Naumburger Dom
Geschafft: Der Naumburger Dom wird Weltkulturerbe. Bildrechte: imago/epd

Kommentar zur UNESCO-Entscheidung Naumburg und das Welterbe: Eine unglaubliche Antragsgeschichte

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin

Naumburger Dom
Geschafft: Der Naumburger Dom wird Weltkulturerbe. Bildrechte: imago/epd

Bis zum Schluss war es eine Zitterpartie. Doch nun wurde der Naumburger Dom zum Welterbe gekürt: Seine hochmittelalterliche Architektur in Verbindung mit Glasmalerei und Skulptur, vor allem die zwölf lebensechten Stifterfiguren, allen voran die schöne Uta mit ihrem rotem Mund und dem hochgeschlagenen Mantelkragen. Sie gelten nun weltweit als "einzigartiges Beispiel menschlicher Schöpferkraft" – das nämlich ist das Hauptkriterium, den Ehrentitel zu ergattern.

Für die Stadt, die Region und ja für das ganze Land eine große Sache – schließlich bedeutet ein Welterbetitel Prestige und damit verbunden ein aufpoliertes Image.

Sicher konnte sich Sachsen-Anhalt auch bisher schon als das Bundesland mit der höchsten Dichte an UNESCO-Welterbestätten in Deutschland rühmen, mit Quedlinburg, den Lutherstätten, Wörlitz und dem Bauhaus. Und mit Naumburg wird es touristisch noch dichter.

Mit Beharrlichkeit zum Ziel

Doch noch etwas macht Naumburg der Ehre Wert – die schier unglaubliche Antragsgeschichte. Sie nämlich beweist, wer trotz Kritik beharrlich für seine Ziele kämpft, der kann gewinnen: Und da kommt ICOMOS, dem Weltdenkmalrat, der dem UNESCO-Komitee zuarbeitet, eine interessante Rolle zu. Denn über fast zwanzig Jahre hat ICOMOS den Antrag begleitet, erst empfohlen, sich nicht mit dem Dom als Sakralbau zu bewerben, sondern mit einer Kulturlandschaft, um dann aber überraschend alle Anträge nach und nach abzulehnen. Bis zum Schluss.

Waren die Berater-Experten also Verhinderer? Im Rückblick womöglich das Gegenteil. In der Psychologie würde man sie Antreiber nennen: Also Anreize, die zur Leistungssteigerung führen sollen.

Denn wer gezwungen wird zu kämpfen, der mobilisiert sämtliche Kräfte, der arbeitet zusammen, der hinterfragt jedes Detail, der entwickelt Visionen.

Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin

Stärkung des kulturellen Bewusstseins

Also Danke ICOMOS: Dass der Naumburger Meister Einzigartiges vollbracht hat, wissen alle, die sich sein Werk angeschaut haben, doch durch die Idee der Kulturlandschaft wurde das kulturelle Bewusstsein auch für die Region gestärkt.

Wenn nun wie geplant bis 2020 ein Welterbezentrum entsteht, dann wird nicht nur der Dom, sondern auch die Kulturlandschaft zwischen Saale und Unstrut beleuchtet – wie Schulpforte, Freyburg oder Goseck. Und damit verweist man nicht nur auf ein romantisch idyllisches Touristenziel, sondern spiegelt die menschliche Leistung vieler Generationen. Und das schafft hoffentlich Selbstachtung und Zuversicht für uns heute.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2018, 08:26 Uhr

Hintergründe zur Entscheidung