Ausstellung Überraschend bunt: Neo Rauch zeigt neue Bilder

In diesem Jahr feierte Neo Rauch seinen 60. Geburtstag, die geplante Schau im Museum der bildenden Künste Leipzig aber sagte er ab. Doch nun gibt es neue Arbeiten zu sehen: 16 Bilder hängen in der Galerie Eigen+Art auf dem Gelände der Baumwollspinnerei in Leipzig – und was auffällt: Sie sind farbiger als sonst.

Neo Rauch, Der Hörer, 2020, 250 x 250 cm 5 min
Bildrechte: Neu Rauch, VG Bildkunst Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin, David Zwirner, New York, Bildnachweis: Uwe Walter, Berlin

Überraschende Farbmischungen sieht man auf Neo Rauchs Bildern in der Galerie Eigen+Art. Die Deutung liegt wie immer allein beim Betrachter. Ulrike Thielmann mit einem Bericht zur Ausstellung.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 25.09.2020 06:00Uhr 04:32 min

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"Mein Gefühl ist, dass die Bilder farbiger, kräftiger geworden sind. Es gibt sehr überraschende Farbkombinationen, die man vielleicht so vorher auf den Arbeiten noch nicht gesehen hat", betont Elke Hannemann von der Galerie EIGEN+ART in Leipzig. Sechzehn meist großformatige, Leinwände, datiert auf das Jahr 2020, präsentieren die Ausstellungsräume auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei. Natürlich gab es schon immer kräftige Farben im Werk Neo Rauchs. So durfte die Öffentlichkeit an seiner Vorliebe für Blau, die sich u. a. aus dem Blau von Delfter Kacheln speist, etwa in seinem Bühnenbild und den Kostümen für Lohengrin in Bayreuth 2018 teilhaben. Nun kommen neue Farbkombinationen hinzu: zum Beispiel in den Bildern "Die Loge" und "Die Mitte": Kombinationen von Lila, einem dunklen Violett, mit Orange oder Senf-Gelb. Neu ist auch ein strahlendes Rot in den Bildern, etwa in dem Gemälde "Traumfabrik", das in einer Dreieinigkeitssituation den Vorgang der malerischen Inspiration vorstellt, einer der Protagonisten schwingt – wohlgemerkt eine dreifarbige Keule in gelb, blau und rot.

Bilddeutung muss der Betrachter übernehmen

Die sich aufdrängenden Assoziationen gehen ganz auf Rechnung des Betrachters, was sich in seinem Kopf abspielt. Rauchs Kunst ist nicht politisch, niemals.

Zitat aus dem Ausstellungskatalog zur Neo Rauch-Ausstellung "Handlauf"
Neo Rauch, Die Entzündung, 2020, 250 x 300 cm
Neo Rauch, Die Entzündung, 2020, 250 x 300 cm Bildrechte: Neu Rauch, VG Bildkunst Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin, David Zwirner, New York, Bildnachweis: Uwe Walter, Berlin

Die Deutung bleibt den Betrachtern überlassen: "Die sich aufdrängenden Assoziationen gehen ganz auf Rechnung des Betrachters, was sich in seinem Kopf abspielt. Rauchs Kunst ist nicht politisch, niemals", bescheidet der Katalogtext all jene, die in Rauchs neuen Bildern Spuren des "Anbräuners" zu finden hoffen, jenem Gemälde, das der Maler 2019 in den Auseinandersetzungen um den Leipziger AfD-nahen Maler Axel Krause erschuf.

