Netflix-Serie In "Hollywood" regieren Gier und Geilheit

Hollywood steht für Ruhm, Glanz und große Träume. Was tatsächlich hinter den Kulissen abläuft, zeigt diese neue, siebenteilige Netflix-Miniserie. In "Hollywood" gibt es den schönen Schein ebenso wie die Abgründe – und natürlich das Happy End. Aufgrund der Corona-Krise konnte die Serie nicht deutsch synchronisiert werden, deshalb ist sie jetzt im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen.

Netflix,Hollywood, Serie
Hollywood: die Fassade ist wichtig. Bildrechte: Netflix

Die Netflix-Miniserie "Hollywood" lotet den Sumpf der Traumfabrik aus Sexismus, Rassismus, Homophobie, Ausbeutung und Machtgier – inklusive Drogen – aus. Sie basiert auf dem Buch "Hollywood Babylon" von Kenneth Anger.

Ryan Murphys und Ian Brennans Serie "Hollywood" hat etwas sehr "Babylonisches" – allerdings sehr schön garniert mit glamourösen Bildern der Goldenen Ära der 40er-Jahre. Alles scheint sauber, rein und ordentlich gebügelt, es gibt edle Roben, Schlips und Kragen bis zum kleinen Statisten, die Autos sind poliert – aber darunter regieren Gier und Geilheit.

Netflix,Hollywood, Serie
Die Serie fängt die Ästhetik der 40er-Jahre gelungen ein. Bildrechte: Netflix

Lügen und schöner Schein

So taucht in der Serie ein Bauernjunge namens Roy Fitzgerald aus Illinois auf. Er ist Schwul, schüchtern, hat keine gute Stimme – ist aber von einer außergewöhnlichen körperlichen Präsenz. Sein zukünftiger Agent Henry Wilson meint nur: "Ich erkenne einen Star in 30 Sekunden. Und Sie sind einer. Sie haben Filmpotenzial. Aber eine Sache noch …", und Wilson fügt hinzu: "da wäre noch der Name. Roy Fitzgerald. Geht gar nicht. Das müsste sein … etwas wie … Rock … Rock Hudson."

Mann
Jim Parsons (Sheldon in "Big Bang Theory") spielt Rock Hudsons Manager Henry Willson. Bildrechte: Netflix

Hudson will sofort unterschreiben aber Wilson meint, da sei noch eine weitere Sache: "Ich muss deinen Schwanz blasen!" Hudson stockt, ist entsetzt, … und folgt seinem Agenten ins Séparée. Hollywood Babylon eben.

Ob diese Geschichte wahr ist oder fiktiv. Der reale Rock Hudson jedenfalls hat bis kurz vor seinem AIDS-Tod 1985 die eigene Homosexualität verschwiegen. Hollywood – das Lügengebäude.

Zynisch oder Realistisch?

Natürlich handelt die Miniserie "Hollywood" nicht nur von den 40er-Jahren, sondern zielt ebenso aufs Heute. Zu lesen auch als Kommentar zur #MeeToo-Debatte. Das Bild allerdings, das Ryan Murphy und Ian Brennan zeichnen, ist desillusionierend, denn die, die Opfer der Ausbeutung und Machtmissbrauchs werden – die Figur des Rock Hudson ist da exemplarisch – werden vom "System Hollywood" für ihr Schweigen aufs Beste belohnt. Ist Ryan Murphys und Ian Brennans Blick zynisch? Oder realistisch?

Netflix,Hollywood, Serie
Die Oscar-Verleihung: Ziel aller sich im Hollywood-Karussell mitdrehenden Bildrechte: Netflix

Happy End?

Am Ende wird das Träumen all dieser Stars und Starlets, schwulen wie heterosexuellen, weißen, afro- oder sino-amerikanischen Einwohner von "Tinseltown" in einer aberwitzigen Volte belohnt, sogar mit einigen Oscars. Die Serie "Hollywood" wird spätestens da zum Alternativ-Bild eines "guten" Hollywood. Ohne solch einen irrwitzigen Dreh zum Guten, der das "Babylonische" mildert, hätten Ryan Murphy und Ian Brennan ihre Story kaum verkaufen können. Die bösen Stachel aber haben nicht alle gezogen.

Mehr Serien

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2020 | 17:40 Uhr