KS Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel), Rita Kapfhammer (als Katja), Damen und Herren des Opernchores
Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel, Mitte), Rita Kapfhammer (als Katja, Mitte) sowie Damen und Herren des Opernchores im Stück "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater Dessau Bildrechte: Claudia Heysel

Rezension Dvořáks Opern-Rarität "Katja und der Teufel" in Dessau: Ein musikalischer Ohrenschmaus

Antonín Dvořák hat zehn Opern geschrieben – aufgeführt wird hierzulande oft nur "Rusalka". Und dann gibt es noch eine, die sich ganz selten auch mal auf hiesige Spielpläne verirrt, nämlich die "Teufelskäthe" – bzw. "Katja und der Teufel". Am Anhaltischen Theater in Dessau steht das Stück jetzt auf dem Spielplan. Wie "Rusalka" basiert es auf einem Märchen, ist aber ansonsten ganz anders. MDR KULTUR-Kritiker André Sittner war bei der Premiere.

KS Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel), Rita Kapfhammer (als Katja), Damen und Herren des Opernchores
Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel, Mitte), Rita Kapfhammer (als Katja, Mitte) sowie Damen und Herren des Opernchores im Stück "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater Dessau Bildrechte: Claudia Heysel

Luzifer schickt seinen Unterteufel Marbuel auf die Erde, um herauszufinden, ob die Fürstin und ihr Verwalter höllenreif sind. Unterdessen ist im Dorf Tanz. Nur der Schäfer Jirka ist traurig, denn er muss am Sonntag arbeiten und klagt über den unmenschlichen Verwalter. Alle tanzen, nur die bärbeißige Katja wird nicht aufgefordert. Schließlich wird es ihr zu bunt und sie will sogar mit dem Teufel tanzen. Just in diesem Moment erscheint Marbuel als vermeintlich reicher Geck und tanzt mit ihr. Er nimmt sie mit in die Hölle und bereut es gleich, denn Katja macht ihm die Hölle zur Hölle.

Jirka ist ihnen gefolgt und will Katja befreien. Aber sie will gar nicht mehr weg. Die Teufel flehen Jirka an, ihnen zu helfen und der macht einen Deal: Er darf den Verwalter vor dem Teufel retten, würde dann von ihm belohnt werden und hätte ausgesorgt. Nur die schöne, aber böse Fürstin, die darf nicht gerettet werden. Aber gerade von ihr träumt Jirka schon seit langem. Also lockt er Katja aus der Hölle – und sie ist sauer. Als der Teufel dann die Fürstin holen will, droht ihm Jirka mit Katja, worauf jeglicher Höllenspuk sofort panisch verschwindet. Die Fürstin schwört, nur noch Gutes zu tun – Happy End.

Witzig inszeniert, gute Darstellung der Charaktere

KS Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel), Rita Kapfhammer (als Katja)
Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel), Rita Kapfhammer (als Katja) Bildrechte: Claudia Heysel

Regisseur Jakob Peters-Messer hat die Oper mit Witz und Situationskomik angelegt. Das Stück lässt sich schwer inszenieren, weil diese holzschnittartige Geschichte mit ihren märchenhaft-plötzlichen Wendungen keine größere Tiefe zulässt. Konstanten sind eigentlich nur Jirka und Marbuel – und die keifende Katja. Jirka ist der Mutige, der dem Teufel in die Hölle folgt, am Ende dann der Fürstin sogar den Demokratieeid abverlangt und das Volk anführt und befreit. Er ist eine bäurische Heldengestalt wie aus dem Bilderbuch.

Marbuel tritt ganz in altrosa als galanter Jäger auf und umgarnt altväterlich charmant Katja, kommt dann aber als geschundenes Nervenbündel in der Hölle an, mit der duttfrisierten Katja buchstäblich im Nacken – die ihn mit ihrer Handtasche verbleut, weil sie gemerkt hat, dass er ein Teufel ist und kein reicher Galan. Und Katja selbst ist zunächst schüchtern, unsicher, ja fast traurig als niemand sie zum Tanz auffordert, wird dann aber ein echter Besen voller Rauflust. Es sind gut gelungene Typenzeichnungen, die allesamt gut aufgehen. Auch der Chor, der eine wichtige Rolle hat, ist hier gut mitspielend eingebunden.

