Exponate in einer Ausstellung
Der Leitfaden soll helfen, Raubkunst besser erforschen zu können. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vorgestellt Museen bekommen Leitfaden für Umgang mit Kolonialkunst

Exponate in einer Ausstellung
Der Leitfaden soll helfen, Raubkunst besser erforschen zu können. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um in Zukunft verantwortungsvoll mit Kunstgütern aus der Kolonialzeit umgehen zu können, bekommen alle deutschen Museen erstmals einen Leitfaden, an dem sie sich orientieren können. Der Deutsche Museumsbund und Kulturstaatsministerin Monika Grütters stellten die Empfehlungen am Montag in Berlin vor. Demnach sind die Museen dazu angehalten, ihre Bestände auf Objekte aus Kolonialzeiten zu prüfen und den weiteren Umgang damit zu klären. Bei Sammlungsbeständen aus kolonialem Kontext sind laut Museumsbund sowohl Objekte gemeint, die tatsächlich aus Kolonialzeiten stammen, aber auch Objekte in denen sich koloniales Denken widerspiegelt.

"Blinder Fleck"

Monika Grütters, 2015
Bildrechte: dpa

Die deutschen Museen sind jetzt aufgerufen, ihre ethnologischen Sammlungen auf Raubkunst zu überprüfen. Simone Reber erklärt, wie Staatsministerin Grütters sich das vorstellt.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 14.05.2018 17:10Uhr 05:58 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Grütters betonte, dass die Kolonialzeit zu lange ein blinder Fleck in der Erinnerungskultur gewesen sei. "Dies aufzuarbeiten, ist Teil der historischen Verantwortung gegenüber den ehemaligen Kolonien und Voraussetzung für die Versöhnung mit den dort lebenden Menschen." Die Kulturstaatsministerin gab an, dass Provenienzforschung "höchste politische Priorität" habe. Ihr Ministerium unterstütze das Vorhaben mit insgesamt 52.000 Euro. Für die generelle Provenienzforschung aus kolonialen Kontexten stehen dem in Magdeburg angesiedelten Zentrum für Kulturgutverluste in diesem Jahr Grütters zufolge drei Millionen Euro zur Verfügung.

Die Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes richten sich explizit an alle Museen – und das ist neu.

Simone Reber, MDR KULTUR

Nur Grundlage zur Weiterentwicklung

Der Leitfaden sei jedoch nur eine erste Grundlage. Die Empfehlungen sollen bis 2019 noch einmal überarbeitet werden, zuvor wird ein internationales Expertengremium darüber diskutieren und sie weiterentwickeln. Der Präsident des Museumsbundes, Prof. Eckart Köhne, appellierte an die Politik, mehr Mittel bereitzustellen, um mögliche Kolonial-Raubkunst besser erforschen zu können.

Hilfestellung für Museen

Der jetzt vorgestellte Leitfaden umfasst insgesamt 136 Seiten. In ihm finden sich Adressen, Begriffserklärungen, Hintergrundinformationen und Tipps, die bei der Erforschung der Herkunftsgeschichte wichtig sind. So sollen Museen zum Beispiel sogenannte "Prioritätenlisten" anlegen, die die einzelnen Objekte dahingehend einordnen, wie stark sie mit der Kolonialzeit in Verbindung stehen. Die empfohlene Provenienzforschung soll darüber hinaus möglichst transparent und im Einklang mit den Herkunftsgesellschaften ablaufen. Allerdings betont der Leitfaden, der keine rechtsverbindliche Wirkung besitzt, dass die Rückgabe von Objekten jeweils eine Einzelfallentscheidung sei.

Raub an indigenen Völkern

Insgesamt wurde zwei Jahre an dem Leitfaden gearbeitet. Er entstand unter der Federführung der Direktorin des Übersee-Museums in Bremen, der Ethnologin Prof. Wiebke Ahrndt. Besonders in den Ethnologischen Museen ist eine Vielzahl von Objekten vorhanden, die indigenen Völkern in Afrika oder im Pazifik während der Kolonialzeit geraubt wurden. Schon länger gibt es daher immer wieder die Forderung der eigentlichen Herkunftsländer, die entwendeten Güter zurückzugeben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Mai 2018 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 18:00 Uhr