Amtswechsel Musikhochschule Weimar: Das hat die neue Präsidentin Lindig vor

Zum 1. Juli 2022 wird Anne-Kathrin Lindig Präsidentin der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Die Violinprofessorin und bisherige Vizepräsidentin übernimmt das Amt von Christoph Stölzl, der in den Ruhestand geht. Im Interview spricht Lindig darüber, welche Schwerpunkte sie als neue Hochschulpräsidentin setzen möchte.

Porträt von Frau mit kürzeren, blonden Haaren, Blick ins Bild, lachend, mit Blazer und Perlenkette, hält Violine in der Hand, Hintergrund unscharf
Die Violinprofessorin Anne-Kathrin Lindig wird neue Präsidentin der Hochschule für Musik Weimar Bildrechte: Alexander Burzig

MDR KULTUR: Sie sind Vizepräsidentin, seit 1993 Professorin für Violine. Können Sie jetzt nahtlos an das anschließen, was Christoph Stölzl in den zurückliegenden zwölf Jahren so angeschoben hat? Oder muss man die Hochschule neu denken?

Anne-Kathrin Lindig: Ich denke, da kann ich nahtlos anschließen. Das Neudenken oder das Weiterdenken bleibt natürlich nicht erspart. Das muss man schon tun in solchen Zeiten wie heute. Sie wissen so gut wie ich auch, dass es ein sehr dynamisches Berufsfeld ist, was uns Künstler und Künstlerinnen erwartet, und da muss jede Hochschule drauf reagieren. Und da habe ich so manche Idee, die ich hoffe dann auch umsetzen zu können.

Sagen Sie mal ein paar Ideen.

Das sind keine Ideen, die ich mir jetzt ganz neu ausdenke. Aber Sie wissen, dass unsere jungen Absolventinnen sehr flexibel sein müssen. Das heißt, ich denke an solche Wörter wie "Patchworkexistenzen". Man kriegt vielleicht eine Viertelstelle in einer Musikschule und hat noch einen Zeitvertrag in einem Orchester. Das meine ich mit "Patchwork", also mit verschiedenen Anstellungen. Und darauf muss ich vorbereitet sein.

Dass ich im Grunde freie Künstlerin bin, freie Musikerin, und mich auch in Fragen wie Steuerrecht oder Vertragsrecht, Selbstorganisation zurechtfinde. Und hier müssen wir mit unserem Curriculum drauf reagieren. Da sehe ich großen Anspruch. Ebenso wie in der Instrumental- und Vokalpädagogik, Schulmusik – auch hier müssen wir darauf reagieren, dass wir eine immer multikulturellere Gesellschaft werden und dass wir auch unsere zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer auf diesen Anspruch vorbereiten.

Musiktherapie soll ein neuer Schwerpunkt werden. Das finde ich spannend.

Als ich mich auf das (…) Wahlverfahren vorbereitet habe, (…) da habe ich immer überlegt: Gibt es irgendwas, wovon du träumst, was du gerne machen möchtest? Und das gehört dazu. Als zukünftiges, dynamisches Berufsfeld wäre auch das für mich ein Schwerpunkt, den junge Menschen zusätzlich zu ihrer Musikerausbildung mit wählen können, um in diesem Bereich sehr gut ausgebildet auch arbeiten zu können.

Ich denke, mit Musiktherapie kann man unglaublich viel erreichen, und das ist wahnsinnig notwendig in der Zeit, in der auch die Seele so verletzlich ist, wie sie jetzt im Moment gerade uns umgibt, die Zeit.

Die Hochschule für Musik macht auch das, was alle anderen Institutionen auch zu tun haben: die Stichworte Diversität, Gleichstellung, Inklusion – ist das etwas Neues für Sie? Oder machen Sie da nur weiter mit einer etwas aufgbauteren Stabsstelle?

Da mache ich weiter, das ist nichts Neues. Das ist in den letzten Jahren ja sehr verstärkt worden. Wir haben in diesen ganzen Bereichen ja auch Beauftragte. Ich finde, dass wir das mehr bündeln müssen, dass das mehr kanalisiert werden muss. Deswegen diese Idee der Stabsstelle.

Das sind bei uns meist Kolleginnen und Kollegen, die, so wie ich jetzt im Moment auch, eine Professur führen oder eine Mitarbeiterstelle haben und das quasi als Selbstverwaltungsaufgabe mit übernehmen, so eine Beauftragten-Aufgabe. Und ich möchte einfach, wenn die Stabsstelle an die Präsidentin angebunden ist, das damit auch mehr würdigen und auch nach außen zeigen: Das ist uns wichtig, wir reagieren darauf. Wir sind da auch aktiv und nicht nur, wenn es brennt, löschen wir irgendwo. Sondern wir beschäftigen uns wirklich mit den Themen. Und deswegen möchte ich damit diese beiden Zeichen setzen. Und natürlich auch, um die Beauftragten ein bisschen zu entlasten.

Das Interview führte MDR KULTUR-Moderator Thomas Bille.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Januar 2022 | 08:40 Uhr

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