Und dann gibt es noch ein sattes, dominantes Grün, mal wärmer mal kühler im Farbton, in dem zwei Meter mal zwei Meter Fünfzig großen Gemälde "Der Hörer", das den Schriftzug "Ruh" trägt, von Ruhe. Auf dem Bild verbrennen schwarz gewandete Aktivisten inmitten des anschwellenden Weltenlärms Megaphone. "Aktivisten sind mir verhasst, wer Megaphone verbrennt, verbrennt auch Menschen", sagt Neo Rauch im Interview des Katalogs. Doch es besteht Hoffnung für den titeltragenden Hörer im grünen T-Shirt, der sich zwar die Ohren zuhält, an seiner Seite aber eine warmherzige Frau wissen darf, umgeben von der Farbe Grün, meint Elke Hannemann: "Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Natur, des Jägers, Pflanzen sind grün, das ist sicher hier die tonangebende Farbe."

Vertraute Landschaften und Mode der Romantik

Natürlich begegnen jenen Betrachtern, die sich schon länger mit den Bildern Neo Rauchs auseinandersetzen, auch viele vertraute Elemente: Landschaften, die die Industriekultur Mitteldeutschlands ausmachen, Fabrikanlagen, Schlote, die durchaus für Heimat stehen können. Zudem Kleinbürger in ihrem rätselhaften Tun, mit Backenbärten aus der Zeit Caspar David Friedrichs, oft gewandet in Gehröcke oder Hüte aus der Epoche der Deutschen Romantik. In dem Ölbild "Die Entzündung" werden die Biedermänner schließlich zu Brandstiftern: Der in der Bibel gestürzte Lichtbringer Luzifer hantiert im Einklang mit einem Pyromanen aber auch mit "extrem unvernünftigen Personen", wie Neo Rauch sagt. Auch die Tierwelt lohnt es, in Rauchs neuen Bildern in den Blick zu nehmen, die in seinem Werk insgesamt überschaubar ist. Es sind Tiere, die einen ängstigen, die Hörner tragen, Reptilien, phantastische Tierwesen, die, surreal in der Präsentation, Alpträumen entsprungen scheinen, so auch in dem Bild "Die Loge".

Elke Hannemann dazu: "Hier unten ist ein Tier, das unheimlich ist, das einen aber auch gleichzeitig ambivalent anzieht, das für mich grimmig guckt aber gleichzeitig ja von dieser Frau auf dem Bild scheinbar angstvoll und liebevoll gestreichelt oder gefüttert wird, also insofern ist es ein klares Spiel mit dem, was wir empfinden oder nicht empfinden, wenn wir bestimmte Tiere sehen."

60. Geburtstag des Künstlers

Neo Rauch konnte dieses Jahr seinen 60. Geburtstag feiern. Eine geplante Schau im Leipziger Bildermuseum sagt er leider ab, da ihm der Ansatz, sich mit seinem Frühwerk auseinander zu setzen, als verfrüht erschien. Neben der ebenfalls privaten Galerie G2 präsentiert nun die Galerie EIGEN+ART Bilder des Malers, neue Bilder, und verhilft so auch der Stadt Leipzig zu einer weiteren kleinen Geburtstagsschau zu Ehren ihres berühmtesten, lebenden Malers.

Informationen zur Ausstellung: Neo Rauch: "Handlauf"
16 neue Bilder

Galerie Eigen+Art auf dem Gelände der Baumwollspinnerei

Zu sehen bis 28. November 2020.

Über einen Link auf der Homepage der Galerie können Sie einen Time-Slot, ein Zeitfenster, für den Ausstellungsbesuch am Eröffnungswochenende buchen.

Neo Rauch, Traumfabrik, 2020, 250 x 300 cm
Neo Rauch, Traumfabrik, 2020, 250 x 300 cm Bildrechte: Neu Rauch, VG Bildkunst Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin, David Zwirner, New York, Bildnachweis: Uwe Walter, Berlin

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In langen Gesprächen öffnet sich der Künstler erstmals seit vielen Jahren der Kamera und gibt Auskunft über seinen Zugang zur Kunst, seine Welt und seine vom frühen Verlust der Eltern geprägte Vergangenheit. Bildrechte: MDR/Alexander Rott

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. September 2020 | 07:40 Uhr