Hölle als Bürokratenhölle inszeniert

Auch das ein schöner Einfall in dieser Inszenierung: Die Hölle erstickt in Bürokratie. Die Teufel singen zwar noch ein Loblied auf die Laster, die ihnen so viele Sünder bringen – aber diese müssen alle aktentechnisch erfasst werden, mit doppeltem Durchschlag. Da haben die Teufel voll zu tun. Sie spiegeln sozusagen die Fronwelt der Fürstin oben, denn Luzifer, der wie ein Großkapitalist auftritt, treibt seine Mitarbeiter genauso unbarmherzig an.

Stephan Biener (als Pförtner-Teufel)
Stephan Biener (als Pförtner-Teufel) Bildrechte: Claudia Heysel

Die Hölle wird sozusagen als eine Beamtenhölle dargestellt. Klassisch höllisch wird es erst als Marbuel zu Katjas Belustigung ein ziemlich frivoles Höllenballett auffährt. Die Tänzerinnen und Tänzer tauchen dann auch im nächsten Akt nochmal gespenstisch am Bett der albtraumgeplagten Fürstin auf. Auch diese Auftritte sind sehr gelungen.

Musikalischer Ohrenschmaus, solide umgesetzt

Komponist Dvořák hat in dieser Oper alles aufgefahren – vom böhmischen Volkstanz bis zum Höllenritt und einem Spukballett. Musikalisch ist das ein Ohrenschmaus. Wer die slawischen Tänze liebt, findet sich hier wieder.

Gesanglich gab es keine großen Bravourstücke, aber so einige heikle Ecken wurden durchweg gut gemeistert. Allen voran zu nennen sind Richard Samek als Jirka und Rita Kapfhammer, die die Herbheit der Katja eigentlich gar nicht in ihrer eher warmen, lyrischen Stimme trägt, aber die Schimpfkanonaden wunderbar darbietet.

Cornelia Marschall (als Kammerfrau), KS Iordanka Derilova (als die Fürstin)
Cornelia Marschall (als Kammerfrau) und KS Iordanka Derilova (als die Fürstin) im Stück "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater Dessau Bildrechte: Claudia Heysel

Ulf Paulsen als Teufel Marbuel wurde schnell zum Liebling des Publikums mit seiner vermeintlichen Gewitzheit, die sich dann doch als ziemliche Einfalt rausstellt. Und Iordanka Derilova – im Moment ja eines der Aushängeschilder des Dessauer Theaters – hatte mit der Fürstin die einzige Rolle, der etwas tiefergehende Emotionen abverlangt werden, nämlich die Angst vor der Hölle.

Bei der Ouvertüre war das Orchester unter Leitung der jungen Kappellmeisterin Elisa Gogou noch etwas verhalten, kam aber schnell auf Betriebstemperatur. Dann war es manchmal fast zu derb, sodass der Chor ein bisschen hinter der Anhaltischen Philharmonie verschwand. Aber im Großen und Ganzen war es das Musikantentum, das für diese Oper notwendig ist und die Spielkultur, die man von der Philharmonie in Dessau kennt.

Fazit: Gute Unterhaltung

Wer nicht die große, dramatische Oper sucht, sondern gute Unterhaltung und wirklich tolle Musik, sollte sich "Katja und der Teufel" in Dessau unbedingt anschauen. Das Publikum hat die Oper sehr gefeiert – auch wenn das Theater bei der Premiere leider nicht voll besetzt war.

KS Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel), Rita Kapfhammer (als Katja)
Ulf Paulsen (als der Teufel Marbuel) und Rita Kapfhammer (als Katja) im Stück "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater Dessau Bildrechte: Claudia Heysel

Angaben zu "Katja und der Teufel" am Anhaltischen Theater Dessau: Oper in drei Akten
Musik von Antonín Dvořák
Textbuch von Adolf Wenig, nach einem tschechischen Märchen
deutsche Übersetzung von Kurt Honolka

Dauer: ca. 2,5 Stunden, eine Pause
Sprache: Tschechisch mit deutschen Übertiteln

Mitwirkende:
Inszenierung: Jakob Peters-Messer
Musikalische Leitung: Elisa Gogou
Choreografie: Nigel Watson
Bühne: Markus Meyer
Kostüme: Sven Bindseil
Dramaturgie: Felix Losert

Adresse:
Anhaltisches Theater Dessau
Friedensplatz 1A
06844 Dessau-Roßlau

Nächste Aufführungen:
1. Juni 2019, 17:00 Uhr
weitere Termine in der neuen Spielzeit

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Mai 2019 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 09:17 Uhr

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