Mehrere Kunsterwerke, die auf der Ostrale ausgestellt sind.
Mehrere Kunsterwerke, die auf der Ostrale ausgestellt sind. Bildrechte: Peter Fischer

Biennale für zeitgenössische Kunst Das ist auf der Ostrale 2019 zu sehen

Unter dem Motto "Ismus" startet am Mittwoch das Kunstfestival Ostrale in Dresden. Bis zum 1. September 2019 stellen mehr als 150 Künstlerinnen und Künstler mehr als 250 Bilder, Objekte und Videos aus – nach dem Umzug aus dem ehemaligen Schlachthofgelände nun erstmals in der ehemaligen "f6"-Zigarettenfabrik in Striesen. Wolfram Nagel verrät, was uns dort erwartet.

von Wolfram Nagel, MDR KULTUR

Mehrere Kunsterwerke, die auf der Ostrale ausgestellt sind.
Mehrere Kunsterwerke, die auf der Ostrale ausgestellt sind. Bildrechte: Peter Fischer

Erstmals findet die Ostrale in diesem Jahr an einem anderen Ort statt: In der ehemaligen "f6"-Zigarettenfabrik – und nicht wie bislang an der Futterstelle und auf den Heuböden des ehemaligen Erlweinschlachthofs auf der Ostrahalbinsel. Grund für den Umzug sind bauliche Mängel: Durch das Hochwasser 2013 entstanden Risse in den Gebäuden, sodass die Bauaufsicht eine öffentliche Nutzung mit Publikumsverkehr nicht mehr genehmigt hat.

Fast 30.000 Menschen besuchten vor zwei Jahren die Ostrale – deren Sicherheit war natürlich ein wichtiges Argument der Stadt gegen eine weitere Nutzung. Es heißt, 12 Millionen Euro hätten investiert werden müssen, um die Gebäude für die Ostrale zu erhalten. Inzwischen wurde das alte Gelände an einen privaten Investor verkauft. Welche Pläne es dafür gibt, ist derzeit unklar.

Die historische Tabakfabrik in Striesen
Die historische Tabakfabrik in Striesen. Bildrechte: Ostrale

Nur ein Provisorium: Die alte "f6"-Zigarettenfabrik

Schon jetzt ist klar: Der neue Ausstellungsort ist nur ein Provisorium. Ein privates Immobilien-Unternehmen  hat das Objekt kurzfristig zur Verfügung gestellt, bevor hier Eigentumswohnungen entstehen werden.

Es handelt sich dabei um einen typischen Industriebau aus den 20er-Jahren in Dresden Striesen, gleich neben dem Ernemann-Bau der Technischen Sammlungen, wo einmal die berühmten "Praktika"-Kameras gebaut wurden. Früher roch es hier nach Tabak, heute nicht mehr. Und auch von der Zigaretten-Produktion ist in dem Gebäude nichts geblieben. Aber es gibt da viel Platz – mehr als 4.000 Quadratmeter – und die Künstler haben sich hier schnell eingerichtet.

Was auf der Ostrale 2019 zu sehen ist

Ein Kunstwerk der Künstlerin Frenzy Höhne auf der Ostrale.
Ein Kunstwerk der Künstlerin Frenzy Höhne auf der Ostrale. Bildrechte: Peter Fischer

Am Eingang der Schandauer Straße betritt man das Gebäude mit dem Werk der Leipziger Künstlerin Frenzy Höhne, die schon sich schon mehrmals an der Ostrale beteiligt war. Aus zwei Lautsprechern am schmiedeeisernen Tor erklingt Sprechgesang. Die Künstlerin hat Werbetexte der Sparkasse vertont – herausgekommen ist eine Liturgie des Bankenwesens, aufgenommen in der Kirche von Wiepersdorf, wo sie im Künstlerhaus zu Gast war. Die Installation heißt "Sein und Haben".

