Oliver Bottini
Oliver Bottini ist für seine Krimireihe um die Ermittlerin Louise Bonì bekannt, wurde aber zuletzt vor allem für seine alleinstehenden Kriminalromane ausgezeichnet. Bildrechte: dpa

Im Gespräch Oliver Bottini bringt Politik in den Krimi

Oliver Bottini
Oliver Bottini ist für seine Krimireihe um die Ermittlerin Louise Bonì bekannt, wurde aber zuletzt vor allem für seine alleinstehenden Kriminalromane ausgezeichnet. Bildrechte: dpa

Der erfolgreiche deutsche Krimiautor Oliver Bottini sieht es als Aufgabe der Literatur, politische Sachverhalte auf eigene Art zu beleuchten. Das sagte er im Gespräch mit MDR KULTUR. In seinen Büchern setzt sich Bottini mit Themen wie Landraub, Waffenhandel oder Globalisierung auseinander.

Es ist ein sehr vielseitiges Genre. Man kann jedes Thema, das es auf dieser Welt so gibt, im Kriminalroman verhandeln, wenn man die geeignete Geschichte dazu findet oder erfindet.

Oliver Bottini

Dabei liegt für ihn die Verbindung von politischen Themen - wie Waffenhandel - zur Kriminalgeschichte auf der Hand: "Mit Waffen werden Menschen getötet, und schon sind wir mittendrin im Genre."

Auf der Suche nach der Wahrheit

Mit seinen Krimis will Bottini so den Blick auf gesellschaftliche Ereignisse weiten. Gleichzeitig kritisierte der Autor im Gespräch mit MDR KULTUR die einseitige Abbildung der Wirklichkeit in den Medien. Nicht ausreichend komplex dargestellte Ereignisse ließen keine Bewertungen und Einordnungen zu.

Ich habe den Anspruch, die Wahrheit zu erfahren. (…) In meinen Romanen hab ich ein Thema und möchte es eben auch von der anderen Seite beleuchten, sonst wäre es für mich nicht vollständig, nicht wahrheitsgemäß.

Oliver Bottini

Preisgekrönter Roman über Landraub in Rumänien

Bottini gilt als einer der besten und originellsten deutschen Krimiautoren. Von der Kritik wird er als sprachlich sehr sorgfältiger, differenzierter Erzähler gefeiert, der die Möglichkeiten des Genres sensibel erweitert. Gerade wurde er für sein neues Meisterwerk "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, den er damit bereits zum fünften Mal erhielt. Der komplexe Roman führt nach Rumänien und handelt vom Landraub und den verheerenden ökologischen und sozialen Folgen für den ländlichen Raum. Er verbindet in einem packenden Kriminalfall die Vergangenheit und Gegenwart Rumäniens und schlägt einen Bogen in das Gebiet der ehemaligen DDR, wo der Landraub mit anderen Mitteln ebenfalls stattfindet.

Das Buch zeigt die ganze Meisterschaft des Autors, politische, auch spröde Themen in der Form des Kriminalromans spannend, aber niemals reißerisch zu vermitteln.

Knut Elstermann, MDR KULTUR

Oliver Bottini Bottini, der 1965 in Nürnberg geboren wurde, arbeitete zunächst als Lektor, was seinen Sinn für einen klaren, schnörkellosen und aufrichtigen Umgang mit der Sprache schärfte. Mit seiner Kommissarin Louise Bonì, über die er bisher sechs Romane schrieb, hat er eine eigenwillige, gebrochene, kompromisslose Figur erfunden, die in Freiburg oft mit unkonventionellen Mitteln ermittelt. Die Deutsch-Französin, eine trockene Alkoholikerin, wird von einem unbändigen Wahrheitswillen angetrieben, den sie mit ihrem Autor Bottini teilt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 11. März 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2018, 00:00 Uhr

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