Fahrräder mit Packtaschen am See
Unterwegs mit Zelt und Fahrrad: Familie Matthes reist ressourcenschonend. Bildrechte: Nadine Matthes

Urlaub und Klimawandel Nachhaltig reisen mit Kindern – so gehts!

Große Campingtouren in den USA und Indien, Zugreisen mit der Transsibirischen Eisenbahn: Familie Matthes aus Dresden hat schon viele Reisen rund um den Erdball gemacht. Mit mehreren Kindern, aber mit einem CO2-Fußabdruck so klein wie möglich. Wie gelingt es einer fünfköpfigen Familie, nachhaltig zu reisen?

von Heike Schwarzer, MDR KULTUR-Autorin

Fahrräder mit Packtaschen am See
Unterwegs mit Zelt und Fahrrad: Familie Matthes reist ressourcenschonend. Bildrechte: Nadine Matthes

"Wir sind in der Regel mit dem Fahrrad unterwegs. Alle unsere Sommerurlaube machen wir mit dem Rad – Rad, Zelt, Packtaschen, Kocher – alles dabei." Mit ihrem Mann und damals nur einem Baby hat Nadine Matthes diese Art zu reisen vor 15 Jahren entdeckt. Damals war sie noch Studentin, und das Reisen musste preiswert sein. Heute sagt sie: "Wenn man ganz langsam das Land erkundet und die Menschen kennenlernt – das ist ja das, worauf es beim Reisen ankommt."

An der Loire oder Rhone entlang, quer durch Schweden oder Norwegen und immer wieder nach Großbritannien: Auf ihren bisher längsten Touren radelten Nadine und André Matthes rund acht Wochen lang mit ihren drei Mädchen durch Schottland und Irland.

Fahrräder stehen im hohen Gras.
Mit dem Fahrrad war Familie Matthes schon in Polen, Finnland, Schweden und Norwegen unterwegs. Bildrechte: Nadine Matthes

Bei Regen wird im Zelt gespielt

"Wenn man sich Länder angucken möchte, die etwas weiter weg sind, muss man halt sehen, wie man das gestaltet – und dann vielleicht ein bisschen länger unterwegs sein", sagt André Matthes. Wenn man zum Beispiel eine Flugreise plane, solle man dafür sorgen, dass man auch eine gewisse Zeit vor Ort sei.

Bei kürzeren Reisen kann man vielleicht auch aufs Flugzeug verzichten.

André Matthes, Familienvater

Mit den europäischen Fernradwegen wie dem R1, der sie von Polen ins Baltikum und bei einer zweiten Reise weiter nach Finnland führte, haben sie schon gute Erfahrungen gemacht. Auch mal holprige und größere Straßen oder Tage, wo es nur bergan geht, schrecken sie nicht mehr ab: "Wir planen immer nur das grobe Reiseziel vor, dann sehen wir vor Ort, wie weit wir kommen", so Nadine, "und wenn es mal regnet, genießen wir einen Spiele-Vormittag im Zelt."

Unterwegs mit Zelt und 10-Liter-Wassersack

Kein durchgeplantes Reisen, keine Touren von Campingplatz zu Campingplatz: Mit einem 5-Kilo Zelt, einem 10-Liter-Wassersack, extrem leichten Gepäck und der Erfahrung, dass sich immer ein Schlafplatz finden lässt, ist Familie Matthes ressourcenschonend unterwegs. Nur einmal in 15 Jahren mussten sie auf ein Hostel ausweichen. 

In Europa wird es immer schwieriger mit der Bahn zu reisen

André Matthes

Das Einkaufen in Supermärkten mit viel Plastikverpackung oder auch manch weite Rück- oder Hinreise – das bleibt ein Problem in Sachen Nachhaltigkeit. Am liebsten würde Familie Matthes auf Flugreisen verzichten, immer wird nach Alternativen gesucht. André Matthes sagt: "Das ist halt eine Herausforderung, weil es in Europa immer schwieriger wird, mit der Bahn zu reisen."

Zwei Zelte wurden im Nadelwald aufgebaut. An einem Baum lehnen Fahrräder.
Mit dabei hat Familie Matthes immer ein Zelt, Gaskocher und einen 10-Liter-Wassersack. Bildrechte: Nadine Matthes

Ökologisch reisen – eine Herausforderung

Mit Nachtzügen und Fahrradstellplätzen: So wie früher unterwegs zu sein, wäre ideal, doch die Realität fürs weltweite nachhaltige Reisen sieht anders aus. "Bei den meisten Fluggesellschaften muss man ja das Fahrrad verpacken", erzählt André Matthes, "und das ist natürlich eine Schwierigkeit für uns, fünf Fahrräder in irgendeinen Karton zu verpacken." Gerade beim Rückflug sei das oft unmöglich.

In diesem Sommer sind fünf Wochen Familienurlaub schon fest eingeplant. Eigentlich soll es nach Irland gehen, aber: "Wir wissen noch nicht, wie wir vertretbar nach Irland anreisen können", erzählt Nadine Matthes. Es gebe keine Zugverbindung, und die Familie besitzt kein Auto. "Sonst wäre Irland diesen Sommer das Land der Wahl."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. März 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 11:52 Uhr

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