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Als Geheimrat lud Goethe (1749-1832) in Weimar regelmäßig zu Hauskonzerten ein. Geleitet wurden diese 25 Jahre lang von Komponist Carl Eberwein. Bildrechte: imago/United Archives

StichtagWie Goethe in Weimar den Komponisten Carl Eberwein entdeckte

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Stand: 11. November 2021, 14:50 Uhr

Der Dichter Goethe interessierte sich nicht nur für Literatur, sondern sein Leben lang auch für Musik. In Weimar entdeckte er den jungen Komponisten Carl Eberwein, der 25 Jahre lang die Hauskonzerte im Goethehaus leitete. Neben Melodien zu Gedichten, vertonte er auch schillersche Rätsel und begleitete Sängerinnen am Klavier. Später wurde Ebermann zum Direktor der großherzoglichen Oper Weimar und vertonte Goethes Faust. Vor 235 Jahren geboren, ist er heute fast in Vergessenheit geraten.

Musik liegt bei den Eberweins in der Familie. Großvater, Vater und Onkel - alle sind sie erfolgreiche Musiker in Thüringen. Natürlich bekommen auch die drei Söhne des Weimarischen Stadtmusikus Alexander Bartholomäus Eberwein eine gute musikalische Ausbildung und spielen schon als Kinder in der städtischen Musikkapelle mit. Da Weimar ein Dorf ist und die Stadtmusiker auch bei Hofe aushelfen müssen, fällt der jüngste Eberwein-Sohn dem Dichter Johann Wolfgang Goethe auf.

Goethe protegiert den jungen Komponisten

In einem Brief an den Musiker Friedrich Zelter schreibt Goethe: "In einiger Zeit erhalten sie Versuche eines jungen Musikers, der bei meiner Singschule diesen Winter mitgewirkt hat. Es sind vierstimmige Gesänge, und wenn sie Ihnen einiges Zutrauen erregen, so schicke ich Ihnen den jungen Mann selbst, damit er sich Ihres gegenwärtigen Einflusses erfreue."

Franz Carl Adelbert Eberwein (1786-1868) wurde später Dirigent an der großherzoglichen Oper Weimar. Bildrechte: Hans Wahl/Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932

Und so geschieht es. Carl Eberwein reist dank Goethes Fürsprache nach Berlin und nimmt Unterricht bei Zelter. Zurück in Weimar macht er sich im Goethischen Haus unentbehrlich: er schreibt Melodien zu dessen Gedichten, vertont auch schillersche Rätsel und begleitet die Sängerinnen am Klavier. Eberwein selbst sieht in dieser Zeit dank Goethes Hilfe die Grundsteinlegung für seine spätere Musik: "Hier wurde der Grund zu dem gelegt, was mir vielleicht später bei der Liederkomposition gelungen ist."

Anna Amalias Hof als Talenteschmiede

Der Weimarer Musenhof ist dank Anna Amalia ein musikalischer Hof. Die Herzoginmutter komponiert selbst und auf ihren Schlössern werden die damals populären Singspiele aufgeführt. Eberwein steuert eine Vertonung von Goethes "Proserpina" bei. Der Geheimrat ist zufrieden und hat eine Idee: Eberwein solle den "Faust" vertonen. Eberweins anfängliche Euphorie schwindet jedoch rasch.

Herzogin Anna Amalia (1739-1807) war selber als Komponistin tätig. Bildrechte: imago/imagebroker

"So leicht mir die Musik zur 'Proserpina' geworden war, so schwer wurde mir jetzt derselben zu 'Faust' eine des Gedichts würdige Gestalt zu geben, so dass der Laie durchs Gefühl, welches die Musik erweckt, die hohe Bedeutung desselben erahnen könnte, die er mit dem Verstande nicht zu erfassen vermag", schreibt Eberwein später.

Gothes Faust von Eberwein nach 20 Jahren vertont

Goethe ist sauer und tobt in einem Brief an Zelter: "Des jungen Mannes Talent kennst Du. Es ist ein geerbtes, äußeres und mit nichts gefüttert. Deswegen klebt's mit Lust an der Erde und begreift nicht, warum es sich nicht vom Boden heben kann." 22 Jahre bleibt die Komposition liegen.

Doch als das Weimarer Hoftheater Goethe zum 80. mit einer Faust-Inszenerung beglückt, da ertönt Carl Eberweins Faust-Musik. Und von da an regelmäßig bis in die 1870er-Jahre. Eberwein frohlockt, er habe damit gezeigt, "... dass mein allerdings geerbtes Talent wohl fähig war, sich vom Boden zu erheben und nach dem eigentlich Besten zu streben."

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 10. November 2021 | 06:40 Uhr