Serie - Dark - 2. Staffel
Hauptfigur Jonas, gespielt von Louis Hofmann Bildrechte: Netflix

Netflix-Serie "Dark": Lohnt sich Staffel 2?

Mit der ersten deutschen Original-Netflix-Serie "Dark" hat der Streaminganbieter eigenen Angaben zu Folge einen Welthit gelandet. Eine düstere Science-Fiction-Serie mit Mystery und Familiendrama-Elementen. Bei der zweiten Staffel muss man mitschreiben, um sie zu verstehen.

von Anna Wollner, MDR KULTUR

Serie - Dark - 2. Staffel
Hauptfigur Jonas, gespielt von Louis Hofmann Bildrechte: Netflix

"Ich musste das auf jeden Fall zweimal lesen", sagt Schauspieler Louis Hofmann über die Drehbücher zur zweiten Staffel von "Dark". Vier Familien stehen hier im Mittelpunkt, vier Familien auf den unterschiedlichsten Zeitebenen, insgesamt über 75 Figuren. Zentraler Anker ist der Jugendliche Jonas, gespielt von Hofmann, der als erster durch die Zeit reist und mit den großen Fragen des Universums konfrontiert wird.

Aktivere Figuren, die mehr reden

Serie - Dark - 2. Staffel
Die Figuren werden aktiver Bildrechte: Netflix

In Staffel Zwei steckt Jonas immer noch in der Zukunft und versucht sich einen Weg zurück in seine ehemalige Gegenwart zu bahnen, verrät Hofmann. Und die Clique rund um Martha, Franziska und Magnus versucht dem Ganzen auch intensiv auf die Spur zu gehen. "In der zweiten Staffel werden generell die Figuren alle aktiver, sie bekommen mehr Informationen mit, ihnen wird das größere Bild erklärt und es wird sehr viel mehr geredet", sagt Hofmann.

Gleichzeitig gibt es eine größere Emotionalität, weil Sachen revealed (aufgedeckt, Anm. d. R.) werden.

Jonas-Darsteller Louis Hofmann

Die Frage ist nicht, wo die Kinder sind, sondern wann

Serie - Dark - 2. Staffel
Die fiktive Kleinstadt Winden Bildrechte: Netflix

Dabei ist in Staffel Zwei alles beim Alten – zumindest auf der Tonspur. Der wabernde, wummernde Soundtrack von Ben Frost baut Spannung auf und kündigt drohendes Unheil an. Auch die Bilder sind ähnlich wie in Staffel Eins: Oft gibt es tableauartige Totalen, angelehnt an den amerikanischen Fotographen Gregory Crewdson. Die Geschichte knüpft nahtlos an Staffel Eins an. Noch immer geht es um die verschwundenen Kinder in der Kleinstadt Winden, an dessen Ortsausgang bedrohlich ein Atomkraftwerk in den Himmel ragt. Noch immer ist die zentrale Frage nicht "Wo sind die Kinder?", sondern "Wann?".

Die Showrunner Jantje Friese und Baran Bo Odar spielen in der zweiten Staffel von "Dark" noch mehr mit der Zeit als philosophisches Element als in Staffel Eins, springen zwischen den Jahren 1920, 1953, 1986, 2019 und der Zukunft, lassen Menschen aufeinandertreffen, die nicht aufeinandertreffen sollten. Es gibt Wurmlöcher, Einstein-Rosen-Brücken, Zeit ist hier nicht linear, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben.

Mitschreiben, zurückspulen, nachdenken

Die zweite Staffel von "Dark" erfordert absolute Aufmerksamkeit, die ersten vier Episoden sind verwirrend. Wer nicht genau aufpasst, verliert im wahrsten Sinne des Wortes den Faden. Ständiges Zurückspulen, Anhalten, Nachdenken, Mitschreiben, wieder Zurückspulen und das Gesehene reflektieren, wird von den Machern fast schon erwartet.

Die Schauspieler Mark Waschke (l) und Oliver Masucci kommen in Berlin zur Europapremiere der Netflix-Serie "Dark".
Mark Waschke (l) und Oliver Masucci Bildrechte: dpa

"Das macht was mit dir", sagt Schauspieler Mark Waschke, der in der Serie die ominöse Figur des Noah spielt. "Wenn du das guckst, ist das eine körperliche Erfahrung, die aber auch gleichzeitig das Hirn die ganze Zeit massiert und herausfordert." Waschke habe sich am Ende der ersten Staffel gefragt, wie diese Fäden, dieses Spinnennetz noch mal zu einem sinnvollen Strang zusammengefügt wird. "Überraschender- und angenehmerweise, so viel kann ich sagen, wird es nicht zusammengezogen zu einem schön überschaubaren Strang, sondern es geht noch weiter, fetter, nach links, rechts, Ost, West, Norden, Süden, oben unten so auseinander", sagt Waschke. "Da ist dann noch mehr Raum drin für alle Beteiligten."

Welt voller Paradoxe

Serie - Dark - 2. Staffel
Wo ist der Anfang? Oder wann? Bildrechte: Netflix

Jantje Friese und Baran Bo Odar vermischen in "Dark" Nietzsche und Schopenhauer, kreieren die Figur des Uhrmachers und Wissenschaftler H.G. Tannhaus und sein fiktives Standardwerk "Eine Reise durch die Zeit". Im Vorwort heißt es hier: "Es ist alles eine Frage des Ursprungs. Wo ist der Anfang? Wann ist der Anfang? Gibt es überhaupt einen Anfang." Eine Welt voller Paradoxe, die Schauspieler Oliver Masucci auf ein zentrales Thema herunterbricht:

Bei 'Dark' geht es um Determinismus. Die Zeitebenen existieren parallel nebeneinander.

Schauspieler Oliver Masucci

"Und du weißt nicht, ob die Zukunft die Vergangenheit beeinflusst oder die Vergangenheit die Zukunft", sagt Masucci. Diese Frage werde immer wieder gestellt. "Das ist wirklich wahnsinnig philosophisch" findet Masucci. "Prinzip der Serie ist: Es gibt Hoffnung."

Hoffnung, am Ende doch noch irgendwie alles zu verstehen. Denn Staffel Zwei wirft erneut mehr Fragen auf, als Antworten zu geben. Antworten, die vermutlich erst in der dritten finalen Staffel kommen. Denn die hat Netflix schon in Auftrag gegeben. So viel Vertrauen muss bei diesem erzählerischen Biest von einer Serie sein.

Serie - Dark - 2. Staffel
Am Ende bleiben mehr Fragen als Antworten Bildrechte: Netflix

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Juni 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 11:57 Uhr

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