Comedian und "Mattscheibe"-Gründer Kalkofe: Corona-Krise macht Internet zum "Tummelplatz der Irren"

Der Comedian Oliver Kalkofe verurteilt die Verschwörungskultur im Internet während der Corona-Krise scharf. Der Online-Irrsinn hindere einen daran, über wirklich Wichtiges nachzudenken. Kritisch äußerte sich der TV-Kritiker und Parodist bei MDR KULTUR auch über das deutsche Fernsehprogramm. Das werde immer furchtbarer und zynischer, so der Gründer der TV-Parodie-Sendung "Kalkofes Mattscheibe".

Während der Corona-Krise habe sich das Internet zu einem "Tummelplatz der Irren gemacht". Das sagte Komiker und Gründer der "Mattscheibe" Oliver Kalkofe MDR KULTUR. Durch den online verbreiteten Irrsinn werde man gehindert über die wirklich wichtigen Dinge nachzudenken, kritisierte Kalkofe. "Es ist gar keine Frage, dass hier nicht alles super läuft und dass jeden Tag hunderte, tausende von Fehlern gemacht werden, dass man über vieles diskutieren muss, sich über vieles aufregen darf", so Kalkofe. Aber er kritisiert, wenn all das in einen Eimer geschüttet und gemischt werde, dann bringe die Aufregung oder Kritik nichts.

Vor allem die vielen Theorien, die online im Umlauf sind, stoßen bei dem 55-Jährigen schlecht auf: "Das ist wie so ein Gulasch aus Irrsinn und zwar von allen Ecken – von rechtsextrem bis linksextrem bis irgendwie Fantasy bis aus Filmen geklaut […] und das zusammen. Jeder nimmt sich das wie bei so einem Selbstbedienungsbuffet und schmiert sich seine eigene Verschwörungsstulle." Anlass für Kalkofe sich in seiner nächsten "Mattscheiben"-Sendung komplett dem "Schlimmsten aus dem Internet" zu widmen.

Jeder nimmt sich das wie bei so einem Selbstbedienungsbuffet und schmiert sich seine eigene Verschwörungsstulle.

Oliver Kalkofe

"Medienlanschaft wird immer verrückter"

Auch nach über 25 Jahren seit der ersten Folge der "Mattscheibe" gehen dem TV-Kritiker, Comedian und Parodisten die Vorlagen für seine Fernseh-Parodien nicht aus. Ganz im Gegenteil, die Medienlanschaft werde immer verrückter, so Kalkofe. Sehr kritisch sieht er dabei das deutsche Fernsehen. Dies werde immer furchtbarer und zynischer.

Zum einen seien da die privaten TV-Sender, die die in vorgeskripteten Reality-Formaten Menschen mit Auffälligkeiten vorführen und lächerlich machen. Den Öffentlich-Rechtlichen wirft er dagegen vor, dass sie nichts gegen diese Entwicklung tun. "Die haben einfach den jüngeren Teil der Bevölkerung – jetzt sind das schon die 30- bis 40-Jährigen – lange Zeit vernachlässigt und gesagt: Gut, wir machen einfach weiter wie bisher. Anstatt Kreativität auszuloben und zu sagen: Wir versuchen immer wieder was Neues zu machen und wir richten uns nicht nur nach den Quoten. Ich weiß, es ist ein schwieriger Punkt. Aber dadurch tut sich leider nichts." Die einen könnten, trauen sich aber nicht und die anderen könnten, aber machen es nicht, weil es mit finanziellen Verlusten verbunden ist, kritisiert Kalkofe.

Quoten-Angst am eigenen Leib gespürt

Die Angst vor der Quote kennt der gelernte Fremdsprachenkorrespondent nur zu gut. Auch das legendäre "Frühstyxradio" von FFN, mit dem er und seine Kollegen quasi die deutsche Radiocomedy erfunden haben, wurde von den Besitzern des Senders oft mit Absetzung bedroht.

Heutzutage ist Oliver Kalkofe aus der deutschen Humorzone kaum wegzudenken. Die Schlagkraft seiner Projekte ist erstaunlich (vom Hörbuchsprecher bis zur satirischen Filmreihe "Schlefaz" – der schlechtesten Filme aller Zeiten) und die große Zahl seiner Fans zieht sich durch sämtliche Altersschichten.  Zu verdanken haben sie all das der Heimat von Oliver Kalkofe, denn er selbst sagt: "Die Langeweile in Niedersachsen hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Café | 13. September 2020 | 12:00 Uhr