Zwischen Tradition und Aufbruch Zukunft der Orchester: "Wir sind zu vergangenheitsfixiert"

Orchester sollten mehr zeitgenössische Musik spielen, fordert der Dirigent Ekkehard Klemm anlässlich einer Fachtagung zur Zukunft der Orchester in Dresden. Wie politisch und zukunftsfähig sind die Orchester, wie soll sich die Ensemble- und Orchesterkultur in den nächsten Jahren entwickeln? Die Fachkonferenz "Zukunft(s)Orchester" hat versucht, diese Fragen zu beantworten.

MDR-Musiksommer-Konzert in Weißensee mit MDR-Sinfonieorchester, Anastasia Kobekina (Violoncello) und Marie Jacquot (Dirigentin). 4 min
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Was sollen Orchester spielen? Wie bleiben Musiker gesund? Was soll der Nachwuchs lernen? All das sind Themen der Fachtagung "ZUKUNFT(S)Orchester" in Dresden.

MDR KLASSIK Fr 23.10.2020 17:10Uhr 03:43 min

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Sein Urteil über heutige Spielpläne wirkt energisch: "Unsere Konzertprogramme sind momentan sowas von vergangenheitsfixiert!", sagt Ekkehard Klemm, der Dirigent und Initiator der Tagung "Zukunft(s)Orchester". Musik der Zeit werde mit 15, 20 Minuten an den Beginn von Programmen verbannt. Dabei seien zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten "unsere direkten Freunde, unsere Nachbarn". Wir würden sie strafen "mit einer schmählichen Verachtung, indem wir sie nur nebenbei wahrnehmen". Deshalb ermuntert Klemm die Orchester, lange, aktuelle Werke in den Mittelpunkt von Konzerten zu stellen.

Die Musiktradition ist zeitgenössisch

Ekkehard Klemm
Der Dirigent Ekkehard Klemm Bildrechte: Hans Ludwig Böhme

Auch aus historischer Sicht lässt sich für modernere Konzertprogramme argumentieren. So war es laut Klemm undenkbar, dass zur Zeit Mendelssohns in Leipzig, als das bürgerliche Konzert entstanden ist, ein Sinfoniekonzert erklang mit 250 Jahre alter Musik: "Sondern es war selbstverständlich alles zeitgenössische Musik."

Neue Anforderungen an Musikstudierende

Bei der Fachtagung "Zukunft(s)Orchester" an der Hochschule für Musik in Dresden diskutierten Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland über die Zukunft der Orchesterausbildung. Dabei wurde deutlich: Die Anforderungen an Musikstudierende werden vielfältiger. So rät der Rektor der Hochschule Axel Köhler den Studierenden, selbst kreativ zu werden, zum Beispiel in den sozialen Medien: "Es gibt ganz viele Möglichkeiten, die es früher nicht gegeben hat, als die Orchester entstanden sind. Dagegen muss man sich behaupten, damit muss man sich aber auch vernetzen. Die Fähigkeiten gilt es neben der puren Ausübung von Musik auszubilden."

Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden 73 min
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In der Fachkonferenz vom Oktober 2020 diskutieren Prof. Christian Höppner, Prof. Ekkehard Klemm, Sofia von Freydorf und Carena Schlewitt. Ziel: Gründung eines "Dresdner Instituts für Ensemble- und Orchesterentwicklung".

MDR KULTUR - Das Radio Di 27.10.2020 22:00Uhr 72:37 min

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Für Gesundheit wird mehr getan

Beachtliche Fortschritte gibt es beim Thema Musikergesundheit. Sei es noch vor zwei, drei Jahrzehnten gegen große Widerstände an den Hochschulen eingeführt worden, werde es inzwischen groß geschrieben, freut sich Hans-Christian Jabusch, Leiter des hiesigen Instituts für Musikermedizin. Ähnliches beobachtet er bei Orchestern. Auch diese würden das Thema zunehmend in den Mittelpunkt stellen und zum Beispiel Gesundheitstage veranstalten. Orchestermusiker und -musikerinnen, die das Thema noch nicht in Ihrer Ausbildung hatten, würden dort gewissermaßen nachgeschult.

Musikhochschule Dresden bekommt ein neues Institut

Die Musikhochschule Dresden will die vielfältigen Ausbildungsstränge nun bündeln, in einem eigenen Institut: Das Dresdner Institut für Orchester- und Ensembleentwicklung soll nächstes Jahr gegründet werden.

Mehr Orchestermusik bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR - Werkstatt | 27. Oktober 2020 | 22:00 Uhr