Rosa Loy und Neo Rauch
Rosa Loy und Neo Rauch leben und arbeiten seit 30 Jahren zusammen. Bildrechte: IMAGO

Ausstellung in Aschersleben Neo Rauch und Rosa Loy im Strickfieber

In der Grafikstiftung Neo Rauch ist jetzt die vierte gemeinsame Ausstellung des Künstlerpaares Rosa Loy und Neo Rauch zu sehen. Ausgestellt werden 66 Werke von ihr und 70 von ihm, sowie zwei kleinere Gemeinschaftsarbeiten. Die Schau heißt geheimnisvoll "Die Strickerin". Was es damit auf sich hat, hat MDR KULTUR-Autorin Ulrike Thielmann herausgefunden.

Rosa Loy und Neo Rauch
Rosa Loy und Neo Rauch leben und arbeiten seit 30 Jahren zusammen. Bildrechte: IMAGO
Ausstellung von Neo Rauch und Rosa Loy
Neo Rauch: "Strickerin" Bildrechte: Uwe Walter

Da sitzt sie da, mächtig in der Mitte einer 70 Mal 50 Zentimeter großen Lithografie: Die Strickerin. Und sie strickt – umwoben von einer dunklen Aura. Wollknäuel türmen sich zu ihrer Seite, kompositorisch durchdacht von Stricknadeln durchbohrt. Auch ein Kopf – ein Männerkopf? – ist unter den Knäueln. Überhaupt die Männer. Im Hintergrund des Bildes sind sie in eine geschlechtstypische Keilerei unter Sternen am Nachthimmel verwickelt. Zwei jedoch sind zur Strickerin gekommen und schauen ihrem Werk zu. Der eine, mit Fischleib und wollknäuelhafter Schwanzflosse, kniet vor ihr und schaut zur Strickerin auf, als ob er jetzt erst zum Mensch wird, das Bewusstsein erlangt. Wie so oft geben sich Neo Rauchs Bilder rätselhaft. Mit einem Blick sind sie nicht zu erfassen. Das Bild "Die Strickerin" ist entstanden, auch weil seine Frau strickt? Rosa Loy steht in der Ausstellung neben ihm und lächelt.

Das ist natürlich eine Metapher: [...] Es entsteht etwas aus einem Faden heraus. Es kommt zu Verdichtungen, zu Verknüpfungen und das schien mir eine Analogie zum Kunstwerk überhaupt zu sein.

Neo Rauch über sein Bild "Die Strickerin"

Auch Rosa Loy hat ein Aquarell geschaffen, das gleich drei Strickerinnen zeigt. Oder sind es drei Nornen oder Parzen, die am Schicksalsfaden weben? Unter funkelndem Nachthimmel sitzen sie und weben, stricken am Kleid der Welt.

Ausstellung von Neo Rauch und Rosa Loy
Rosa Loy: "Drei Strickerinnen" Bildrechte: Uwe Walter

So einen Titel zu finden, ist natürlich immer ziemlich schwierig. Oft entsteht das beim Frühstück oder bei Autofahrten. Und dann fanden wir den Titel beide sehr schön – Stricken, an etwas wirken, weiterarbeiten.

Rosa Loy zur Namensgebung der Ausstellung

Entwürfe für Bayreuther Opern-Premiere versteckt?

Zum vierten Mal stellen Rosa Loy und Neo Rauch gemeinsam aus. Rund 140 Arbeiten der beiden, druckgrafische Werke, Zeichnungen, aber auch malerische Großformate auf Papier zeigt die Schau in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben, jener Stadt, in der der Maler aufgewachsen ist. Darunter sind auch zwei kleine Gemeinschaftsbilder des Paares, das seit über 30 Jahren gemeinsam lebt und arbeitet.

Du hast Höhenangst und du malst Riesenbilder und stehst auf einer Leiter oben - und da hast du keine Höhenangst.

Rosa Loy zu Neo Rauch
Ausstellung von Neo Rauch und Rosa Loy
Neo Rauch und Rosa Loy: "Am Saum" Bildrechte: Uwe Walter

In der kleinen – prominent am Beginn der Schau gesetzten – Gouache "Am Saum" von 2018 wollen manche Besucher gar einen Entwurf zum Bühnenbild als auch der Kostüme für "Lohengrin" erblicken – jener Oper, die Ende Juli in Bayreuth Premiere haben wird – und für die Rauch und Loy zusammen entwerfen. Märchenhafte Figuren tummeln sich auf dem Bild vor einem dunklen Wald, vielleicht will Regisseur Sharon die Handlung dort ansiedeln? Dazu ist den beiden an diesem Tag in Aschersleben kein Wort zu entlocken, stattdessen lieber ein Bekenntnis zur gemeinsamen Arbeit, zum gemeinsamen Leben:

Rosa kann mehrere Schritte im Voraus denken, da bin ich ganz schlecht. Ich bin ja auch ein lausiger Schachspieler. Ich habe noch nie gegen Rosa gewonnen. Und sie strickt, um mich zu demütigen, während sie mit mir Schach spielt.

Auch Grafiken und Zeichnungen sind zu sehen

Ausstellung von Neo Rauch und Rosa Loy
Rosa Loy: "Lied" Bildrechte: Uwe Walter

Seine Grafiken und Zeichnungen nennt Neo Rauch "Beiwerk", das entsteht, wenn er seine großformatigen Gemälde erschafft. "Ich zeichne ganz gerne", sagt Rosa Loy, bekannt für ihre ebenfalls teils großformatige Malerei von Pflanzen und Frauengestalten, die meist ein surreales, mysteriöses Eigenleben führen, ob als Schutzmantel-Madonna oder bei der Gartenarbeit, wie man sich auch in dieser Ausstellung überzeugen kann. Darunter ist auch ein großformatiges Werk in nächtlicher Athmosphäre mit raumgeometrischen Formen, "Marah" betitelt, das Neo Rauchs frühe Arbeitsweise von 1994 zeigt. Da war das Bildpersonal des Malers noch deutlich reduzierter.

Angaben zur Ausstellung: "ROSA LOY NEO RAUCH - Die Strickerin"
27. Mai 2018 - 28. April 2019

Grafikstiftung Neo Rauch
Wilhelmstr. 21-23
06449 Aschersleben

Öffnungszeiten Mittwoch - Sonntag
Februar bis Oktober 11 - 17 Uhr
November bis Januar 10 - 16 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Mai 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2018, 12:50 Uhr

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