Dave Grohl, Kurt Cobain, Krist Novoselic (Nirvana) Interview zum Europa-Release des Nirvana Albums Nevermind bei Geffen Records in London
Kurt Cobain (mitte) im sogenannten "Grunge"-Stil, den die Modeindustrie groß vermarktet hat: Seattle-typisches Holzfällerhemd, Jeans und schwarze Lederstiefel. Bildrechte: IMAGO

Interview Grunge: Eine der letzten Revolutionen in der Musik

Von Seattle aus eroberte "Grunge" in der ersten Hälfte der Neunziger die Musikwelt - gehyped durch MTV und die Musikindustrie. Hendryk Proske, Musikredakteur von MDR KULTUR erzählt im Gespräch, warum "Grunge" trotzdem wichtig ist.

Dave Grohl, Kurt Cobain, Krist Novoselic (Nirvana) Interview zum Europa-Release des Nirvana Albums Nevermind bei Geffen Records in London
Kurt Cobain (mitte) im sogenannten "Grunge"-Stil, den die Modeindustrie groß vermarktet hat: Seattle-typisches Holzfällerhemd, Jeans und schwarze Lederstiefel. Bildrechte: IMAGO

Frage: Wo liegen die Wurzeln dieses Musikstils?

Hendryk Proske: Grunge mag als schnell und heiß brennendes Strohfeuer in die Geschichte eingegangen sein. Zwischen "Nevermind" und dem Tod von Kurt Cobain lagen keine drei Jahre. In dieser Zeit war Grunge auch schlicht zum schnellen Opfer seines eigenen Hypes geworden. Dem vorausgegangen war aber eine lange Entwicklung deren Wurzeln bis zum Punk reichen. Vor allem der amerikanische Hardcore mit Bands wie Hüsker Dü, oder Black Flag um Henry Rollins haben all das, was dann Ende der 80er, Anfang der 90er passierte Jahre vorher vorbereitet.

Welche Bedeutung hat so ein kurzes Phänomen dann in der Musikgeschichte?

Leider muss man sagen, dass Grunge neben Hip Hop und Techno die wohl letzte richtige Revolution in der Musik war. Und dabei meine ich Revolution als etwas, was weltweit Geschmäcker, Szene und Strukturen in Frage stellt und nachhaltig verändert.

Grunge war zuerst nur in Seattle lokal verortet. Wie konnte es überhaupt so groß werden?

Neben allen möglichen Zufällen, glücklichen Umständen und politisch-gesellschaftlichen Begleiterscheinungen, war Grunge auch nur möglich dank einiger Dinge, die es heute so nicht mehr gibt. Musikmedien wie Zeitschriften, die tatsächlich noch Leit- und Massenmedium waren. Und mit MTV einen weltweit agierenden Kanal, der einen Musikgeschmack definieren und bis in die letzten Winkel transportieren konnte. Das alles ist in der zersplitterten Medienwelt von heute kaum noch vorstellbar.

Warum konnte es sich nicht länger halten?

Selten hat der berühmte Satz von der die eigenen Kinder fressenden Revolution so gestimmt wie beim Grunge. Das Tempo, in dem aus einem Underground-Thema ein Massenphänomen wurde, wie sich Haltung zu Style und Subkultur zu Mainstream entwickelte, war schon atemberaubend.


Kurz erklärt: Grunge Steht umgangssprachlich für etwas Schmutziges, Schmuddeliges oder Unansehnliches. Musikalisch zählt man Grunge als eine Stilart des Rocks, die Mitte der 1980er Jahre in der US-Stadt Seattle groß geworden ist. Seine Ursprünge hat das Genre größtenteils im Punkrock, Hardcore und Heavy Metal.

In der ersten Hälfte der Neunziger Jahre erlebte Grunge einen weltweiten Hype, der 1994 mit dem Tod Kurt Cobains und der Auflösung von Nirvana endete. Berühmte Vertreter sind außerdem Pearl Jam, Soundgarden und Alice in Chains.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2016, 16:09 Uhr