MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt #8 Ein Clubbesuch ohne Maske? Debatte um Zukunft der Clubszene

Die achte MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt widmete sich denjenigen, die zu Beginn der Corona-Pandemie als Erste ihre Türen schließen mussten und jetzt wohl zu den Letzten gehören, die diese wieder öffnen dürfen: Clubs. Wie werden sie in den kommenden Monaten genutzt? Wer tritt auf und unter welchen Bedingungen? Wie gelingt die Nachwuchsförderung? Und wer finanziert das Ganze? Darüber diskutieren Musikerin Alin Coen, die Geschäftsführerin des "Werk 2" in Leipzig, Katrin Gruel, Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch und Reinhard Bärenz, Redaktionsleiter von MDR KULTUR.

In Sachsen ist laut neuer Corona-Schutzverordnung (ab 01. Juli) der Clubbesuch ohne Maske möglich. Die Bedingung dafür ist eine Inzidenz unter 10 und eine Testpflicht für Besucherinnen und Besucher. Sachsens Kulturministerin Babara Klepsch sagte bei der MDR KULTUR-Zukunftswerkstatt, nun müsse auch eine Anpassung der sogenannten "Allgemeinverfügung Hygiene" folgen. "Der nächste Schritt ist, dass auch in dieser Allgemeinverfügung darauf geachtet wird, dass die Maskenpflicht dort nicht enthalten ist", so die Ministerin.

Wiederbelebung der Clubszene

Alin Coen
Für die Musikern Alin Coen ist der Club ein "safe space". Bildrechte: Sandra Ludewig

Für Musikerinnen und Musiker wäre der Wegfall der Maskenpflicht ein weiterer Schritt hin zu dem Konzerterlebnis, das sie einmal kannten. Die Musikerin Alin Coen schwärmt von diesem Erlebnis im Gespräch mit MDR KULTUR. Der Club sei für sie ein "safe space" für Musikauftritte. "Es sind so ganz verbindende Momente dort. Für mich ist das Musikmachen auch eine Kommunikationsform", sagt die Sängerin. Diese Form der Kommunikation will sie auch anderen ermöglichen und fordert daher mehr Raum für Nachwuchstalente. Außerdem spricht sich Alin Coen für Geschlechtergerechtigkeit auf Bühnen aus: "An die Clubs: Nachwuchs fördern und Frauen, non-binäre Personen und transgender-Personen mit einbinden in die Programmierung". Darauf müsse künftig mehr geachtet werden.

Katrin Gruel
Katrin Gruel, Geschäftsführerin vom "Werk 2" in Leipzig, sieht Chancen für junge Musikerinnen und Musiker. Bildrechte: Fabian Heublein

Wenn Clubs in Pandemie-Zeiten nicht voll ausgelastet spielen können, sei das eine Chance für junge Musiker, sagt Katrin Gruel, Geschäftsführerin vom "Werk 2" in Leipzig. "Dann ist es einfacher zu sagen, man nimmt jemanden aus dem mittleren Sektor, der vielleicht noch 500 Leute zieht", auch wenn der Raum eigentlich für 1.200 Menschen ausgelegt ist. In dem Zusammenhang macht Sängerin Alin Coen den Vorschlag, dass auch etablierte Musiker, mehr junge Künstlerinnen und Künstler als Vorbands oder Support-Acts engagieren könnten. So könnten auch noch unbekannte Musikerinnen und Musiker die große Bühne kennenlernen. 

Finanzierung der Clubkultur

Räume für alle Facetten von Menschen und Musik können nur geschaffen werden, wenn genug Geld dafür vorhanden ist. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch macht darauf aufmerksam, dass Clubkultur neben der Förderung über die Kulturräume auch von dem sogenannten "Kleinprojektefonds" der Kulturstiftung Sachsen profitieren könne. Gerade für Nachwuchsmusikerinnen und -musiker im ländlichen Raum sei dies eine Chance, einen Auftritt zu realisieren. "Ich glaube dieser Kleinprojektefonds könnte uns als Anschub nach der Pandemie ein wichtiger finanzieller Impuls sein", so die Ministerin. Gefördert werden damit Kunst- und Kulturprojekte in kleineren und mittelgroßen Städten und Gemeinden, "die das kulturelle Angebot vor Ort erweitern und bereichern", heißt es auf der Homepage der Stiftung.

Barbara Klepsch, 2019
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch spricht sich für die Fördermöglichkeit der "Kleinprojektefonds" aus. Bildrechte: dpa

Hinsichtlich der staatlichen Förderung von Clubs hat sich Kulturministerin Barbara Klepsch offen dafür gezeigt, über die Höhe des Eigenfinanzierungsanteils von Clubs zu diskutieren. Die Frage, zu welchem Anteil Clubs staatliche Förderung erhalten, wolle sie in das Format "Kulturdialog" mit aufnehmen, "weil es aus meiner Sicht berechtigt mit dort reingehört", sagt Barbara Klepsch.

Vernetzung der Clubs

An diesem Dialog könnte auch Katrin Gruel, Geschäftsführerin vom "Werk 2" in Leipzig, teilnehmen. Dabei könnte die bereits stattgefundene Vernetzung der Clubs in Sachsen helfen, dort dann eine gewichtige Stimme zu haben. "Ich glaube, da sind wir schon dabei, uns auch Gehör zu verschaffen. Das ist natürlich auch ein positives Ergebnis, das Corona mit sich gebracht hat, dass wir Zeit hatten und auch nochmal die Notwendigkeit gesehen haben, uns miteinander zu verbinden", so die Clubbetreiberin. Man wolle nun gemeinsam herausfinden, wie man gemeinsam stärker gegenüber der Politik auftreten könne.

Mehr zur Zukunft der Clubs nach Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2021 | 17:00 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei