70. Geburtstag Veronika Fischer – die Thüringerin, die DDR-Musikgeschichte schrieb

Sängerin Veronika Fischer steht seit Jahrzehnten auf der Bühne. Ihre Ausnahmestimme hat sie zum Star gemacht, aus den Hitparaden der DDR war sie in den 70ern nicht mehr wegzudenken. Bis heute unvergessen sind Songs wie "Auf der Wiese" oder "In jener Nacht". Veronika Fischer, geboren im thüringischen Wölfis bei Gotha, hat Jazz mit der Band Panta Rhei und Kinderlieder mit Reinhard Lakomy gesungen. Und ganz gleich, ob Blues, Jazz, Kinderlieder oder Schlager – Veronika Fischer landete zahlreiche Hits. Am 28. Juli wird "Vroni", wie sie von Fans liebevoll genannt wird, 70 Jahre alt.

Veronika Fischer, 2015
Sängerin Veronika Fischer feiert am 28. Juli 2021 ihren 70. Geburtstag. Bildrechte: dpa

Wer an Veronika Fischer denkt, denkt zuerst an ihre Ausnahmestimme – und natürlich ihre zahlreichen Hits. Bis heute sind Songs wie "In jener Nacht", "Auf der Wiese" oder "Daß ich eine Schneeflocke wär" unvergessen. In den 70er-Jahren war Veronika Fischer ein Star in der DDR. Eine Ost-Pop-Ikone, deren Stimme so ziemlich alles in Gold verwandelt: ob sie nun mit der Band Panta Rhei ein Jazz-Album aufnimmt oder mit Reinhard Lakomy Kinderlieder für die Platte "Traumzauberbaum" singt. Es sind Erfolge, an die "Vroni" – wie sie ihre Fans bis heute nennen – später nicht mehr anknüpfen kann.

Eine Stimme, die man nicht vergisst

Musik hat schon zeitig eine Rolle im Leben von Veronika Fischer gespielt. Bereits im Elternhaus im thüringischen Wölfis geht es musikalisch zu, Hausmusik prägt sie und ihre Geschwister. Mit 17 Jahren geht sie nach Dresden an die Hochschule "Carl Maria von Weber" und begeistert dort die Lehrkräfte mit ihrer Stimme. Mit ihren vier Schwestern steht Fischer dann zum ersten Mal auf der Bühne, da ist "Vroni" gerade 19 Jahre alt. Die Sängerin erinnert sich:

Veronika Fischer
Veronika Fischer Bildrechte: MDR/Winkler

Das war nicht ohne. Kann sich ja jeder vorstellen, was los war, bei vier Mädchen.

Veronika Fischer über ihre Kindheit

Die Band-Angebote lassen nicht lange auf sich warten: Fischer singt bei der Stern Combo Meißen, nimmt mit der Band Panta Rhei (aus der später Karat wurde) ihre erste Platte auf, gründet schließlich 1974 die Veronika-Fischer-Band – und wird zum Star.

Veronika Fischer – ihre Karriere in Bildern

Die Schlagersängerin Veronika Fischer
Begonnen hat Veronika Fischers Karriere bereits 1960. Damals stand sie als Neunjährige mit ihren Schwestern erstmals auf der Bühne. Bildrechte: Herzklopfen kostenlos/DRA
Die Schlagersängerin Veronika Fischer
Begonnen hat Veronika Fischers Karriere bereits 1960. Damals stand sie als Neunjährige mit ihren Schwestern erstmals auf der Bühne. Bildrechte: Herzklopfen kostenlos/DRA
Sängerin Veronika Fischer bei Studioaufnahmen mit ihrem Keyboarder Franz Bartzsch 1974
Markenzeichen der Band waren neben Fischers markanter Stimme die fantasievollen Texte und vor allem die eingängige Musik von Franz Bartzsch (rechts im Bild). Der völlig neuartige Sound der Band fand schnell zahlreiche Anhänger. Bildrechte: imago/Gueffroy
Musikerin Veronika Fischer (GDR) bei Studioaufnahmen hinter dem Schlagzeug
Bei Studioaufnahmen setzte sich Veronika Fischer auch mal hinter das Schlagzeug – ob es ihre Spielkünste auf eines ihrer Alben geschafft haben, ist nicht überliefert. Bildrechte: imago/Gueffroy
Veronika Fischer 1978
Veronika Fischer im Januar 1978 in ihrem Geburtsort Wölfis in Thüringen. Bildrechte: MDR/Klaus Winkler
Veronika Fischer 1974
Veronika Fischer bei einem Auftritt im Jahr 1974. Bildrechte: mdr/rbb/Herbert Schulze
Veronika Fischer
Veronika Fischer steht noch heute auf der Bühne und veröffentlicht Alben. Das Bild zeigt die Sängerin Ende 2011 bei der MDR-Fernsehshow "Die Schlager des Jahres". Bildrechte: MDR/Michael Schöne
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2013 stellte "Vroni", wie sie von ihren Fans liebevoll und seit jeher genannt wird, auf der Leipziger Buchmesse ihre Autobiografie "Das Lügenlied vom Glück" vor. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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"Spannende Zeiten" und 1,5 Millionen verkaufte Platten

