Portrait-Aufnahme einer blonden Frau, die lächelt.
Ola Staszel ist Leiterin des Neiße Filmfestivals, was in diesem Jahr zum 15. Mal stattfindet. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Neiße Filmfestival Ola Staszel – Kulturelle Brückenbauerin

Ola Staszel leitet das Neiße Filmfestival, was in diesem Jahr zum 15. Mal stattfindet. Dabei kommt es ihr und ihrem Team vor allem darauf an, mit Hilfe des Kinos und der Kultur, die Menschen aus dem Dreiländereck zusammenzubringen. Im Gespräch mit MDR KULTUR erzählt sie, wie sie Brücken zwischen den Menschen bauen will.

Portrait-Aufnahme einer blonden Frau, die lächelt.
Ola Staszel ist Leiterin des Neiße Filmfestivals, was in diesem Jahr zum 15. Mal stattfindet. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Völkerverständigung kann auf vielfältige Weise stattfinden: Über Reisen, über Austauschprogramme – oder eben auch über das Kino. So, wie es das "Neiße Filmfest" versucht. Das Festival ist aus der Zusammenarbeit von Filmclubs aus dem Dreiländereck Tschechien-Polen-Deutschland entstanden. Und genau das ist es auch, was Ola Staszel antreibt – neben ihrer Liebe zum Kino.

Wir bauen Brücken.

Ola Staszel, Leiterin "Neiße Filmfestival"

Staszel lebt die Idee des Festivals selbst: 1970 in Katowice in Polen geboren, landete sie in den 90er-Jahren in Aachen. "Das erste halbe Jahr war ziemlich hart", sagt sie. Kein Wort Deutsch habe sie gesprochen, aber für sie sei schnell klar gewesen, dass sie sich durchbeißen muss. Und so lernte sie als erstes die Sprache ihres Nachbarlandes. Von Aachen aus zog es sie nach Berlin, wo sie die Grenzregion des Dreiländerecks für sich entdeckte, eine Faszination, die sie bis heute nicht losgelassen hat.

Die Liebe zum Kino in die Wiege gelegt

Ola Staszel, Festivalleiterin des Neiße Filmfestivals
Ola Staszel wurde in Katowice geboren und studierte Literatur- und Filmwissenschaften. Bildrechte: Hannes Rönsch

Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht, dann ist es die Hingabe zum Medium Film. "Ich liebe den Arthouse-Bereich. Ich liebe diese Filme, ich brenne für sie." Diese Leidenschaft sei ihr schon früh in die Wiege gelegt worden – von ihrer Mutter, die eine "verrückte Kinogängerin" gewesen sei. Von da an habe sie Regisseurin werden wollen, erzählt sie. Sie verfolgte ihren Traum konsequent weiter und studierte Literatur- und Filmwissenschaften. Das polnische Kino der 1980er-Jahre und dessen Regisseure waren es dann auch, die sie maßgeblich prägten.

Die Universitätszeit in Wroclaw war ein Traum.

Ola Staszel, Leiterin "Neiße Filmfestival"

Durch ihre trinationale Ausrichtung spielen polnische Filme natürlich auch auf dem "Neiße Filmfest" eine Rolle. Ola Staszel freut sich besonders in diesem Jahr auf die polnische Auswahl, da in dem Land seit zweieinhalb Jahren große Umbrüche stattfänden: "Es gibt sehr tolle, junge polnische Regisseure, die sehr frisches, neues Kino schaffen.“

Der Region eine positive Ausrichtung geben

2018 geht das Filmfestival in seine 15. Auflage. Staszel, die das Filmfest gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen leitet, will mit der Veranstaltung die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Region lenken, da dies ansonsten nur geschehe, wenn es Negativschlagzeilen gebe, wie z.B. rechte Übergriffe. "Wir möchten das verändern und zeigen, dass positive und außergewöhnliche Sachen da stattfinden." Dabei freut es sie, auch die ländlichen Gebiete abseits der größeren Städte wie Görlitz, miteinzubeziehen. "Wir haben Kinos in den Dörfern, was sehr schön ist."

14. Neiße Film Fest (2017) - Preise: Neisse Fische
In drei Wettbewerben konkurrieren die Filme um die "Neisse-Fische". Bildrechte: Neisse Film Fest/Hannes Rönsch

Vor allem auf den Aspekt, dass das Neiße-Filmfest noch 70mm-Filme zeigt, ist sie als Kinoliebhaberin stolz. "Das erreicht eine visuelle Dimension, die sonst nicht erreicht wird." Möglich werde dies durch ein Kino in Varnsdorf in Tschechien. Es sei noch eines der wenigen Filmlichthäuser in Europa, die solche 70mm-Projektoren besitzen.

Das Festival: Liebe auf den ersten Blick

Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander und lächeln in die Kamera. 39 min
Bildrechte: MDR/Florian Leue

MDR KULTUR - Das Radio Sa 05.05.2018 11:05Uhr 39:29 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Ola Staszel ist seit Beginn des Festivals 2004 dabei, damals noch zuständig für die Programmleitung. "Als ich das erste Mal Großhennersdorf kennenlernte und die Menschen, die das Festival betreiben, das war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie – und habe sofort gewusst, dort wolle sie bleiben. Für sie ist das Neiße Filmfest im tschechisch-polnisch-deutschen Grenzgebiet viel mehr als nur eine Filmschau.

"Ich fand es immer faszinierend, wie man mit Hilfe der Kultur Menschen zusammenbringen kann."

Ola Staszel, Leiterin "Neiße Filmfestival"

Das "Neiße Filmfest" läuft vom 15. bis 20. Mai. Insgesamt gibt es an 20 Spielorten entlang des Dreiländerecks mehr als 120 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen in drei Wettbewerben zu sehen. Die Auszeichnung des "Ehre-Neiße-Fischs" geht an diesem Jahr an den Regisseur Christian Petzold für seine Verdienste um das europäische Kino.   

Zur Person Ola Staszel wurde 1970 in Katowice in Oberschlesien geboren. Aufgewachsen in Gliwice, zu Deutsch Gleiwitz, verdankt sie ihrer Mutter die Leidenschaft für das Kino, woraufhin sie von 1989 bis 1995 an der Universität Wroclaw Polnische Philologie und Filmwissenschaften studierte. Es folgte ein Studium in Aachen, wo sie für zwei Jahre die Leitung der Kurse der Polnischen Literatur und Sprache für die Abiturienten übernahm. Von 2000 bis 2003 arbeitete sie in der Bundesregierungskampagne zur EU-Osterweiterung "Nachbarn treffen - Europa gestalten" und leitete danach mehrere europäische Kultur- und Jugendaustauschprojekte. In den Jahren von 2008 bis 2010 hatte sie die Programmleitung vom "Umweltfestival" der Grünen Liga Berlin inne und leitete sieben Jahre lang das Projekt "Polnischer Frühling" in Bad Muskau. 2004 übernahm sie die Programmleitung vom "Neiße Filmfest", seit 2015 ist sie Festivalleiterin.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft | 05. Mai 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 18:01 Uhr

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Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander und lächeln in die Kamera. 39 min
Bildrechte: MDR/Florian Leue

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