Serie über synthetische Biologie Netflix-Serie "Biohackers": Enttäuschender Thriller über Medizin-Experimente

Die erste deutsche Netflixserie "Dark" war ein großer Erfolg für den Streamingdienst. Kann die neue Serie aus Deutschland anknüpfen? "Biohackers" stellt spannende Fragen zu Ethik, Forschung und Biologie, z.B. wie weit man in die Natur eingreifen darf. Doch trotz spetakulären Bildern, verschenkt sie ihr Potenzial, findet unsere Kritikerin.

Serie "Biohackers" 4 min
Bildrechte: Netflix

"Lasst uns über die Zukunft reden", heißt es in der Serie "Biohackers". "Synthetische Biologie macht uns von Geschöpfen zu Schöpfern. Das ist nicht nur die Zukunft der Medizin, sondern der Menschheit." Die Serie von Christian Ditter stapelt hoch. Eigentlich sollten die sechs Folgen schon im April anlaufen, Corona hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht etwa, weil die Serie nicht fertig war, nein, die Sorge war groß, dass mitten in der Pandemie die Ängste und Sorgen der Zuschauer geschürt werden könnten.

Mediziner brachten die Idee

Denn "Biohackers" mutet futuristisch an, ist aber aus einer simplen Idee entstanden, erklärt Showrunner Christian Ditter. Nämlich nach einem Gespräch mit befreundeten Medizinern zum Thema und deren Ängste um den Missbrauch synthetischer Biologie. "Ich persönlich habe den Begriff mal gehört, aber konnte damit nichts anfangen und habe damit nichts verbunden", sagt Dittner. Er habe dann angefangen zu recherchieren, sich mit Biologen wie George Church in den USA getroffen und sei langsam in diese Welt eingetaucht. "Weil ich es wahnsinnig faszinierend fand, das quasi heutzutage Sachen, die früher nur in Hochsicherheitslaboren fünf Stockwerke unter der Erde gemacht werden konnten, inzwischen am Küchentisch gemacht werden können und man die Zutaten dafür bei Ebay bestellen kann. Und dann kann man quasi mit DNA-Bausteinen neue Lebensformen erschaffen oder existierende abändern und damit bauen, als wäre es Lego, vereinfacht gesagt", erklärt Dittner.

Thriller und Coming-of-Age-Geschichte

Der Ansatz der Serie: Wer kontrolliert eigentlich die medizinische Forschung, was sind die Risiken – medizinisch, genetisch und vor allem moralisch? Um diese im Ansatz spannenden und wichtigen Fragen hat er einen Thrillerplot und eine Coming-of-Age-Geschichte gestülpt.

Serie "Biohackers"
Nicht nur Thriller. sondern auch Coming-of-Age-Geschichte Bildrechte: Netflix

Mia, eine junge Erstsemesterstudentin, kommt an die renommierte Universität in Freiburg, um hier Medizin zu studieren. Die Uni war ihre erste Wahl – nicht nur wegen des guten Rufes, sondern vor allem aus einer persönlichen Motivation, einem düsteren Familiengeheimnis heraus und einer offenen Rechnung mit der kühl wirkenden, aber äußerst erfolgreichen Wissenschaftlerin Tanja Lorenz, Forschungsschwerpunkt Biohacking-Technologie.

Vorbild "Jurassic Park"

Die Forschung findet hier jenseits aller ethischen und moralischen Standards statt, die Überwerfungen mit Kommilitonen, Freunden und der Dozentin sind nur eine Frage der Zeit. Die filmischen Vorbilder und der realistische Anspruch sind dabei für Christian Ditter klar definiert. "Ein bisschen ein Vorbild war so etwas wie 'Jurassic Park' oder 'Coma': Fünf Minuten in die Zukunft blicken, aber existierende Technologien nehmen und einfach nur sagen: Was machen wir damit in sechs Monaten?", erklärt Ditter. "Und die ganze Serie, alles, was man darin sieht, ist quasi genauso gedacht – auch mit wissenschaftlichen Beratern zum Fraunhofer-Institut. Und das wird entweder alles schon gemacht, oder es ist möglich das zu machen, und es wird geplant, die Dinge zu machen. Und natürlich haben wir es dramatisiert und überspitzt. Aber es ist keine Science Fiction, es ist eher Science Faction."

Spektakulär und unrealistisch

Ein Ansatz, der beängstigend ist – in der Serie aber unrealistisch ausgeschlachtet wird. "Biohackers" ist von der ersten bis zur letzten Minute visuell durchdesigned, die Handlung rast holpernd von einer spektakulären Laborszene zur nächsten: DNA, die in Sekunden von Erstsemestern entschlüsselt und verändert wird, eine Ratte, die auf dem WG-Küchentisch zwischen Biojoghurt und Hafermilch grün leuchtet.

"Biohackers" hat spannende Ansätze. Wie weit sollte man den menschlichen Organismus verändern, um Krankheiten ausrotten zu können? Sind Wissenschaftler Superhelden oder Hochstapler? Ab wann ist ein Eingreifen in die Natur moralisch nicht mehr vertretbar? All das sind Fragen, die "Biohackers" anreißt, aber durch den aufgesetzt wirkenden Thrillerplot aus den Augen verliert. Eine Serie, die ihr Potential definitiv verschenkt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. August 2020 | 16:10 Uhr