Ein älteres Paar liegt vertraut nebeneinander draußen auf einer Decke.
Männer suchen eher nach Sexpartnerinnen, Frauen nach Begleitern für Unternehmungen. Bildrechte: Imago/Westend61

Interview Dating ab 50: Über die unterschiedlichen Erwartungen von Männern und Frauen

Mittlerweile ist es ganz normal, sich über Partnerschaftsportale wie Tinder zu verabreden. Aber wie ist das mit älteren Menschen? Darüber sprechen wir mit Dorothee Döring. Sie ist Kommunikationsberaterin und Autorin des Buches "Warum allein bleiben? Erfolgreiche Partnersuche im Alter".

Ein älteres Paar liegt vertraut nebeneinander draußen auf einer Decke.
Männer suchen eher nach Sexpartnerinnen, Frauen nach Begleitern für Unternehmungen. Bildrechte: Imago/Westend61

MDR KULTUR: Frau Döring, wo fängt eigentlich das Ältersein an bei der Partnerschaftssuche?

Dorothee Döring: Nach meinen Erfahrungen bzw. den Rückmeldungen, die ich bekomme, scheint schon die Altersschwelle 50 problematisch zu sein. Und deswegen wird im Internet ja so viel geschummelt. Man hat in der Regel schon eine oder mehrere Partnerschaften hinter sich. Man hat vielleicht auch Familienanhang, Kinder. Das ist dann eben nicht mehr so ganz einfach. Die Möglichkeiten nehmen ab und die Ansprüche nehmen zu. Das macht die Sache nicht einfacher.

Das Interessante ist, dass ältere Männer vor allem jüngere Frauen suchen. Hat das auch was damit zu tun, dass man sich jung fühlen möchte?

Ja. Das hat aber auch damit zu tun, dass Männer vordergründig nach einer Sexualpartnerin suchen. Bei Frauen ist es so, wenn die Hormone abnehmen, nimmt auch die Libido ab. Bei Männern ist das glaube ich etwas anders. Und deswegen ist es so, dass Frauen mit 50 schon als etwas älter wahrgenommen werden. Die Motivation, warum man wieder auf der Suche ist, das ist schon bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich. Eine Frau möchte einen Partner haben, mit dem sie vielleicht mal ins Konzert oder ins Kino geht, auch mal ein Wochenende verbringt oder einen Urlaub macht. Frauen, die selbst schon eine Familienzeit hinter sich haben, die wollen in der Regel nicht das, was sie hatten in Neuauflage. Deswegen wird auch das Modell "Living Apart Together" von den Frauen favorisiert. Das heißt, jeder bleibt in seinem Umfeld und man verabredet sich für gelegentliche Sachen. Aber jeder hat seine Wohnung oder sein Haus und seinen Bekanntenkreis, das bleibt alles. Und man sucht sich praktisch nur noch die Rosinen. Männer möchten in der Regel eigentlich wieder eine Partnerin haben, mit der sie täglich leben.

Aber wie kann das denn dann zusammengehen? Frauen und Männer können sich in ihrer Altersgruppe also kaum finden?

In der Altersgruppe finden Sie das nicht. Die Frauen sind vielleicht jünger als sie von den Männern wahrgenommen werden, sie sind dynamischer, unternehmenslustiger, sie haben im Grunde auch sehr viel mehr Netzwerke als Männer, die Männer sind deswegen auf der Suche, weil sie weniger über Freunde und Netzwerke verfügen.

Was meinen Sie, wo sucht man am besten?

Wenn man mit 50, 52, 53 merkt, man wird im Internet weggeklickt, dann merkt man ja, dass das nicht das richtige Medium ist. Dann sollte man vielleicht dahin gehen, wo auch andere, die auch allein sind und auf der Suche sind, hingehen. Dann geht man über Hobbys, über gemeinsame Interessen, über Wandervereine, Sportvereine, was es da so alles gibt. Und da fragt kein Mensch nach dem Alter, sondern entweder ist einem jemand sympathisch und dann kann sich mehr daraus ergeben oder wenn man merkt, das ist es nicht, dann vergibt man sich auch nichts, man geht ja dahin wegen des Interesses.

Sie arbeiten auch als Konfliktberaterin. Welche Konflikte gibt es bei älteren Menschen am häufigsten?

Es gibt große Anpassungsprobleme. Allein schon die Art und Weise wie man mit Freunden umgeht, die Art und Weise wie man sich wünscht, einen Urlaub zu verbringen. Dann liebt vielleicht der eine Klassik, der andere liebt Pop. Dann die Frage, wie werden Feste gefeiert, gehört der Partner, der für mein Gefühl wichtig ist, auch noch dazu, wenn ich eine Familienfeier mache oder nicht. Das hängt stark von den gegenseitigen Erwartungen ab. Da sollte man von vornherein sehr klar sein mit sich selbst, aber auch dem Partner gegenüber. Der Partner muss wissen, worauf er sich einlässt. Wenn er was anderes sucht, dann sollte er sich neu orientieren können.

Was können Sie jemandem mitgeben, der auf der Suche ist?

Keine Checkliste anfertigen, sondern einfach nur gucken: Ich bin auf der Suche nach einem netten Menschen. Und ich gehe mehr über das Fühlen als über den Kopf.

Meinen Sie, dass die Partnerschaft im Alter auch glücklicher sein kann – eben  weil man klarer sein muss?

Glücklicher kann man nur sein, wenn man nicht vergleicht. Man muss jeden Menschen als Unikat betrachten. […] Gerade bei Verstorbenen ist es ja oft so, bei Verwitweten, dass die dann immer vergleichen und nach Übereinstimmungen suchen. Die gibt es aber nicht, weil jeder Mensch ganz anders ist. Man muss offen bleiben – flexibel und offen. Das sind, glaube ich, die Geheimnisse. Ich hatte in einem Seminar auch mal eine reifere Frau und die suchte einen Partner fürs Leben und am Ende des Seminars fragte ich dann nach dem Erkenntnisgewinn, was sie denn nun mitnimmt. Da hat sie spontan geantwortet: Ich habe gelernt, dass ich auf der Suche nach karierten Maiglöckchen bin. Die gibt es ja nicht! Zumindest war das ihr Erkenntnisgewinn, dass sie etwas sucht, was es so gar nicht gibt. Besser kann man das gar nicht ausdrücken.

Das Interview führte Michaela Khamis für MDR KULTUR.

Mehr Informationen: "Warum allein bleiben? Erfolgreiche Partnersuche im Alter" von Dorothee Döring
erschienen im Kaufmann Verlag (2006)
Gebunden, 189 Seiten
ISBN: 3780630060

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Spezial: Gemeinsam statt einsam: Glücklich alt werden | 08. Oktober 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 04:00 Uhr

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