Porträt Corona am Theater Erfurt – Welche Hürden muss Dirigent Yannis Pouspourikas nehmen?

Am Theater Erfurt ist der Franzose Yannis Pouspourikas seit dieser Spielzeit stellvertretender Orchesterleiter. Für den Kapellmeister bedeutet das: Alles ist ein wenig anders – sowohl die Proben, als auch die Premieren. Wer ist dieser Mann, der jetzt in Erfurt den Dirigentenstab schwingt und in den kommenden beiden Jahren dem Orchester auch seine Erfahrung weitergeben will?

Dirigent Yannis Pouspourakis
Dirigent Yannis Pouspourakis ist seit dieser Spielzeit stellvertretender Orchesterleiter am Theater Erfurt. Bildrechte: Theater Erfurt/Lutz Edelhoff

Es ist eine der ersten Proben zum szenischen Liederzyklus von Christian Jost. Im Mittelpunkt: Robert Schumanns "Dichterliebe" und die Texte von Heinrich Heine. Geprobt wird anders als man es gern hätte – in kleiner Besetzung und auf Abstand. Es ist eine der ersten Produktionen Yannis Pouspourikas' – dem neuen ersten Kapellmeister am Theater Erfurt. "Dichterliebe" ist sein Projekt der Coronazeit. Das heißt: die wenigen Musiker auf der Bühne spielen oft als Solisten. Auch die lediglich zwei Sänger und eine Sängerin müssen erstens anders miteinander kommunizieren und zweitens in Monitore blicken, um den Dirigenten zu sehen – der anders als sonst, nicht aus dem Orchestergraben dirigiert, sondern hinter ihnen am Bühnenrand steht. 

Rückbesinnen auf Bewährtes und Gelerntes

Es gilt – gerade jetzt – die Fäden nochmals anders im Griff zu haben. Und Yannis Pouspourikas schöpft aus seiner Erfahrung. Geboren in Marseille, studierte er am Konservatorium in Genf, war am Opernhaus Zürich, später Assistent und zweiter Chorleiter an der Oper in Paris und schließlich erster Kapellmeister in Antwerpen. Er versteht Orchester und Dirigent als Kombination. Eine dirigierende Person müsse verstehen, was ein Orchester braucht, um den Musizierenden gut zu helfen.

Wenn ich einem Orchester, welches keine Organisation braucht, Organisation gebe, dann ist es nicht wirklich reicher nach einer Probe – wenn ich einem Orchester, das träumen soll, Träume gebe, dann ist die Probe besser.

Yannis Pouspourikas, Orchesterleiter am Erfurter Theater

Der Ton im Miteinander ist kollegial, auf Augenhöhe und immer von Höflichkeit geprägt. Es liege, sagt Pouspourikas, an seiner Kultur. Er möchte sich eher als Partner mit seinen Musikerinnen und Musikern im Orchester verstehen, weniger als Boss. Er habe sich noch nie mit dieser übergeordneten Rolle identifizieren können. Anders als manche deutschen Dirigenten, die er erlebt habe, und welche erfolgreich laut und direkt kommuniziert hätten, sei seine Prägung anders verlaufen. Pouspourikas erklärt sich das aufgrund der anderen Kultur, in der er aufgewachsen sei und welche er in der Musikhochschule erlebt habe.

Dirigent Yannis Pouspourakis
Yannis Pouspourakis dirigiert Bildrechte: Theater Erfurt/Lutz Edelhoff

Ich bin sozusagen ein bisschen anders – kulturell. Und das macht unsere Welt auch ein bisschen reicher.

Yannis Pouspourikas, Orchesterleiter am Erfurter Theater

Seine Mutter ist Argentinierin, der Vater aus Griechenland.  Aufgewachsen ist er in Frankreich und – seit Jahren beruflich auch in Deutschland aktiv, u.a. war er Dirigent in Essen, in Nordrhein-Westfalen. Wichtig sei ihm gewesen, sein Repertoire zu erweitern. Er erinnere sich an eine Woche, in er an sechs Vorstellungstagen fünf verschiedene Titel dirigiert habe.

Neuen Herausforderungen begegnen

Diese Spielzeit in Erfurt hat für ihn deutlich ruhiger und anders begonnen. Eine Zeit, die den musizierenden und dirigierenden Personen andere Qualitäten und Konzentration abverlangt und ständig eine leichte Unruhe mit sich bringt. Während Yannis Pouspourikas derzeit die "Dichterliebe" probt, weiß er, dass es ein Credo beim Anpacken von Musik für ihn gibt.

Wenn ich ein Programm mache, denke immer 'Warum spielen wir diese Musik hier und heute?' Wenn ich nicht antworten kann, dirigiere ich diese Musik nicht.

Yannis Pouspourikas, Orchesterleiter am Erfurter Theater

In den kommenden Wochen wird sich in seinen Proben alles um das Neujahrskonzert drehen mit Blick auf eine Spielzeit, die dann in hoffentlich besseren Fahrwassern stattfinden darf. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Dezember 2020 | 12:40 Uhr

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