Szene aus dem Science-Fiction-Film 2001 - Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick
Szene aus "2001 - Odyssee im Weltraum". Bildrechte: dpa

Kinostart vor 50 Jahren "2001: Odyssee im Weltraum" - Science-Fiction wird Kunst

Raumflugkörper, die Walzer tanzen, ein Computer mit rotem "Auge", ein Menschenaffe, der einen Knochen als Waffe benutzt. Stanley Kubrick hat mit "2001" Bilder für die Ewigkeit geschaffen. Vor einem halben Jahrhundert - am 11. September 1968 - lief der Film in den westdeutschen Kinos an.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Szene aus dem Science-Fiction-Film 2001 - Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick
Szene aus "2001 - Odyssee im Weltraum". Bildrechte: dpa

Verspüren Menschen Angst, so greifen sie gern auf ein Lied zurück, das ihnen Mut machen soll. Auch der Computer HAL kriegt Angst und singt das Lied vom kleinen Hänschen. Er weiß, dass ihn der Astronaut Dave in einer quälend-langwierigen Prozedur seines Gedächtnisses, seiner Existenz beraubt. Aus triftigen Gründen. Der Computer hat sich nicht nur als fehlerhaft, sondern als Tötungsmaschine erwiesen. Hat vier Kameraden von Dave auf dem Gewissen, und der Astronaut selbst ist den mörderischen Absichten der künstlichen Intelligenz nur mit knapper Not entkommen.

Ungefähr das Beste, was uns einfallen konnte, war eine Weltraum-Odyssee, vergleichbar in mancherlei Hinsicht mit der Odyssee des Homer. Es schien uns, als wären die endlosen Weiten der See für die Griechen so voller Geheimnis und Unermesslichkeit wie der Weltraum für unsere Generation, und die weiten Inseln, die Homers wundervolle Helden erreichten, waren nicht weniger unermesslich fern wie für unsere Raumfahrer die Planeten, auf denen sie bald landen werden.

Stanley Kubrick, Regisseur

So erinnerte sich Stanley Kubrick an den Schaffungsprozess von "2001". Doch als der Regisseur 1968 sein Werk Kinogängern wie Kritikern vorstellte, präsentierte er weit mehr als eine Weltraum-Odyssee. Einen Film, der verstörte, irritierte, verwirrte wie die schwarzen Monolithen in "2001".

Die Zuschauer rätseln

Keir Dullea
Keir Dullea in "2001" Bildrechte: IMAGO

Warum spannte Kubrick diesen gewaltigen Bogen von der fernsten Vergangenheit bis in die naheliegende Zukunft? Was hat es mit den Außerirdischen auf sich, warum tauchen sie nie auf? Warum altert Dave am Ende, wird wiedergeboren und fliegt als Embryo der Erde entgegen – und was ist das für ein Embryo?

In dieser Phase ist der Film eben das, was man beim Zuschauen darin sieht ...

Stanley Kubrick

Mit diesen Worten entzog sich Kubrick einmal einer eindeutigen Klärung, was den Schluss angeht. Und machte aber wenigstens deutlich, was der Schluss für ihn selbst bedeutet. Für ihn werde der Astronaut im Zeichen eines höheren Wesens wiedergeboren. Man könne es einen Engel nennen oder einen Übermenschen.

Ein Film setzt Maßstäbe

Die Rätselhaftigkeit von "2001", die verschiedenen Interpretationsspielräume, die der Film ermöglicht, werden letztlich zur Basis des anhaltenden Erfolgs dieses außergewöhnlichen Ausflugs in die Science-Fiction. Neben seiner technischen Perfektion, seiner ästhetischen Kühnheit. "2001" - das war, ist und bleibt ein einzigartiges, unvergleichliches Kunstwerk der Filmgeschichte.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 11. September 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2018, 04:00 Uhr

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