Musikgeschichte 25. Todestag von Tamara Danz: Die wechselvolle Geschichte von Silly

Die gebürtige Thüringerin Tamara Danz galt als ostdeutsche Antwort auf Janis Joplin, Tina Turner oder Patty Smith. Ihre Stimme gab Silly-Songs wie "Bataillon d'Amour" oder "Mont Klamott" das gewisse Etwas. Am 22. Juli jährt sich ihr Todestag zum 25. Mal. Im Gespräch mit MDR KULTUR erinnert sich Uwe Hassbecker an sie. Er war nicht nur einer der Köpfe der Rockband, sondern auch abseits der Bühne Danz' Partner: Die beiden heirateten als sie bereits schwer an Krebs erkrankt war, ein halbes Jahr vor ihrem Tod.

Tamara Danz 8 min
Tamara Danz starb am 22. Juli 1996 in Berlin. Bildrechte: imago/BRIGANI-ART

Für Uwe Hassbecker lebt Tamara Danz immer weiter, weil sie durch die Lieder und ihre Stimme immer greifbar sei. Wenn er sich an Danz erinnere, dann an die glücklichen Zeiten, weniger an das letzte Jahr, dass von Krankheit gezeichnet war, erzählt er im Gespräch bei MDR KULTUR. Natürlich habe es auch im letzten Jahr gute Momente gegeben, sie hätten immer Hoffnung gehabt, aber es nahm eben kein gutes Ende.

Tamara Danz wurde oft "Tina Turner des Ostens" genannt. Doch Hassbecker betont, dass sie vor allem eine eigene Person war, für die man schwer Vergleiche heranziehen konnte – auch wenn ihre Frisur tatsächlich an Tina Turner erinnert habe. Sie sei eine absolute Ausnahmesängerin gewesen, das könne man besonders hören, wenn man sich alte Bänder vornimmt, auf denen ihre Stimme nicht – wie heute üblich – mit digitalen Mitteln bearbeitet ist.

Über das gesellschaftliche Engagement von Tamara Danz

Tamara Danz hat sich auch gesellschaftlich engagiert. Sie initiierte und unterzeichnete 1989 die "Resolution von Rockmusikern und Liedermachern", in der die Zulassung oppositioneller Gruppen und politische Reformen gefordert wurden. Die Sängerin verlas den Text verbotenerweise auf ihren Konzerten. Sie gehörte zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs "Für unser Land", der eine eigenständige Entwicklung der DDR forderte. 1990 arbeitete sie an verschiedenen "runden Tischen" zur Reform der DDR mit.

Das Comeback nach der Wende

1993 veröffentlichte Silly mit Tamara Danz das Album "Hurensöhne". Doch zuvor hatte die Band ein paar Jahre gebraucht, um sich zurechtzufinden nach dem Umbruch: "Das ganze Land wurde ja von innen nach außen gekrempelt".

Uwe Hassbecker
Uwe Hassbecker heiratete die totkranke Tamara Danz ein halbes Jahr vor ihrem Tod. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Silly habe damals noch einen halben Plattenvertrag mit Ariola gehabt, erinnert sich Hassbecker. Der war sozusagen übrig von der Arbeit an dem 89er-Album "Februar", dass als Kooperation zwischen dem DDR-Plattenlabel Amiga und der BMG Ariola entstand. Also habe man versucht, da weiterzumachen nach 1989, im Maffay-Studio mit den Produzenten und Maffay-Musikern Carl Carlton und Bertram Engel. Sie hätten sich gut verstanden, so Hassbecker, aber der Auftrag der Plattenfirma, Silly nach westdeutschen Maßstäben platt zu bügeln, der habe nicht funktioniert. Ein Manager habe damals gesagt: Sillys Texte würde in Deutschland keiner verstehen. Das erzähle auch viel über den Zustand der Gesellschaft damals. Als man der Band dann Schlagertexte unterjubeln wollte, hätte sie den Vertrag dann gekippt. Dann hätten sie nichts mehr gehabt und sich auf die Wurzeln besonnen.

Neuanfang mit dem Konzept "Silly und Gäste"

Danach geschah, so Hassbecker, erstmal lange Zeit nichts. "Wir haben in der Zeit immer gesagt: 'Die Band ruht'", erzählt Uwe Hassbecker. Als etwa 2004 Klaus Koch vom Musikverlag Buschfunk Silly für eine Veranstaltung zu "15 Jahre Buschfunk" anfragte, sei die Band zunächst ratlos gewesen. Man habe sich gefragt: Was sollen wir denn da machen? Und dann kam so langsam die Idee, gemeinsam mit Künstlern aufzutreten, mit denen man sonst so zu tun hatte, damals waren das IC Falkenberg und Anja Krappe. Gemeinsam habe man dann nur drei Titel unplugged gespielt, doch die Leute seien aufgestanden und hätten die Band nicht mehr von der Bühne gelassen. "Hinterher in der Garderobe haben wir uns angeguckt und gesagt: Wir müssen das weitermachen! Das ist unser Innerstes!" Das sei schließlich der Startpunkt für das Konzept "Silly und Gäste" gewesen.

Infos zum neuen Album Das neue Silly-Album mit den zwei Gastsängerinnen AnNa R. (Ex-Rosenstolz) und Julia Neigel erscheint im September 2021. Auf "Instandbesetzt" werden alte und neue Songs zu hören sein.

Mehr über Silly und Musik aus dem Osten

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juli 2021 | 16:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei