Radio Art Residency Wie Weimar mit Stipendien die Klangkunst bekannter machen will

Um der Klangkunst mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, haben das Goethe-Institut und die Bauhaus-Uni Weimar ein neues Stipendium geschaffen. Erster Künstler ist Masimba Hwati aus Simbabwe. Er bringt historische Radioaufnahmen aus den 1970er-Jahren zusammen mit Aufnahmen von dem Schwarzmarkt in Harare. Die so entstehende Schnittstelle zeigt, dass das Guerilla Radio von einst sowie der Devisen-Schwarzmarkt im heutigen Simbabwe als kommunikative Überlebensstrategien funktionieren. Das Ergebnis wird dann in Weimarer Galerien zu hören sein und bei Deutschlandfunk Kultur.

Masimba Hwati
Der Klangkünstler Masimba Hwati war einer der zentralen Künstler bei der Ausgestaltung des Pavillons von Simbabwe bei der 56. Biennale von Venedig Bildrechte: Masimba Hwati

Radiokunst – oder auch Klangkunst - ist kein Genre, das in Deutschland besonders viel Aufmerksamkeit erfährt, Sendeplätze sind rar und in Museen ist sie auch eher selten anzutreffen. Das Goethe-Institut und die Bauhaus-Uni Weimar wollen das ändern: Sie haben die Weimarer Radio Art Residency aufgelegt, ein dreimonatiges Arbeitsstipendium, bei dem ein ganz konkretes Projekt verfolgt werden soll.

Guerilla Radio

Erster Artist in Residence in Weimar ist der Klangkünstler Masimba Hwati aus Simbabwe. Er nutzt beispielsweise eine selbst aufgenommene Geräuschkulisse, die an einen Ort rund 10.000 Kilometer entfernt entführt: zum Schwarzmarkt von Harare, auf dem Devisen gehandelt werden. Im Studio der Bauhaus-Universität Weimar bringt er diese Originalaufnahmen vom Schwarzmarkt zusammen mit historischen Radioaufnahmen aus den 1970er-Jahren.

Mark in Harare, Zimbabwe
Markt in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe Bildrechte: dpa

Damals befand sich Simbabwe im Befreiungskrieg gegen die britische Kolonialmacht und der Widerstand organisierte sich hauptsächlich per Guerilla Radio. Für Hwati gibt es zwischen diesem historischen Material und den aktuellen Aufnahmen eine Schnittstelle – er sieht sowohl das Guerilla Radio von einst als auch den Devisen-Schwarzmarkt im heutigen Simbabwe als kommunikative Überlebensstrategien.

Was er damit meint, erläutert Hwati: "Wie überleben Menschen? Menschen überleben durch den Schwarzmarkt, indem sie Informationen teilen. Darüber, wie viel eine Währung wert ist. Die Regierung in Simbabwe kontrolliert die Wechselkurse natürlich, aber die Leute wissen einfach, dass sie einen besseren Kurs bekommen, wenn sie das einfach unter sich aushandeln. Es ist also ähnlich wie zu Kriegszeiten: Damals bot das Radio einen freien Raum für Information, heute ist es der Schwarzmarkt. Und indem die Menschen diesen Raum nutzen, ermächtigen sie sich selbst."

Hörstück für Radio und Galerien

In Weimar hat Hwati nun drei Monate Zeit, um das Projekt voranzubringen. Am Ende wird ein fertiges Hörstück stehen, das beim Kooperationspartner Deutschlandfunk Kultur gesendet wird, erklärt Projektkoordinator Lefteris Krysalis von der Bauhaus-Universität.

Die Idee ist, dass die Künstler in diesen drei Monaten die Infrastruktur der Bauhaus-Uni nutzen können und hier auch Tonaufnahmen machen können. Dazu gibt es kuratorische Hilfestellung von Professorin Natalie Singer. Und außerdem besteht die Möglichkeit, die eigene Kunst in Weimar vor Ort zu präsentieren, in der Galerie Eigenheim und der ACC-Galerie, die auch mit uns kooperieren.

Lefteris Krysalis, Projektkoordinator

Hwati hat die neue Herausforderung voller Energie angenommen. Und auch, wenn es schwierig ist in Pandemiezeiten, so hat er seit Anfang April schon diverse Kontakte in Weimar geknüpft. Seine Arbeiten werden deswegen wohl nicht nur zu hören sein, sofern die Pandemie es zulässt, plant er auch verschiedene Performances vor Ort in Weimar.

Gruppenarbeitsräume
Die Bauhaus-Uni Weimar hat zusammen mit dem Goethe-Institut "Radio Art Residency" aufgelegt, ein dreimonatiges Arbeitsstipendium. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Künftig zweimal jährliches Klangkunst-Stipendium

Die Radio-Art-Residency wird ab sofort zweimal im Jahr ausgeschrieben. Mit dem Stipendienprogramm soll das Genre der Klangkunst aus der Nische geholt werden. Ganz bewusst werden deshalb auch Künstlerinnen und Künstler aus anderen Genres aufgefordert, sich zu bewerben, und das Medium Radio auszuprobieren.

Kunst und Kultur in Weimar

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Mai 2021 | 08:45 Uhr

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