Film "Betonrausch" – Was kann die zweite deutsche Netflix-Produktion?

Die Hochstapler-Satire "Betonrausch" des Streaminggiganten Netflix orientiert sich an Genre-Klassikern wie Oliver Stones "Wall Street" oder Martin Scorseses "Wolf of Wall Street". Immobiliengauner sind zwischen Habsucht und Spießigkeit gefangen, bis das zu erwartende böse Ende kommt. Unsere Kritikerin hat vor allem David Kross in der Hauptrolle des Viktor beeindruckt.

Filmszene aus "Betonrausch"
Sektbad im Riesenpool – spießiges Klischeebild von Menschen, "die es geschafft haben" Bildrechte: Nik Konietzny

Die Hochstapler-Satire "Betonrausch" ist (nach "Dark") die zweite deutsche Netflix-Eigenproduktion, der Streamingdienst hat den Film gemeinsam mit Ufa Fiction produziert. In den Hauptrollen sind David Kross, Frederik Lau und Janina Uhse zu sehen.

Filmszene aus "Betonrausch" 4 min
Bildrechte: Nik Konietzny
Filmszene aus "Betonrausch" 4 min
Bildrechte: Nik Konietzny

Film hat Hollywood-Vorbilder

Filmszene aus "Betonrausch"
Janina Uhse, David Kross, Frederik Lau (v.r.n.l.) Bildrechte: Nik Konietzny

Regisseur Cüneyt Kaya macht keinen Hehl aus seinen großen filmischen Vorbildern, er spielt mit Versatzstücken aus Klassikern wie Oliver Stones "Wall Street", Martin Scorseses "Wolf of Wall Street" oder Adam McKays Finanzcrash-Satire "The Big Short" – nur eben mit dem Anstrich deutscher Spießbürgerlichkeit. Denn David Kross als Victor ist ein Provinzjunge mit Vaterkomplex und Frederick Lau als Gary ein kleiner Trickbetrüger, beide träumen gemeinsam groß und bauen sich auf illegalen Wegen ein Immobilienimperium auf.

Die beiden Immobilienhaie Viktor und Gary haben es dank ihre Charmes jahrelang wild getrieben: sie haben spekuliert, Anleger betrogen und mit der Bankangestellten und Ehefrau von Victor, Nicole (Janina  Uhse), gemeinsame Sache gemacht. Bis dann eines Tages die Polizei die pompöse Luxusvilla von Victor stürmt und ihn wegen Steuerhinterziehung und Betruges im großen Stil verhaftet.

David Kross als Unschuld vom Lande

Filmszene aus "Betonrausch"
Der Traum vom Reichtum zerschellt. Bildrechte: Nik Konietzny

Hauptdarsteller David Kross als Victor hinterlässt den besten Eindruck. Als Unschuld vom Lande steht ihm die Naivität eigentlich ins Gesicht geschrieben. Und dennoch hat er es auf seine spitzbübisch-schelmische Art faustdick hinter den Ohren.

Für den 29-Jährigen Kross ist die Rolle in "Betonrausch" ein Spiel gegen das eigene brave Image – und genau das der Grund, warum er Viktor unbedingt spielen wollte:

Mich hat eigentlich am meisten daran gereizt, dass diese Figur einfach so etwas komplett anderes ist, als was ich bis jetzt gespielt habe.

David Kross

Die Rolle der Hauptfigur füllt Kross aus, er spielt charmant und stilsicher einen Hochstapler. Der ist es auch, der in Rückblenden aus dem Gefängnis heraus einer Journalistin ein Interview gibt und aufdröselt, was der Reichtum, die Macht und die nicht enden wollende Gier mit ihm gemacht haben.

Rolle hinterlässt Spuren

Und auch wenn Kross in "Der Vorleser" an der Seite von Kate Winslet gespielt hat und für Steven Spielberg vor der Kamera stand, hat ihn die Rolle des Viktors in "Betonrausch" nachhaltig beeindruckt und auch während der Dreharbeiten geprägt. Das Gefühl der ständigen Getriebenheit war ihm nicht angenehm und die Rolle strahlte auch in sein normales Leben aus, die Leute um ihn herum haben ihn in der Zeit als wahnsinnig unsympathisch wahrgenommen, bekennt Kross. Darum war er auch froh, dass er nach der Rolle auch wieder ein bisschen ausatmen konnte.

Michael Berg (David Kross) liest Hanna Schmitz (Kate Winslet) in einer Szene des Films "Der Vorleser" im Bett vor
David Kross in "Der Vorleser" an der Seite von Kate Winslet, die für ihre Darstellung in dem Film einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin erhielt. Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. April 2020 | 12:40 Uhr

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