Trauer Star beim Deutschen Theater: Schauspieler Otto Mellies gestorben

Der Schauspieler Otto Mellies, aufgenommen bei der MDR-Talkshow "Riverboat" am 13. April 2018 in Leipzig.
Otto Mellies bei der MDR-Talkshow "Riverboat" im Jahr 2018. Bildrechte: dpa

Der Schauspieler Otto Mellies ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 89 Jahren. Das teilte die Künstleragentur Merten und Tatsch unter Berufung auf seine Familie am Montag mit. Mellies war langjähriges Ensemblemitglied im Deutschen Theater in Berlin. MDR KULTUR-Filmexperte Knut Elstermann würdigte die Bescheidenheit von Mellies, sein Zurücktreten hinter die Rolle sowie die Genauigkeit in seinem Spiel.

Das war kein Job für ihn. Das war wirklich eine große Lebensaufgabe, als Menschengestalter uns nah zu sein.

Filmexperte Knut Elstermann über Otto Mellies

Bühnengeschichte mit "Nathan der Weise"

Von 1956 bis 2006 war Mellies eine der zentralen Persönlichkeiten des Deutschen Theaters. In mehr als 300 Aufführungen spielte er den Nathan in Lessings "Nathan der Weise" und schrieb damit Bühnengeschichte.

Bis zuletzt vor der Kamera

Otto Mellies
Bis ins hohe Alter war Otto Mellies als Schauspieler aktiv. Bildrechte: dpa

Bis zuletzt stand Mellies vor der Kamera und war etwa 2019 im Berliner "Tatort" zu sehen. Für seine Rolle in Andreas Dresens Film "Halt auf freier Strecke" wurde der Schauspieler 2012 mit dem Deutschen Filmpreis als Bester männlicher Darsteller in einer Nebenrolle geehrt. Als Synchronsprecher lieh Mellies unter anderem Paul Newman und Christopher Lee seine Stimme. Außerdem wirkte er in zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen mit.

Ich habe Glück gehabt, ein Riesenglück.

Otto Mellies über sein Leben

Über sein Leben sagte er anlässlich seines 80. Geburtstages, er habe Glück gehabt: "Es hätte doch ganz anders kommen können, damals nach dem Krieg, ich hätte sonst wo landen können." 1931 in einer Kleinstadt in Pommern geboren, gelangte er in der Nachkriegszeit nach Schwerin.

Berliner Theater als "Insel der Seligen"

Benno Hempel, Fahrlehrer (Otto Mellies, li.), Herr Steinköhler (Jörg Gudzuhn).
Otto Mellies (links) in dem DEFA-Film "Fahrschule" von 1986. Bildrechte: MDR/Progress

Mellies ging zum Theater und kam nach verschiedenen Bühnenverpflichtungen 1956 an das Deutsche Theater in Berlin. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Ensemble 2008 sollte er hier unzählige Rollen spielen. Inmitten der DDR-Kulturszene nannte Mellies das Theater "eine Insel der Seligen".

Ab dem Ende der 50er-Jahre wurde Mellies immer häufiger für Film- und Fernsehenproduktionen engagiert. Im Kino debütierte er 1955 mit einer kleinen Rolle in dem Unterhaltungsfilm "Sommerliebe". Im Kino war er zum ersten Mal 1959 als Ferdinand in der DEFA-Verfilmung von Schillers "Kabale und Liebe" zu sehen."

Die Bühne war die Basis für ihn.

Filmexperte Knut Elstermann

"Dr. Schlüter" machte ihn berühmt

Eine TV-Hauptrolle machte Mellies "bekannt wie ein bunter Hund", wie er später in seiner Autobiografie "An einem schönen Sommermorgen" schrieb. In dem TV-Fünfteiler "Dr. Schlüter" spielte er einen Chemiker, der sich gegen eine Karriere unter den Nazis entscheidet.

Mellies spielte in zahlreichen Fernsehsendungen mit, wie etwa "Polizeiruf 110" oder "Der Staatsanwalt hat das Wort". Anders als andere Schauspielerinnen und Schauspieler, die nach der Wende nicht anknüpfen konnten, war Mellies auch im wiedervereinten Deutschland viel gefragt. Filmexperte Knut Elstermann gibt seiner Hochachtung Ausdruck: "Das Wort 'Star' ist abgegriffen, aber hier stimmt es wirklich mal. Jemand, der über so einen langen Zeitraum kontinuierlich nur das Beste liefert, ist ein ganz großer Star."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. April 2020 | 16:40 Uhr

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