Markenzeichen der Band sind neben Fischers markanter Stimme die fantasievollen Texte und vor allem die eingängige Musik von Franz Bartzsch. Der völlig neuartige Sound der Band findet schnell Fans. Fischer erinnert sich: "Es waren sehr spannende Zeiten, sehr experimentell. Tabus wurden gebrochen", sagt sie im Rückblick über diese Jahre.

Veronika Fischer 1978
Veronika Fischer 1978 in ihrem Geburtsort Wölfis Bildrechte: MDR/Klaus Winkler

Mit Titeln wie "In jener Nacht", "Auf der Wiese", "Daß ich eine Schneeflocke wär" und vielen anderen ist sie ab Mitte der 70er-Jahre aus den Hitparaden der DDR nicht mehr wegzudenken und gewinnt zahlreiche Preise. Mehr als 1,5 Millionen Schallplatten verkauft sie mit der DDR-Plattenfirma Amiga. Und auch abseits ihrer Bandkarriere ist Fischer aktiv. 1980 singt sie im "Traumzauberbaum" mit, einer "Geschichten-Lieder"-Produktion von Reinhard Lakomy – ein bis heute beliebtes Kinderalbum.

Ausreise aus der DDR

Trotz aller Erfolge wächst die Unzufriedenheit der Veronika-Fischer-Band, 1977 trennt sich die Band von ihr. Aber "Vroni" macht weiter. 1980 kehrt Fischers Songwriter Franz Bartzsch nach einem Auftritt in Westberlin nicht mehr in die DDR zurück. "Unsere Titel wurden nicht mehr gespielt, Konzerte brachen weg", erinnert sich die Sängerin. Die künstlerischen und politischen Rahmenbedingungen in der DDR werfen für sie existentielle Fragen auf.

Als ihr Mann und Manager, ein Ungar mit gültigem Europapass wiederholt ohne Erklärung an der Grenze zum Westen zurückgewiesen wird und daraufhin mit dem einjährigen Sohn über Ungarn und Österreich nach West-Berlin reist, ist für sie ein Punkt überschritten. 1981 folgt ihnen die Sängerin, sie darf aus der DDR ausreisen. Und viele Fans sind enttäuscht. Sich nicht erklären können, war das Schlimmste, sagt sie. Heute spricht sie zwar ohne Groll über diese Zeit – und doch sind sie noch da: der ideologische und der politische Druck, die künstlerische Verantwortung, Wunden und Enttäuschungen.

Veronika Fischer
Veronika Fischer 1981 an der Berliner Mauer Bildrechte: dpa

"Das bin ich nicht"

Veronika Fischer
Veronika Fischer mit ihrem Buch "Woher Wohin. Erinnerungen" Bildrechte: dpa

An die Erfolge von früher kann Veronika Fischer nun nicht mehr so recht anknüpfen. Sie wehrt sich gegen die Schlager-Schublade. Als Titel entstehen, von denen sie sagt: "Das bin ich nicht", knallt sie auch hier die Schublade zu. Aber sie macht weiter und bringt regelmäßig Alben heraus, nimmt ein Musical-Konzeptalbum "Das Kind und der Kater" auf und geht auf Tour.

2013 wird ihre Autobiografie "Das Lügenlied vom Glück" veröffentlicht, die 2018 in einer erweiterten Version unter dem Titel "Woher Wohin. Erinnerungen" erneut erscheint. Und die Ausnahmestimme – die hat sie immer noch. Und so steht "Die Fischer" auch weiter auf der Bühne.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 29. Juli 2021 | 23:25 Uhr

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