Polizist vor ausgebrannter Kathedrale Notre-Dame
Eines der wichtigsten Wahrzeichen von Paris wird für Jahre nicht von Touristen besucht werden können, selbst ein Einsturz ist noch nicht endgültig auszuschließen Bildrechte: dpa

Aktueller Stand Notre Dame könnte noch immer einstürzen

Nach dem verheerenden Brand im April ist das Terrain um die Pariser Kathedrale Notre Dame weitgehend geräumt. Das Gebäude könnte aber noch immer einstürzen, es gibt noch keine endgültige Entwarnung. Und was wurde aus den ehrgeizig wirkenden Aufbauplänen von Präsident Macron? Was aus den üppigen finanziellen Zusagen? Unser Korrespondent Marcel Wagner gibt einen Einblick in die aktuelle Lage.

Polizist vor ausgebrannter Kathedrale Notre-Dame
Eines der wichtigsten Wahrzeichen von Paris wird für Jahre nicht von Touristen besucht werden können, selbst ein Einsturz ist noch nicht endgültig auszuschließen Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Wie ist der aktuelle Zustand des Bauwerks? Ist man immer noch mit Bausicherung beschäftigt, gibt es bald schon wieder Gottesdienste? Wo stehen wir?

Marcel Wagner: Ja, es gab ja interessanterweise schon den ersten Gottesdienst. Nicht wirklich in der Kathedrale sondern in einer Seitenkapelle, die auch nicht so stark von diesem Brand betroffen war. Der Erzbischof hat da schon Mitte Juni eine erste Messe gehalten – mit Helm auf dem Kopf.

Smartphone-Nutzer sieht erste Messe nach Großbrand in Notre Dame
Die erste Messe nach dem Großbrand wurde ins Internet übertragen Bildrechte: dpa

Alle, die an dieser Messe teilnehmen durften, mussten auch Helme tragen. Es waren auch nur 30 Priester und Mitarbeiter der Kathedrale zugelassen. Das war mehr so ein symbolisches Zeichen.

Und ehrlich gesagt, was die Kathedrale selbst angeht, da befindet man sich noch mitten in der Etappe, also in der allerersten Etappe der Bausicherung. Immer noch ist nicht richtig klar, ob das Gebäude vielleicht doch noch einstürzenden könnte. Und gerade in der letzten Woche hat man begonnen, 23 riesige hölzerne Anker zu installieren, die die großen Rundbögen abstützen sollen. Damit man, sollte sich die Statik tatsächlich irgendwann mal neigen, das abfangen kann und dass nicht doch noch unter Umständen die Bausubstanz einstürzt.

Wie ist das Interesse der Öffentlichkeit am Schicksal der Ruine? In medialen Zeiten wissen wir ja, dass heute die Aufmerksamkeitsdauer viel kürzer ist. Auch wenn es solche Erschütterungen angeht wie Notre Dame. Ist Frankreich immer noch stark interesseiert am Schicksal der Ruine?

Notre-Dame brennt
Der Brand der Kathedrale von Paris hat international Aufsehen erregt Bildrechte: dpa

[..] das hat das schon sehr stark nachgelassen, auch schon in den Tagen nach dem Brand. Ganz am Anfang gab es ja kein anderes Thema, dann hat das schon stark nachgelassen. Aber es ist auch nicht so, als sei Notre Dame nicht mehr präsent. Auch jetzt gerade, wenn man den Fernseher einschaltet, sieht man wieder Berichte über Notre Dame. Wenn man die Zeitungen aufschlägt, sieht man immer wieder Statusberichte.

Jetzt natürlich geht es mehr ins Kleinteilige. Man berichtet wirklich über die wissenschaftlichen Arbeiten, die schon stattfinden, um die Baugeschichte zu untersuchen. Also man sucht sich Aspekte aus, die dann aber in sehr langen Geschichten auch teilweise in den Zeitungen stehen. Das heißt, das Interesse ist stetig und jetzt dreht es sich wirklich auch ums Detail, das man da einfach erforschen möchte und wissen möchte.

Zerstörte Kultur Palmyra in Syrien und das Brasilianische Nationalmuseum

Der römische Tempel Baal Shamin in der syrischen Stadt Palmyra wird vom IS gesprengt
Der römische Tempel Baal Shamin in der syrischen Stadt Palmyra wurde vom IS gesprengt Bildrechte: dpa
Der römische Tempel Baal Shamin in der syrischen Stadt Palmyra wird vom IS gesprengt
Der römische Tempel Baal Shamin in der syrischen Stadt Palmyra wurde vom IS gesprengt Bildrechte: dpa
Die Ruine des Baal Shamin Tempel Palmyra, Syrien
Die Reste des jahrtausendealten Baaltempels von Palmyra vor der Zerstörung durch den IS Bildrechte: IMAGO
IS-Kämpfer in Syrien im Oktober 2017 ISIS
IS-Kämpfer in Syrien im Oktober 2017 Bildrechte: IMAGO
Das Amphitheater in der antiken Ruinenstadt Palmyra. Das römische Theater stammt aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Palmyra wurde 1980 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Aufnahme vom Mai 1999
Das Amphitheater in der antiken Ruinenstadt Palmyra. Das römische Theater stammt aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Palmyra wurde 1980 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Bildrechte: dpa
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Das Nationalmuseum von Palmyra – zerstört und geplündert Bildrechte: dpa
Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro steht 2018 in Flammen.
Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro steht 2018 in Flammen. Bildrechte: dpa
Ein Polizist geht 2018 am ausgebrannten brasilianischen Nationalmuseum vorbei.
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Der Arzt Luiz Claudio Stawiarski vermachte dem zerstörten Museum seine Sammlung von über 2.000 Schmetterlingen und weiteren Insekten Bildrechte: dpa
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Gibt es denn schon Pläne zur Sanierung, die öffentlich bekannt sind, über die vielleicht schon debattiert wird?

