Neue Serie "The New Pope" – wenn der Papst im Koma liegt

Päpste sind telegen. Soeben noch sah man im Kino und dann auf Netflix "The two Popes" mit Anthony Hopkins als Papst Benedikt XVI und Jonathan Pryce als Papst Franziskus. Und schon zeigt der einzige Pay TV Sender Deutschlands nun "The New Pope", also den "Neuen Papst". Es handelt sich um die zweite Staffel von "The Young Pope" aus dem Jahr 2016.

Szene aus der Serie - Zwei Männer sitzen in Stühlen mit dem Rücken zueineinander und schauen zur Kamera.
In "The New Pope" dürfen sich Fans sowohl auf John Malkovich als auch auf Jude Law freuen. Bildrechte: imago images/Prod.DB

MDR KULTUR: Jörg Taszman, wer ist denn nun dieser neue Papst?

Jörg Taszman: Da müssen wir erst mal ein bisschen zurückblicken: Wer "The Young Pope" 2016 nicht gesehen hat, kann sich trotzdem diese Serie als eigenständige Staffel anschauen. Es ist folgendes passiert: Der Papst liegt im Koma. Er wacht nicht auf. Also wird ganz schnell ein neuer Papst gewählt, der dann aber der katholischen Kirche nicht so richtig in den Kram passt. Der nennt sich nämlich Franziskus II und hat eine Art Schreckensherrschaft mit den Franziskanern errichtet.

Und wie es der Zufall so will, lebt dieser Papst nicht lange. Die katholische Kirche sucht also erneut einen neuen Kandidaten, und fährt dafür nach England. Dort treffen sie einen Amerikaner, der zum Katholizismus konvertiert ist. Und der gilt als idealer neuer Papst.

Mit John Malkovich hat nun nach Jude Law erneut ein Hollywoodstar die Hauptrolle übernommen. Funktioniert das denn: der Papst als US-Amerikaner?

Szene aus The New Pope
Der Papst liegt im Koma – ein neuer muss her. Bildrechte: Wildside/Haut et Court TV/Mediapro/Sky/Gianni Fiorito

Das Lustige an der Geschichte ist: Jude Law ist eigentlich gebürtiger Londoner – er aber spielte den ersten amerikanischen Papst. John Malkovich dagegen ist Amerikaner, spielt in der Serie aber einen Briten, Sir John Brannox. Malkovich ist ja einer der ausgefeiltesten und kultiviertesten Schauspieler, die man sich vorstellen kann – und er gibt dann auch diesen Sir John Brannox als einen höchst gelangweilten, höchst kultivierten, britischen Adligen, der sich sehr lange überreden lässt, ob er wirklich der neue Papst werden will.

Regie führte wie auch schon bei "The Young Pope" der italienische Starregisseur Paolo Sorrentino, der als Spezialist für unorthodoxe Biopics gilt. Bürstet er in "The New Pope" wieder einen Papst gegen den Strich?

Ja, aber vor allen Dingen gar nicht nur den Papst, sondern die Institution der katholischen Kirche, den Geheimstaat des Vatikan. Es fängt schon mit tanzenden Nonnen an: In der allerersten Einstellung sieht man den noch amtierende Papst Pius XIII im Koma liegen. Er wird von einer hübschen, jungen Nonne gewaschen, die dann auch gleich Hand an sich legt. Ganz besonders amüsant, ironisch und auch bösartig ist die erste Folge, wo es um die Wahl des neuen Papstes geht, der dann ein Franziskaner wird. Der war eigentlich ein Strohmann, an den keiner geglaubt hat – und plötzlich errichtet der dieses franziskanische Terrorregime. Er will die Einfachheit einführen, alle Privilegien abschaffen. Es müssen erst mal die Goldkettchen abgegeben werden, Goldkreuze werden durch Holzkreuze ersetzt. Und dann heißt dieser Papst auch noch boshafter Weise Franziskus II. Da kann sich nun jeder denken, auf wen oder was das anspielt.

Nun hat man dem Regisseur auch vorgeworfen mitunter sehr selbstverliebt zu sein und die Form, die Ausstattung, die Regiekunst über den Inhalt zu stellen? Wie ist das diesmal?

Das ist einfach ein Markenzeichen von Paolo Sorrentino. Es gibt immer mal wieder bildgewaltige, kostümverliebte Intermezzi, wo die Geschichte mal kurz in den Hintergrund gerät. Aber ab und zu muss das bei Sorrentino einfach mal sein. Wer den Regisseur kennt, muss damit leben, dass da bei ihm auch sehr viel Eitelkeit mit im Spiel ist. Sorrentino ist wahrscheinlich einer der größten Ästheten des Kinos.

Ist denn "The New Pope" politischer als zum Beispiel "The Two Popes" oder auch Wim Wenders Dokumentarfilm "Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes"?

Szene aus The New Pope
John Malkovich hat in der zweiten Staffel des Vatikan-Dramas die Hauptrolle. Bildrechte: Wildside/Haut et Court TV/Mediapro/Sky/Gianni Fiorito

Auf jeden Fall. Wim Wenders‘ Film ist eigentlich ein Film, der der katholischen Kirche nur gefallen konnte. Der Film gleitet sogar ab in einen Propaganda-Film und ist unkritisch, wenn es darum geht, wie Franziskus beispielsweise zur Pädophilie stand oder eben zum Zölibat. Und Franziskus hat sich ja jetzt auch geoutet, dass das Zölibat eben beibehalten wird. Auch der Film mit Anthony Hopkins und Jonathan Pryce, eine sehr unterhaltsame Netflix-Produktion,  hielt sich politisch sehr zurück.

Und das ist hier ganz anders. Wir reden in "The New Pop" from Brexit, von Trump. Und die Kirche wird hier ja teilweise sogar wie ein Mafiastaat gezeigt. Und die katholische Kirche verhält sich clever genug, indem sie sich gar nicht über die Serie äußert, um ihr nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Woher rührt eigentlich die Obsession angesehener Filmemacher sich mit dem Vatikan auseinanderzusetzen?

Ein Element, was die Filmemacher interessiert, ist glaube ich die Tatsache, dass der Papst in gewisser Hinsicht auch ein Popstar ist. Dazu kommt der Vatikan selbst, diese Geheimorganisation, diese Art, zu manipulieren, sich gegenseitig in den Rücken zu fallen, vor bösartigsten Intrigen und sogar Mord nicht zurückzuschrecken. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Filmemacher, die den Vatikan dann als eine Art Mafiastaat, der sich der weltlichen Gerichtsbarkeit entzieht, inszenieren können. Für Filmemacher ist der Vatikan eine großartige Vorlage.

Das Interview führte Stefan Maelck für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Februar 2020 | 13:10 Uhr

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