Parkanlage, Küchengarten und Orangerie in Gera.
Wieder prächtig und offen für Besucher: Parkanlage, Küchengarten und Orangerie in Gera Bildrechte: imago stock&people

Wiedereröffnung Otto Dix hat in Gera wieder ein Zuhause

Aus der Dix-Stadt Gera kamen in den letzten Jahren keine guten Nachrichten, was die dortigen Kunstmuseen betrifft: Das Hochwasser 2013 hatte große Schäden hinterlassen. Das Otto-Dix-Haus und die Orangerie mussten schließen. Das Otto-Dix-Jahr 2016 konnte die Stadt nur im Interim, dem Stadtmuseum, begehen – da hatte Dix seinen 125. Geburtstag. Doch nun feiert die Orangerie Wiedereröffnung, mit Festakt und Minister. Ulrike Thielmann hat das frisch sanierte Haus schon mal besucht.

Parkanlage, Küchengarten und Orangerie in Gera.
Wieder prächtig und offen für Besucher: Parkanlage, Küchengarten und Orangerie in Gera Bildrechte: imago stock&people

Die Orangerie in Gera, in der Heinrich XXV. als erster Graf Reuß zu Gera zwischen Pomeranzen wandelte, ganz wie Ludwig XIV. oder August der Starke, hat eine bewegte Geschichte. Das Gebäude, eine zweiflügelige Anlage im Rokoko-Stil, fungierte u. a. als Lazarett, bevor sie ab 1972 die städtische Kunstsammlung beherbergte. Das Hochwasser von 2013 beschädigte das barocke Kleinod schließlich nachhaltig: Krebserregende Dämpfe traten aus den Fugen des aufgequollenen Parketts aus. Ursache war eine über einen Meter dicke Verfüllung des Kellergeschosses mit Teer aus den 50er-Jahren. So machte man das damals!

Eine "Weiße Wanne" für das Museum

Das Gebäude wurde im September 2014 geschlossen, und blieb es vier Jahre lang. Gera ist eine klamme Stadt, die Schulden im hohen zweistelligen Millionenbereich abbauen muss. Die Gelder für die Sanierung der Orangerie, auch von Bund und Land, ließen lange auf sich warten! Nun verfügte das Haus über normgerechte Fußböden und Unterkellerung, im Nordflügel gar über eine Klimaanlage und im ganzen Haus über eine so genannte "Weiße Wanne", die vor Hochwasser schützt, erklärt Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera.

Man nennt das im Baulichen 'Weiße Wanne', die das also wirklich abdichtet, so dass man davon ausgeht, dass Feuchtigkeit ausgesperrt wird. Wenn der nächste Starkregen oder das nächste Hochwasser kommt, da gucken wir hier aus dem Fenster zu.

Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera

Vier Ausstellungen hat Gera im Gepäck

Zwei Frauen betrachten in der Orangerie von Gera das Gemälde -Selbstbildnis mit Jan- (M) von Otto Dix
Otto Dix-Ausstellung in der Orangerie Gera Bildrechte: dpa

Das bleibt von Herzen zu wünschen! Mit ihren - man höre Vier! - neuen Ausstellungen um die Eröffnung der Orangerie, hat die städtische Kunstsammlung all ihre Personalkräfte, im Umfang von zwei festangestellten Mitarbeitern, bis zum Äußersten mobilisiert. Neben Holger Saupe arbeitet Astrid Lindinger in der Kunstsammlung Gera. Sie hat im Südflügel eine verdienstvolle Sonderschau um die Geraer Malerfamilie Reinhold kuratiert, aus der auch der Landschaftsmaler Heinrich Reinhold stammt, ein so genannter "Deutsch-Römer", dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 230. Male jährt! So wird die Kunsthalle Hamburg dieses Jahr Heinrich Reinhold noch ausführlich würdigen, so dass aber Reinhold, der Maler, von Goethe geschätzt, zu seinem Jubiläum in Thüringen nur in Gera zu sehen ist! Astrid Lindinger wählte aus den 41 graphischen Blättern des Bestands aus:

Er ist einfach derjenige, der eine neue Landschaftssicht vorangetrieben hat. Von Rom aus hat er sich diese italienische Landschaft erobert. Besonders seine Berufskollegen sahen in ihm einen großen Entwickler.

Astrid Lindinger, Kuratorin

Otto Dix-Ausstellung ohne den "Renaissance-Kram"

Das Barockbauwerk der Orangerie und Kunstsammlung Gera spiegelt sich in Gera (Thüringen) in einem Wasserbecken
Nach dem Hochwasser von 2013 war die Orangerie in Gera für Jahre geschlossen Bildrechte: dpa

Was wäre schließlich die Wiedereröffnung eines Geraer Museums ohne Otto Dix! In den Nord-Flügel der Orangerie ist als ständige Ausstellung das Spätwerk des Künstlers eingezogen, temperiert von einer modernen Klimaanlage, die die Dix-Stiftung in Vaduz für ihre Dauer-Leihgaben gefordert hat. Nach 1945 warf Dix den "Renaissance-Kram", zu dem ihn die Nazis gezwungen hatten - Landschaften, christliche Allegorien, altmeisterliche Lasurtechniken - "über Bord". Er malte wieder expressiver und erneuerte sich noch einmal, betont Holger Saupe.

Wir wollen also nicht nur herausnehmen, da wo er stilistisch hervorragend ist. Das kann man in großen Kunstsammlungen sehen, wo es um bestimmte Stil-Entwicklungen geht. Wir als Heimatstadt wollen eigentlich den Dix von Anfang bis zum Ende zeigen und deswegen ist das Spätwerk hier noch mal eine ganz neue visuelle Form.

Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. August 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2018, 08:42 Uhr