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EröffnungDie Elphi von Wernigerode: Ehemalige Kirche ist nun Konzertsaal

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Korrespondentin für Sachsen-Anhalt

Stand: 03. März 2022, 04:00 Uhr

Zwei Jahre lang wurde die 1762 erbaute Liebfrauenkirche in Wernigerode auf Initiative der Kulturstiftung Wernigerode zu einem modernen Proben- und Konzerthaus umgebaut. Am Donnerstag, 3. März, ist das Konzerthaus eröffnet worden. Auch der sachsen-anhaltinische Kulturminister Rainer Robra war zu Gast und sprach in seinem Grußwort von einem "starken Signal weit über Wernigerode hinaus". Finanziert wurde das Projekt mithilfe von EU-Fördermitteln über das EFRE-Programm und großzügigen Spenden. Wernigerode im Harz ist jetzt nicht nur um eine Touristen-Attraktion reicher, sondern das Philharmonische Kammerorchester hat damit endlich auch einen eigenen Spielort.

Wie geschwungene Notenlinien wirken die Motive der Buntglasfenster der Liebfrauenkirche Wernigerode. Seit kurzem schmücken sie den Anbau des ehemaligen Gotteshauses, das in den vergangenen zwei Jahren zu einem Konzertsaal umgebaut wurde. Die Idee war, die historische Substanz zu erhalten und dennoch einen modernen Konzertsaal zu schaffen. So wurde die umlaufende Loge zu einer verspiegelten Garderobe umgebaut und der barocke Kirchenraum mit großer Bühne und 480 Stühlen ausgestattet.

Die "Bühne" im Konzerthaus Liebfrauen in Wernigerode gehört jetzt der Musik und nicht mehr der religiösen Verkündung. Bildrechte: Konzerthaus Liebfrauen Wernigerode

Der Raum sei um 90 Grad gedreht worden und das Publikum blicke nun in Richtung Orgel, erklärt Rainer Schulze, einer der Mitinitiatoren des Umbaus. Mit Altar, Orgel und Fürstenloge entsteht so eine würdevolle Atmosphäre. Für einen exzellenten Klang sorgen die gewölbte Decke ohne Stützen und das Schallsegel, erklärt Christian Fitzner, künstlerischer Leiter des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode: "Wenn Sie vorne auf der Bühne stehen, dann hört man im äußersten Eck, auf der anderen Seite, oben in der Empore jedes Wort. Das ist das Phänomenale an dem Saal, dass er den Gesang verbessert und eben nicht nur die lauten, sondern gerade die leisen Töne sehr fördert."

Orchester Wernigerode bekommt eigene Spielstätte

Mit dem Konzertsaal hat das ortsansässige Orchester endlich eine eigene und adäquate Spielstätte. Und das sei nicht nur positiv für das Publikum, findet Schulze, sondern auch für die Musiker: "In diesem Raum hebt sich das Orchester von einem Provinzorchester ab, indem es plötzlich ganz anders spielt. Sie müssen erstens nicht mehr so laut spielen, wie in normalen Räumen, und zweitens viel besser spielen, weil man hier tatsächlich jeden Ton hört."

Ein gelungenes Zusammenspiel von Optik und Akustik, also quasi die Elphie von Wernigerode? Besser noch, sagt Fitzner augenzwinkernd: "Wir verbinden hier Historie aus der Stadt heraus, nicht in einem aufgesetzten Saal, der neu konstruiert und angelegt wird. Wir verbinden historische Qualität mit zeitgenössischen Ansprüchen und dadurch, entsteht eine höhere Konzentration beim Zuhören."

Blick auf die Liebfrauenkirche in der historischen Altstadt von Wernigerode Bildrechte: dpa

Musikalische Vernetzung innerhalb Sachsen-Anhalts

Das Publikum erwartet ganz unterschiedliche Klänge. Durch die große Bühne und die darüberliegende Chorempore kann das Programm ganz vielgestaltig ausfallen. Von Orgelmusik und Chören bis hin zu Liedermachern und Singer-Songwritern, von Konstantin Wecker bis Reinhard Mey, sei alles möglich, sagt Schulze.

Die moderne Innenraumgestaltung erzeugt ein ganz besonderes Flair mit geschwungenen Wellen, die an Notenlinien erinnern. Bildrechte: Polyluchs Kreativagentur

Und die moderne Technik ermöglicht nun auch digitale und hybride Veranstaltungen, da habe man bereits aus der Pandemie gelernt. Die Akustik sei so gut, dass sich auch schon verschiedene Tonstudios gemeldet hätten, freut sich Fitzner. Doch auch Laien- oder Schülerensemble seien willkommen: "Wir verstehen Kultur als Begegnungsort", sagt Fitzner. Man wolle sich deshalb in Zukunft mit anderen Ensembles innerhalb Sachsen-Anhalts vernetzen, Solisten einladen und gemeinsame Veranstaltungen mit umliegenden Dörfern realisieren."

So versteht sich das neue Konzerthaus auch als kultureller Kulminationspunkt für den gesamten Harz – eine hoffentlich viel besuchte Begegnungsstätte für Einheimische und Touristen.

Eine Plastik von Friedrich Krell ziert den neuen Musenort, Krell hat das musikalische Leben in Wernigerode stark geprägt, er gründete u.a. den späteren Rundfunk-Jugendchor Wernigerode und war 45 Jahre dessen künstlerischer Leiter. Bildrechte: Polyluchs Kreativagentur

Ausflugsziele in und um Wernigerode

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 03. März 2022 | 07:40 Uhr