1991: Nirvana in Halle/Saale "Den kommenden Welterfolg konnte niemand erahnen"

Im August 1991 stehen Nirvana als Vorband von Sonic Youth in der Hallenser "Easy Schorre" auf der Bühne, einen Monat vor Erscheinen des Welterfolges "Nevermind". Matthias Winkler war damals dabei, denn er hat dieses Konzert veranstaltet.

Frage: Herr Winkler, können Sie sich noch an das Konzert erinnern?

Konzertveranstalter Matthias Winkler.
Der Hallenser Matthias Winkler ist Chef der Konzertagentur "Mawi Concert". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Linda Schildbach

Matthias Winkler: Ja, es war sehr, sehr laut. Das ist mir noch im Gedächtnis geblieben. Aber der Hauptact des Abends waren auch Sonic Youth, die damals weltweit eine der führenden Indiebands waren und Nirvana kannte zu dem Zeitpunkt kein Schwein. Die waren einfach ein Support-Act, der mit war.  Und demzufolge fielen die Meinungen über diese Band auch nicht wirklich positiv auf. Also die Geschäftsführung der Schorre damals, aber auch so ein paar Journalisten, die fanden Sonic Youth toll und Nirvana konnte man damals gar nicht so richtig einordnen.

Hätte man bei dem Auftritt schon erahnen können, was aus Nirvana werden wird?

Es war Krach, es war ein Klangbrei – was nicht unbedingt an der Band liegen muss. Möglicherweise waren auch die Anlage nicht ganz so toll. Fakt ist, es hat den kommenden Welterfolg niemand erahnen können und niemand hat gesagt: "Mensch, das ist ja voll gut, dass ich da war. Diese Vorband ist irgendwie richtig klasse." Nirvana war die Vorband, also nicht der Haupt-Gig, denn ihr berühmtes Album "Nevermind" erschien ja erst.

Nirvana war ja vorher schon in Westdeutschland auf Tour. Hatten Sie denn damals schon von der Band gehört?

Überhaupt nicht! Gar nicht. Und ich kannte zu dem Zeitpunkt auch niemanden, der irgendwann mal irgendeinen Satz über Nirvana verloren hat.

Am Ende des Konzertes haben Sie Kurt Cobain 2.000 Mark Gage überreicht...

Nein, das waren Dollar! Und es war so, dass ich ihm das auch selber gegeben habe. Er war schüchtern, hat kaum einen Ton gesagt. Er war einfach sehr introvertiert. Ganz anders hinter der Bühne und in seinem Karavan als auf der Bühne. Sehr wortkarg und in sich gekehrt.

Können Sie sich noch erinnern, was er anhatte? Cobain hat ja auch so einen Stil geprägt.

Ich kann es nicht mehr so genau sagen. Wenn ich mich so versuche zurück zu erinnern, dann hat er wahrscheinlich so ein Holzfällerhemd angehabt (lacht). Jeans auf jeden Fall.

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2016, 08:46 Uhr