Weimarer Operndirektorin Andrea Moses: Haben Frauen schlechtere Chancen bei Kultur-Führungsjobs?

Die in Dresden geborene Andrea Moses ist eine sehr erfolgreiche Frau im Kulturbereich, tätig als Operndirektorin in Weimar, zudem Regisseurin und Professorin mit Wirkstätten sind in Berlin, Weimar, Wien, Salzburg oder Bilbao, mehr als 60 Inszenierung hat sie bereits gemacht. Welche Chancen und Probleme sieht sie für Frauen in der Kultur? Darüber war sie beim MDR KULTUR-Café im Gespräch mit Thomas Bille.

Andrea Moses ist Operndirektorin am Deutschen Nationaltheater Weimar, hat Gastprofessuren an der Schauspielschule "Ernst Busch" Berlin und gibt Meisterkurse an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Sie ist also eine erfolgreiche Frau im Bereich der Kunst. Durch ihre vielen Erfahrungen, mit Künstlerinnen und Künstlern, Leitungspersonen, Studierenden und nicht zuletzt durch ihre eigene Karriere hat sie ein vielschichtiges Bild von den Karrierechancen für Frauen in der Kultur. Sie verweist auf die Probleme, die es noch immer gibt.

Müssen Frauen mehr leisten als Männer?

Dass es Frauen schwerer haben, im Kulturbereich in Führungspositionen zu kommen, führt Moses auf verschiedene Gründe zurück. So gäbe es "kulturell eingeschriebene Reflexe", beispielsweise beim Entstehen von Verabredungen.

Moses glaubt auch, dass Frauen, die in Führungspositionen hineinstoßen wollen, einen extremen Leistungsgedanken hätten. Ganz oft hätten sie durch ihre Erziehung das Gefühl, sie müssten mehr leisten, als Männer, sagt Moses und erweitert "sie transportieren dieses Gefühl des Ungerechtseins auch selbst mit". Trotzdem müsse sich die Welt natürlich komplett ändern, so Moses.

Frauen gehören in Führungsabteilungen und es müsse sich mindestens paritätisch entwickeln dürfen.

Andrea Moses

Weiblicher Opferstatus ist Andrea Moses fremd

Ein Problem hat Moses mit dem Opferstatus, den sie in Diskussionen bemerkt. Das sei etwas, das ihr eher fremd sei. Als Chefregisseurin in Dessau und leitende Regisseurin in Stuttgart habe sie positive Erfahrungen gemacht – streckenweise aber auch sehr negative. Jedoch habe sie immer den Eindruck gewonnen, dies hänge auch sehr von den Persönlichkeiten ab, die zusammenkämen und nicht nur von der Geschlechterfrage.

Bühne mit voelen Menschen, manche schwenken Fahnen, darunter eine Regenbogenfahne und Banner von Fußballvereinen
Andrea Moses' Umsetzung der Richard-Wagner-Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" 2015 an der Staatsoper im Schiller Theater Berlin, die musikalische Leitung hatte Daniel Barenboim inne. Bildrechte: imago images/POP-EYE

Zur Person: Andrea Moses

Andrea Moses wurde 1972 in Dresden geboren und kommt nach eigenen Worten "aus einem völlig amusischen Haushalt". Nach ihrem Abitur 1989 schwankte sie bei der Berufswahl zunächst zwischen Automechanikerin oder Ärztin, studierte dann aber zunächst Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft in Leipzig und Berlin, später Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und für ein Gastsemester an der Russischen Akademie für Theaterkunst in Moskau.

Andrea Moses schaut in die Kamera, eine Sonnenbrille ist auf den Kopf geschoben
Andrea Moses wurde in Dresden geboren Bildrechte: dpa

Danach legte sie zahlreiche Inszenierungen als Theaterregisseurin vor, unter anderem in Dresden, Hannover, Stuttgart, Oberhausen und Berlin. Ihre Begeisterung für die Opernregie konnte Moses erfolgreich am Staatstheater Meiningen starten, es folgten zahlreiche Inszenierungen in und außerhalb Deutschlands. Seit der Spielzeit 2021/2022 ist sie Operndirektorin am Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar. Sie lebt in Berlin und Wien.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. April 2022 | 11:05 Uhr

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