Wagner22 Mammutprojekt: Leipziger Oper will alle 13 Wagner-Opern in einem Festival zeigen

Das gibt es nicht einmal bei den Bayreuther Festspielen: Die Leipziger Oper will im Sommer 2022 alle Opern des in Leipzig geborenen Komponisten Richard Wagner in einem einmaligen Festival aufführen. Das Haus gab am Mittwoch erste Details zu "Wagner22" bekannt. Damit verabschiedet sich Ulf Schirmer, Intendant und Generalmusikdirektor, mit einem großen Fest. In diesem Rahmen soll auch dem ehemaligen Chefdirigenten Gustav Brecher gedacht werden, der 1933 von den Nazis aus Leipzig vertrieben wurde.

Menschen auf einer Bühne
Der "Parsifal" an der Oper Leipzig Bildrechte: Tom Schulze

Ulf Schirmer, Generalmusikdirektor und Intendant der Leipziger Oper in Personalunion, will sich mit einem "Jahrhundertklang" verabschieden: Schon seit einigen Monaten plakatiert die Leipziger Oper unter anderem in Bayreuth – dem eigentlichen Zuhause der Wagner-Festspiele – mit dem Vorhaben "Wagner22". Wie die Oper am Mittwoch mitteilte, sei der Plan, alle vollendeten Opern von Richard Wagner in chronologischer Reihenfolge in "Drei Wochen Unendlichkeit" (so lautet einer der Untertitel dieses Vorhabens) aufzuführen.

Lange vorbereitet

Ein Bühnenbild während einer Vorstellung
Eine Szene aus "Die Feen" an der Oper Leipzig Bildrechte: Kirsten Nijhof

Dabei wirkt es, als habe Schirmer mit Beginn seiner Amtszeit 2009 lange auf dieses Ereignis hingearbeitet: Zu Beginn des einmaligen Festivals werden die frühen Werke gespielt, die Wagner später von einer Aufführung auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ausschloss. Bereits 2013, zum 200. Geburtstag des Komponisten, wurden "Die Feen", "Das Liebesverbot" und "Rienzi" in Leipziger Inszenierungen in Bayreuth aufgeführt. Ab 2012 wurde eine neue Interpretation des "Ring des Nibelungen" erarbeitet. Es folgten Neuinszenierungen von "Der fliegende Holländer" und "Tristan und Isolde".

Es gab jedoch auch einige Probleme. Eigentlich sollte die Urenkelin des Komponisten Katharina Wagner den "Tannhäuser" inszenieren. Stattdessen wurde eine internationale Koproduktion des Regisseurs Calixto Bieto übernommen. Dafür sollte Katharina Wagner den "Lohengrin" in Szene setzen. Aber auch dieses Engagement wurde nach langer Krankheit abgesagt. Aktuell sucht die Leipziger Oper nach einem Team, bis dahin soll es eine Corona-konforme Inszenierung des "Lohengrin" geben. Für die Aufführungsreihe wurden zahlreiche große Sängerinnen und Sänger eingeladen, wie Evelyn Herlitzius, Manuela Uhl, René Pape, Michael Volle und Klaus Florian Vogt.

Von Ideologie befreien

Die Idee zu diesem Festival stammt allerdings nicht von Ulf Schirmer allein, sondern von einem Vorgänger: Gustav Brecher war von 1914 bis 1933 Generalmusikdirektor in Leipzig und Wagner-Verehrer. Er setzte sich am Opernhaus für zeitgenössische Komponisten wie Ernst Krenek und Kurt Weill ein. Dafür und wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er von den Nazis vertrieben. Er nahm sich schließlich auf der Flucht das Leben. Die Oper ehrt mit dem Festival auch das Andenken dieses Künstlers und widmet dem Dirigenten die Probebühne im Haus. "Ich verstehe das auch als Positionierung gegen ideologische Vereinnahmungen", sagte Ulf Schirmer.

Fünf Personen in einem schönen Foyer
Das Team der Oper Leipzig präsentiert das Festspielprogramm Bildrechte: Kirsten Nijhof

Rund um die Opernaufführungen ist ein umfassendes Rahmenprogramm geplant. In einem Symposium des Leipziger Instituts für Musikwissenschaft geht es um die Rezeptionsgeschichte Wagners – von seinen Lebzeiten, im Kaiserreich, während des Nationalsozialismus, in der DDR bis heute. In Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband werden Vorträge zum Verhältnis Wagners zu Felix Mendelssohn-Bartholdy untersucht. Außerdem geht es um die Stimme: In Kooperation mit dem Uniklinikum Leipzig wird zur Singstimme geforscht und eine sogenannte "Masterclass" ausgebildet. Zusätzlich zu den Opern soll es auch zwei Abende mit Wagners Klavierwerken geben, an der Musikalischen Komödie wird der "Ring für Kinder" gezeigt. Für Leipziger, die sich keine Karte leisten können, wird auch ein Public-Viewing-Event organisiert.

Die Stadt Leipzig unterstützt das Festival im Zusammenhang mit der Dachmarke "Musikstadt Leipzig". Die Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke betonte, wie wichtig das Festival sei, um die Identität Leipzigs als Wagnerstadt zu stärken. Die Wagnerfesttage sollen den Auftakt für zweijährlich stattfindende Opernfestspiele bilden, die zusammen mit dem Bachfest und den Gewandhaus-Festtagen einen Dreiklang bilden sollen.

"Wagner 22" soll vom 20. Juni bis zum 14. Juli 2022 stattfinden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. September 2020 | 16:10 Uhr