Maler, Musiker und Bauhaus-Meister Vor 100 Jahren: Paul Klee wird ans Bauhaus Weimar berufen

Gropius, Kandinsky, Feininger – das Bauhaus, zuerst in Weimar, später in Dessau, vereinte einen Teil der Kreativ-Avantgarde Deutschlands. Dazu zählte auch Maler und Grafiker Paul Klee. Vor 100 Jahren wurde Klee ans Bauhaus in Weimar berufen. Zehn Jahre blieb er dort – eine prägende Zeit für ihn und das Bauhaus.

Paul Klee, 1930
Bis 1931 lehrte Paul Klee am Bauhaus. Bildrechte: imago images/United Archives International

Im Herbst 1920 wird Paul Klee von Walter Gropius ans Bauhaus berufen. Am Bauhaus, zunächst in Weimar, später in Dessau, wagt man nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs einen radikalen ästhetischen Neuanfang: Kunst, Handwerk und Architektur sollen zusammengeführt werden, bildende, angewandte und darstellende Kunst. Klee hatte sich in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg in die künstlerische Avantgarde gemalt. In München freundet er sich mit Wassily Kandinsky an, nimmt an Ausstellungen des "Blauen Reiter" und der "Neuen Sezession" teil. Für Furore sorgt 1914 seine Tunesien-Reise gemeinsam mit August Macke und Louis Moilliet. Nun also der Ruf ans Bauhaus.

Doch der Start in Weimar ist für Klee und seine Künstlerkollegen nicht einfach, wie Sohn Felix Klee erzählt: "Die Inflation hat sich langsam breit gemacht, die steigerte sich ja bis zum Jahr 1923. Das war ja ein Wahnsinn, was sich da wirtschaftlich auch abgespielt hat. Trotzdem hat das Bauhaus eben eine unglaubliche Vitalität gehabt. Wir waren aber sehr allein, denn das Volk trug uns nicht. 'Uns trägt kein Volk' ist eine Aussage meines Vaters und uns trug wirklich kein Volk."

Klee: Kunst braucht Intuition

Von 1921 an gibt Klee Kurse in Form- bzw. Gestaltungslehre, unterrichtet im Zeichnen, Aktzeichnen und freiem Malen. Er wird Leiter verschiedener Werkstätten. Einer der ersten Bauhaus-Schüler, der Schweizer Max Bill, erinnert sich an den Lehrer Klee. "Klee hat seinen Unterricht so ernstgenommen, dass er nicht 'kleine Klees' schaffen wollte – wie das ja meistens an Akademien ist – sondern eine Allgemeinbildung auf einem bestimmten Gebiet bieten wollte."

Klee unterrichtet nach eigener Aussage nicht angehende Künstler, sondern "Bildner, werktätige Praktiker". Er ist wie Bauhaus-Gründer Walter Gropius überzeugt, dass Kunst an sich nicht lehrbar sei. Sie könne nur durch Intuition entstehen. 1928 schreibt Klee über "exakte Versuche im Bereich der Kunst": "Wir konstruieren und konstruieren und doch ist Intuition immer noch eine gute Sache. Man kann ohne sie Beträchtliches, aber nicht alles."

Paul Klee, der musikalische Meister

Klee wird als "schweigsamster aller Meister" am Bauhaus beschrieben, als pünktlich und genau, als "Mann mit dem leisen Schritt", karikiert auch als "Bauhaus-Buddha". Er ist zugleich Musiker, ein sehr guter Geiger. Auch in seiner Lehre am Bauhaus spielten Rhythmus und Klang eine wichtige Rolle, meint Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath. "Ich denke, dass dieses musikalische, filmische Denken, die Veränderung der Form, einer der wesentlichsten Schlüssel ist für seine pädagogische Arbeit." Aber auch die eigenen Arbeiten Klees könne man lesen wie Partituren, Ton-, Licht-, Klanggebilde.

Neben seiner Lehrtätigkeit schafft Klee auch in der Bauhaus-Zeit eigene Werke. Er stellt in New York und Paris aus, gründet mit Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger die Gruppe "Die Blauen Vier". Doch gegen Ende der 20er-Jahre zehren die Verpflichtungen am Bauhaus, die pädagogische Verantwortung dort, zu sehr am Künstler. 1931 folgt Klee einem Ruf an die traditionsreiche Kunstakademie Düsseldorf. Die zehn Jahre in Weimar und Dessau waren jedoch für seine Vita prägend. Und umgekehrt ist das Bauhaus ohne das Wirken Paul Klees nur schwer denkbar.

Mehr zum Bauhaus

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2020 | 06:40 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei