Ausstellung im Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden
Blick in die Ausstellung "Otto Mueller - Wege zur Moderne" Bildrechte: dpa

Neueröffnung Otto-Mueller-Museum in Schmalkalden soll Besuchermagnet werden

Otto Mueller zählte zur expressionistischen Künstlervereinigung "Brücke". Jedoch blieb ihm der Ruhm seiner Kollegen weitgehend versagt. In Schmalkalden hat Mueller nun ein Museum erhalten - und das, obwohl er dort gar nicht wirkte. Wie es dazu kam ist die Geschichte eines erstaunlichen Engagements für die Kunst und für den Ort.

von Jörg Sobiella, MDR KULTUR-Redakteur

Ausstellung im Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden
Blick in die Ausstellung "Otto Mueller - Wege zur Moderne" Bildrechte: dpa

Schmalkalden besucht man bislang, um das Renaissanceschloss Wilhelmsburg zu besichtigen oder auf den Spuren Luthers durch die liebenswerte Klein- und Fachwerkstadt zu flanieren. Als Ort für moderne Kunst war die südthüringische Stadt bisher nicht bekannt. Das ändert sich nun, denn am Altmarkt eröffnet das Otto-Mueller-Museum der Moderne.

Idylliker unter den Expressionisten

Otto Mueller - Selbstbildnis
Otto Mueller - Selbstbildnis Bildrechte: imago/Artokoloro

Der Maler Otto Mueller ist bekannt als Mitglied der expressionistischen Künstlervereinigung "Brücke". Aber anders als Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rotluff oder Max Pechstein konzentrierte sich der 1874 im schlesischen Liebau geborene Künstler in seinen Gemälden auf harmonische Motive. Unter den Expressionisten ist Mueller der Idylliker. Dass sein Werk heutzutage nicht so bekannt ist wie das seiner Brücke-Kollegen mag damit zusammenhängen, aber auch mit seinem frühem Tod 1930 und seiner Verfemung als "entarteter Künstler" durch die Nationalsozialisten, die so gut wie alle Gemälde, Grafiken und Zeichnungen von ihm aus öffentlichen Sammlungen in Deutschland entfernten.

Glücksfall für Schmalkalden

Was aber verbindet den Maler mit Schmalkalden? Die Antwort lautet schlicht: Nichts. Dass er nun inmitten in der 20.000-Einwohner-Stadt in einem alten Fachwerk ein eigenes Museum erhält, ist einem Glücksfall privaten und mäzenatischen Engagements zu verdanken, das durch die Stadtverwaltung wohlwollend gefördert wurde.

Ausstellung in Schmalkalden: "Otto Mueller - Wege zur Moderne"
Blick in die Ausstellung "Otto Mueller - Wege zur Moderne" Bildrechte: Kunstverein Schmalkalden "kunst heute" e. V.

Da wäre zu einem der Kunsthistoriker Hans-Dieter Mück zu nennen, der als Kurator und Ausstellungsmacher in Thüringen kein Unbekannter ist. Mück, inzwischen 71 Jahre alt, hat im Laufe seines Lebens eine umfangreiche Kunstsammlung zusammengetragen, mehr als 4.000 Werke. Und er war daran interessiert, die Ernte seiner Passion in eine sichere Scheuer einzubringen.

Mit der Leidenschaft des Sammlers und der Akribie des Wissenschaftlers hat er sich seit Jahrzehnten dem Werk von Otto Mueller gewidmet. Mück ist Vorsitzender der von ihm ins Leben gerufenen Otto-Mueller-Gesellschaft. Seine Kollektion, die er nun zu großen Teilen dem Museum überlässt, umfasst hauptsächlich Arbeiten auf Papier, von der Renaissance bis zur klassischen Moderne und auch Druckgrafiken und Zeichnungen von Otto Mueller.

Ein Gemeinschaftswerk

Die Mück'sche Sammlung ist als Kristallisationspunkt für den Bestand des Museums gedacht, an den sich weitere, zu Dauerleihgaben oder Schenkungen bereite Sammler anschließen mögen. Eröffnet wird das Museum am 11. Mai mit einer Schau über den Namenspatron, die auch Gemälde-Leihgaben anderer Mueller-Sammler präsentieren wird, und mit erotischen Sujets einen Schaffensschwerpunkt des Künstlers vorstellt. Künftig ist daran gedacht zwei bis drei Ausstellungen jährlich zu unterschiedlichen Künstlern und Themen zu organisieren.

Neben Hans-Dieter Mück ist auch der in Schmalkalden lebende Maler Harald Rainer Gratz wichtig für die Museumsgründung. Gratz stellte die von ihm im Haus am Altmarkt betriebene Galerie als Museumquartier zur Verfügung, nicht ohne das neue Domizil vorher auf eigene Rechnung baulich und sicherheitstechnisch ertüchtigen zu lassen. Der Maler will die Kunst sichtbar machen. Gratz hofft für den Anfang auf 5.000 bis 7.000 Besucher jährlich.

Es nutzt nichts, wenn man über Kunst permanent spricht. Man muss sie auch sehen können.

Harald Rainer Gratz, Stifter der Museums-Räumlichkeiten
Ausstellung in Schmalkalden: "Otto Mueller - Wege zur Moderne"
Werke von Otto Mueller, zu sehen in Schmalkalden Bildrechte: Kunstverein Schmalkalden "kunst heute" e. V.

Die Buchhandlung "Lesezeichen" wird ins Erdgeschoss einziehen und zugleich den Ticketverkauf übernehmen. Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski hatte sich für das Projekt eingesetzt, das auch durch eine städtische Anschubfinanzierung ermöglicht wurde und die touristische Attraktivität der Stadt erhöhen soll.

Am Laufen gehalten wird das Museum durch ehrenamtlich tätige Mitgliedern des Vereins "Kunst heute", die zum Beispiel die Aufsicht während der Öffnungszeiten übernehmen. So profitieren alle vom neuen Museum: die Besucher der Stadt und die Schmalkaldener. Nach den Worten von Harald Rainer Gratz soll das Haus eine "kulturelle Plattform für die Region Südthüringen" schaffen. Und schließlich bekommt Otto Mueller, der Stille unter den Expressionisten, ein Zuhause.

Otto-Mueller-Museum der Moderne Eröffnung am 11. Mai 2019

98574 Schmalkalden
Altmarkt 8

Öffnungszeiten:
Mi-Sa 10-18 Uhr So 14-18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Mai 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2019, 04:00 Uhr

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