Nat King Cole
Nat "King" Cole begann schon als kleines Kind mit dem Klavierspiel Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

100. Geburtstag Warum Nat "King" Cole gleich zwei erfolgreiche Musikkarrieren startete

Nat "King" Cole gehört zu den Sängern, die man schon mit dem ersten Ton erkennt. Trotz seines frühen Todes 1965 wird er bis heute viel und oft gespielt, wenn auch vor allem mit seinen Balladen. Sehr zum Ärger der Jazzfans, denn auch als Jazzpianist war er prägnant. Vor 100 Jahren, am 17.März 1919, wurde Nathaniel Coles geboren - mit "s" am Nachnamen, dafür noch ohne den Zusatz "King". Den verdiente er sich noch.

von Sven Hecker, MDR KULTUR-Musikexperte

Nat King Cole
Nat "King" Cole begann schon als kleines Kind mit dem Klavierspiel Bildrechte: imago/Cinema Publishers Collection

Sein Weg führt den am 17. März 1919 geborenen Nathaniel (Adams) Coles fast folgerichtig in die Musik. Sein Vater ist Prediger, die Mutter Organistin. Singen lernt Nat im Kirchenchor, die Mutter gibt ihm erste Klavierstunden. Und er schaut den frühen Jazzmusikern genau auf die Finger, zunächst in seiner Heimatstadt Montgomery, Alabama, und dann, nach dem Umzug der Familie, in Chicago.

Das Pianospiel dieser Tage gab einem ein festes Gefühl für grundlegenden Swing. Und wenn man das mit dem heutigen modernen Trend verbindet, hat man eine ausgezeichnete Kombination.

Nat "King" Cole über die Jazz-Prägungen seiner Jugend
Nat King Cole
Nat "King" Cole Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Schon als Teenager spielt Nat mit seinem Bruder in einem Sextett. 1936 geht er mit einer schwarzen Musical-Revue auf Tour, landet in Los Angeles und gründet dort seine eigene Band. Es ist keine Bigband, wie sie damals eigentlich angesagt sind, sondern ein Trio. Nat selbst singt und spielt Klavier, dazu kommen Kontrabass und Gitarre. "King" Cole – wie er inzwischen genannt wird – und seine Jungs bekommen einen Plattenvertrag. Und sie haben erste Hits in den schwarzen Musikcharts, werden durch Konzerte, Auftritte in Filmen und im Radio bekannt.

Vom Swing zum Balladensänger

Gegen Ende der 40er-Jahre weicht der Swing zunehmend dem Bebop, der Jazz als allgemein populäre Musik verliert an Bedeutung. Das Trio löst sich Mitte der 50er-Jahre auf und Cole feiert nun als Solosänger Erfolge. Er nimmt Songs mit Streichern und Orchester auf, oft romantische Balladen.

Er wusste einfach, wie man die Herzen der Leute bewegt. Er fesselte einen, man konnte sich nicht vom ihm abwenden. Er war ein großartiger Geschichten-Erzähler.

Freddy Cole, jüngerer Bruder von Nat "King" Cole

1956 übernimmt Cole als erster afroamerikanischer Künstler in den USA die Moderation einer wöchentlichen Fernsehshow. Ein Novum in Zeiten noch strikter Rassentrennung, auch in der Unterhaltung.

Wir gingen unseren Weg, als sei Nat gar nicht schwarz, sondern nur ein talentierter Musiker. Wir blieben also gelassen, obwohl wir wussten, dass es Probleme mit Minderheiten gibt. Aber wir versuchten, darüber zu stehen.

Bob Henry, Produzent der "Nat King Cole-Show"

"Those Lazy-Hazy-Crazy Days of Summer" ist 1963 der letzte Top-Ten-Hit von Nat "King" Cole. Seine immer wieder gelobte seidig-schmelzende Stimme empfand der Sänger – zumindest öffentlich – als nichts Besonderes.

Meine Stimme ist nichts, worauf man stolz sein könnte. Sie umfasst höchstens zwei Oktaven. Ich nehme an, es ist dieses heisere, gehauchte Geräusch, das manche mögen.

Nat "King" Cole
Nat King Cole
Nat "King" Cole Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Damit seine Stimme tiefer klinge, so wird erzählt, habe Cole vor Gesangsaufnahmen immer noch schnell ein paar Zigaretten geraucht. Ohnehin ist er als starker Raucher bekannt. Mit nur 45 Jahren stirbt Nat "King" Cole an Lungenkrebs, im Februar 1965. Cole bleibt der Mann der zwei Karrieren, auch nach seinem frühen Tod. Die Freunde populärer Melodien mögen seine Songs aus den 50er- und 60er-Jahren. Für manche Jazzfans war dies jedoch ein künstlerischer Ausverkauf, wenn nicht gar Verrat. Sie schätzen allein den frühen, swingenden Klavierspieler.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2019, 04:00 Uhr

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