Comic-Verfilmung "Endzeit": Zombies zwischen Weimar und Jena

Olivia Vieweg ist eine Drehbuchautorin und Comiczeichnerin aus Weimar. Ihre Abschlussarbeit an der Bauhaus Universität war ein Comic namens "Endzeit", aus dem sie anschließend ein Drehbuch machte. Jetzt kommt der Film in die Kinos: eine Mischung aus Horrordrama und Ökokritik, bei dem zwei junge Frauen in Thüringen vor Zombis flüchten.

von Reinhold Jaretzky, MDR KULTUR

Weimar nach der Apokalypse. Die Drehbuchautorin und Comiczeichnerin Olivia Vieweg entwirft ein Schrecksszenario, mit brennenden Särgen auf dem Marktplatz: "[...] in Weimar werden die Infizierten sofort getötet. Das heißt, wenn auch nur der Verdacht aufkommt, dass man sich mit dem Virus infiziert haben kann, dann muss der sofort umgebracht werden", beschreibt die Autorin die Handlung.

Der Film "Endzeit" erzählt ein Zombie-Märchen und spielt in keinem düsteren Zukunftsland im Nirgendwo, sondern hier und jetzt: Mitten im Wald zwischen Weimar und Jena. Zwei junge Frauen sind auf der Flucht. Sie wollen lebend von Weimar nach Jena kommen, der letzten sicheren Enklave. Überall lauern Zombies, seelenlose, willenlose Wesen, degenerierte, untote Menschen:

Für mich waren die Zombies faszinierend, weil man viele gesellschaftliche Ängste darin verschlüsseln kann. Unsere Angst vor dem Verlust des Ichs ist ein großes Thema, wenn wir daran denken, dass viele von uns, wenn wir alt werden, mit Alzheimer oder Demenz konfrontiert werden. Wo man immer noch so aussieht, wie man immer war, aber eigentlich verliert, wer man ist.

Olivia Vieweg

Apokalypse in Thüringen

Phantasiereich spielt der Film mit dem Zombie-Genre. Nicht bewaffnete Superhelden wie im amerikanischen Kino, sondern sensible junge Frauen stellen sich der tödlichen Gefahr. Aktionsraum ist nicht die ewige Nacht, sondern die helle, bunte, Natur. Umso greller ist der Thrill, der in diese friedliche Welt immer wieder hineinbricht.

Buchcover - Olivia Vieweg: Endzeit
Olivia Viewegs Comic "Endzeit" erschien 2018 in Carlsen Verlag Bildrechte: Carlsen Verlag

Über die Entstehung des Comics sagt Vieweg: "Die allererste Idee zu Endzeit kam tatsächlich, als auf der Strecke zwischen Weimar und Jena der Zug stecken blieb und ich dachte, was wäre, wenn jetzt eine Horde von Zombies über den Hügel gerannt kommt.  Ich habe das dann im Kopf so durchgespielt: wir sind jetzt so und so viele Leute im Zug, was würde die Gruppe machen, wer würde in Panik geraten, wer würde rausgehen, weil er sagt, wir müssen raus, wer würde warten, wer würde am Ende überleben?"

Vielseitiges Talent

Ihre Geschichten verlegt Olivia Vieweg gern an vertraute Orte. In Jena ist sie aufgewachsen. In Weimar lebt und arbeitet die 31-jährige heute. An der Bauhaus-Universität hat sie Grafik und Design studiert. Die Drehbuchautorin und Comiczeichnerin ist enorm produktiv. Ihr erstes großes Buch erschien vor sechs Jahren im Suhrkamp Verlag: Mark Twains Klassiker Huckleberry Finn, verpflanzt nach Halle-Neustadt. Der Mississippi wird zur Saale, die DDR-Plattenbauten werden zum Abenteuerspielplatz, und die Figuren sind kulturell upgedatet: der Sklave Jim flüchtet hier mit einer Zwangsprostituierte namens Jin.

Viewegs Vielseitigkeit ist auffallend. Neun Bücher hat sie bislang veröffentlicht, sie hat Manga-Comics und eine ganze Serie Katzencartoons gezeichnet, sie hat Plüschkatzen designed und vermarktet. Und sie liebt die beruhigende Wirkung dieser gelassenen, meist schlafenden Kuscheltiere.

Jetzt hat sie das Drehbuch zu "Endzeit" geschrieben. Gleichzeitig erschienen ist auch ein von ihr wunderbar lakonisch gezeichneter Comic zum Film: "Der Zombie hat auf alle Fälle einen hohen Entertainmentfaktor. Wir haben diese Geschichte von den zwei jungen Frauen, die durch die Pampa laufen, und wir fühlen die Bedrohung permanent, auch wenn wir den Zombie nicht immer sehen."

Märchen für Erwachsene

Auch einen Schuss philosophischen Optimismus hat Vieweg in ihr Drehbuch geschrieben. Nach der Apokalypse geht die Geschichte weiter! Neue Symbiosen zwischen Mensch und Natur sind möglich: "Ich habe versucht, die Erde als eine Persönlichkeit zu sehen, die uns beherbergt und vielleicht auch einiges hinnimmt, was wir so machen als Mieter auf ihr. Aber irgendwann kann es natürlich passieren, dass man rausgeworfen wird?" 

eine Frau mit einer Axt
Eine Szene aus dem Film "Endzeit" Bildrechte: Anke Neugebauer/Grown Up Films/ZDF

Viewegs Drehbuch "Endzeit", etwas pathetisch verfilmt, ist ein ungewöhnlicher Mix von Horrordrama und Ökokritik. Mit Leichtigkeit wirft sie existentielle Fragen in den Raum. Horrorfilme, sagt sie, sind Märchen für Erwachsene, die nicht mehr an Märchen glauben.

Angaben zum Film "Endzeit" Herstellungsland: Deutschland, 2018
Genre: Horror, Drama

Regie: Carolina Hellsgård
Drehbuch: Olivia Vieweg
Darsteller: Gro Swantje Kohlhof, Maja Lehrer, Trine Dyrholm u.a.

Im Kino ab: 22. August 2019

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 22. August 2019 | 22:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 09:35 Uhr

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