten Mal Schülerkonzerte im soziokulturellen Zentrum Johanneshof im sächsischen Bockendorf zum Edda-Thema geben – denn an eine Tour von Strömkarlen, gar nach Skandinavien, wie zum CD-Release geplant war, ist vorerst nicht zu denken.

Bei den Schülerkonzerten will die Dresdner Band nicht nur ihre Lieder spielen, "sondern auch etwas über die mythologischen Hintergründe erzählen, Geschichtswissen vermitteln, ein bisschen Instrumentenkunde machen", sagt Christina Lutter: "Im Prinzip Geschichts- und Musikunterricht, Ethik, Religion und Deutsch. Wir decken das alles ab."

Album-Tipp & weitere InformationenStrömkarlen: "Edda Sånger Part III: Runes & Rumours" (2019)

Die Schülerkonzerte mit Strömkarlen sind im April und Mai geplant.

Ort: Kulturwerkstätten JohannesHof in 09661 Bockendorf. Nähere Informationen auf der Website der Band.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 17. Februar 2021 | 14:45 Uhr