Auch weitere Installationen von Frenzy Höhne sind zu sehen, etwa eine große Tafel, die mit edlem Geschirr für acht imaginäre Personen angerichtet wurde: Mit Porzellantellern, Tassen, Milchkännchen, Zuckerdosen uns Kerzenständern auf schwarzem Tuch. Auf alles hat sie vermeintlich geflügelte Worte mit Gold gedruckt, Sprüche wie "Ich gebe, damit du gibst" oder "Herr ist ist gut Sein" auf einem Schnapsglas. Alles Sprüche, die die Welt erklären wollen.

Daneben sieht man ein großes Bild mit nackten Männern auf einem Karussell, die sich im Kreis drehen. Nur einer schafft es, auszusteigen. Das Bild stammt von Anastasia Obaregbe aus Berlin. Sie hat einen ganzen Zyklus mit Männerakten gemalt. Sie setzt sich mit Rollenmustern auseinander.

Motto der Ostrale 2019: "Ismus"

Die Ostrale hat sich von Anfang an als Forum junger, gesellschaftskritischer Kunst verstanden, immer bemüht, über den nationalen Tellerrand zu blicken. Umwelt, Flüchtlinge, Krieg. Das sind nur einige der angerissenen Themen. Gemalte Systemkritik, könnte man sagen.

Andrea Hilger
Andrea Hilger, Ostrale-Chefin Bildrechte: OSTRALE

Die Dramatik, wie sich die Welt gerade entwickelt und wie wir unseren eigenen Planeten gegen die Wand fahren – Gott sei dank entstehen gerade Bewegungen in eine andere Richtung, aber die sind noch klein und die Politik ist nicht stark genug, das gesetzmäßig so zu formulieren, dass wir stoppen müssen – und da kann es nur die Kunst schaffen.

Andrea Hilger, Ostrale-Chefin

In diesem Jahr beschäftigt sie sich mit Themen wie Nationalismus, Populismus und Sozialismus am Beispiel Fahnen schwingerde junger Frauen in Nordkorea in Dauerschleife. Oder mit dem Kapitalismus als Umweltproblem. "Vermüllismus" heißt ein Objekt von Werner Bitzigeio im Hofbereich, das die Welt aus einem Block verschweißter Bewehrungstähle zeigt. Und wer in diesen Tagen einen großen, roten Mann mit rotem Fahrrad und einem roten Würfel durch Dresden fahren sieht – das ist Daniel Chluba mit seinem Slogan: "Die Kiste ist die Mutter des Kapitalismus".

Ein Werk des Künstlers Heinz Schmöller auf der Ostrale, das vier Bilder von Angela Merkel zeigt.
Ein Werk des Künstlers Heinz Schmöller auf der Ostrale 2019, das vier Bilder von Angela Merkel zeigt. Bildrechte: Peter Fischer

So international ist das Kunstfestival in diesem Jahr

Es sind wieder Künstler aus der ganzen Welt dabei, so zum Beispiel Yik Chow aus Honkong, Syowia Kyambi aus Kenia oder Yuval Avital aus Israel. Schwerpunkt ist das deutsch-afrikanische Projekt "Womanism", u.a. mit  Werken aus Kenia und Uganda. Patrick Fenech aus Malta zeigt Porträts afrikanischer Flüchtlinge auf seiner Insel, die Bilder von vom Aussterben bedrohter Insekten halten.

Ein Besuch reicht gar nicht aus, um sich auf die vielen interessanten und auch qualitativ respektablem Kunstwerke einzulassen. Oder sie zu entdecken. Obwohl man merkt, dass die Tabakfabrik als Ausstellungsort ein Provisorium ist, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.

Informationen zur Ostrale: bis zum 1. September 2019 in der ehemaligen "f6"-Zigarettenfabrik

Adresse:
Eingang Schandauer Straße 68, Haltestelle: Gottleubaer Straße (Straßenbahn 4)

Öffnungszeiten:
Mi bis Fr: 10:00 bis 19:00 Uhr
Sa/So: 11:00 bis 20:00 Uhr

Zur Hauptausstellung Schandauer Straße kommen noch fünf  kleinere Standorte, etwa in der Alten Feuerwache Loschwitz oder in der Stasigedenkstätte Bautzener Straße.

Mehr Ausstellungen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Juli 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 18:08 Uhr

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