Jedes Mal, wenn dieses Thema aufkommt, heißt es einfach: dafür ist es noch viel zu früh, darüber jetzt zu sprechen. Es ist ja so, dass Präsident Emmanuel Macron schon am Tag des Brandes am Abend und am nächsten Tag vorgeprescht ist und angekündigt hat, man werde dieses Gebäude in fünf Jahren  wieder aufbauen.

Blick vom Notre-Dame über das verschneite Paris
Notre Dame ist ein zentrales Stück europäischer Kulturgeschichte Bildrechte: imago/ZUMA Press

Darum, um diese Ankündigung gibt es schon Polemiken hier in Frankreich. Und dann gibt es die  große Frage: will man denn traditionell vorgehen. Also will man dieses große Dachschiff vor allem, das ja aus riesigen und hunderten von Eichenstämmen bestand, will man das so traditionell, wie es damals konstruiert worden ist, wieder aufbauen? Das würde wahrscheinlich viel mehr Zeit erfordern.

Oder könnte man sich auch eine moderne Konstruktion vorstellen, mit Stahl, mit Alu oder anderen Materialien dort aufzubauen. Das ist wirklich gerade so ein bisschen ein Glaubenskampf, der hier entbrannt ist.

Es gibt große Befürworter, die sagen, man könne das modern machen. Zum Beispiel Präsident Emmanuel Macron hat sich da schon positioniert und hat gesagt, diesen Spitzturm aus Blei, der eingestürzt ist, den könnte man ja auch modern wieder aufbauen. Der Chefarchitekt der Kirche stellt sich aber dagegen und sagt: Nein, auch diesen Spitzturm sollte man auch traditionell wieder aufbauen. Entschieden ist da aber noch gar nichts. Da soll es irgendwann eine Kommission geben, die sich damit beschäftigt.

Feuerwehrleute bekämpfen restliche Brandstellen. 6 min
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Nach dem verheerenden Brand im April ist das Terrain um Notre Dame weitgehend geräumt. Es herrscht Stille. Auch um die zunächst sehr ehrgeizig wirkenden Aufbau-Pläne von Präsident Macron? Dazu Marcel Wagner aus Paris.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 10.07.2019 18:05Uhr 05:49 min

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Und diese Kommission wird bei der Entscheidungsfindung wahrscheinlich auch von einer Frage sehr stark abhängig sein: Wer bezahlt's und wie viel? Wie sind da die Kenntnisse aus der Politik? Wie sind die finanziellen Reserven. Gibt es da schon Pläne, ist da schon etwas veranschlagt?

Kathedrale von Notre-Dame vor dem Feuer.
Die imposante Kathedrale von Notre-Dame vor dem Feuer. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Einen echten Plan oder einen Kostenvoranschlag kann man überhaupt noch nicht machen. Dafür ist bisher noch nicht mal entschieden, in welcher Weise man das wieder aufbauen will. Was aber im Moment immer wieder diskutiert wird hier in Frankreich, ist die Tatsache, dass von diesen 850 Millionen Euro Spendenzusagen, die gleich nach dem Brand eingetroffen sind, wo sich ja auch mehrere Milliardäre hier in Frankreich engagiert hatten mit hohen Spendenzusagen, dass davon nur ein winzig kleiner Teil bis jetzt eingetroffen ist.

Der Erzbischof von Paris hat gerade gesagt, dass 38 Millionen Euro jetzt bei der Kirche über die verschiedenen Fonds eingetroffen sind. Das ist ein Zehntel von dem, was der Kirche zugesagt wurde. Und von den rund 500 Millionen, die drei Milliardärsfamilien hier zugesagt hatten, sind gerademal zehn Millionen hier eingetroffen. Aber da sagte neulich noch der Kulturminister Franck Riester hier in Frankreich: also piano, diese Familien wollen auch erstmal sehen, was wir für ein Projekt planen, wie wir das überhaupt angehen wollen. Und wir müssen nicht jetzt schon damit rechnen, dass die jetzt überweisen, sondern das Geld wird schon kommen.

Das Interview führte Stefan Maelck für MDR KULTUR

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Das brasilianische Nationalmuseum in Rio de Janeiro steht 2018 in Flammen. 3 min
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90 Prozent des Bestands des brasilianischen Nationalmuseums wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 2018 bei einem Brand zerstört. Heute versuchen Fachleute noch immer etwas aus den Trümmern zu retten.

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Im Zweiten Weltkrieg wurde das Wahrzeichen Dresdens zerstört, Jahrzehnte später wurde sie wiedererrichtet. Das Vorhaben war nicht umunstritten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Juli 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2019, 04:00 Uhr

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