Ex-Beatle Paul McCartney bedankte sich nach dem Abpfiff der Partie England - Tunesien in Wolwograd auf Instagram für den 2:1-Sieg der Three Lions.
Paul McCartney ist mittlerweile 76 Jahre alt - und seine Musik beeindruckt noch immer. Bildrechte: dpa

Neues Album "Egypt Station": Paul McCartney entdeckt sich selbst

Paul McCartney legt sein 17. Studio-Soloalbum vor. Bei anderen Musikern zuckt man da eher dezent mit der Augenbraue. Doch anders bei dem Ex-Beatle. Unser Kritiker Jan Kubon findet "Egypt Station" großartig, denn selbst die schwachen Songs sind besser als vieles, was andere Musiker produzieren.

von Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

Ex-Beatle Paul McCartney bedankte sich nach dem Abpfiff der Partie England - Tunesien in Wolwograd auf Instagram für den 2:1-Sieg der Three Lions.
Paul McCartney ist mittlerweile 76 Jahre alt - und seine Musik beeindruckt noch immer. Bildrechte: dpa

Paul McCartneys "Egypt Station" ist befreit von dieser Art Paul-McCartney-Schutzhülle, er hat in den letzten Jahren oft in seiner Komfortzone komponiert und gesungen. Musikalisch waren das alles schöne Alben, "New" war sogar ein bisschen, sagen wir mal, moderner produziert. Im Kern war es aber doch ein ganz klassisches Album von ihm. "Chaos and Creation in the Backyard" war hingegen ziemlich düster, in der Instrumentierung sehr naturnah und episch. Aber irgendwie fehlt da die Experimentierfreude, die ich an McCartney gerade in seiner Beatles-Zeit immer so geschätzt habe. Und die ist auf " Egypt Station" zurück!

Cover: Paul McCartney ,Egypt Station,cd, album
Bildrechte: Capitol

MDR KULTUR - Das Radio Mo 10.09.2018 07:40Uhr 07:51 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Lust am Ausprobieren wiederentdeckt

Cover: Paul McCartney ,Egypt Station,cd, album
Paul McCartneys Album "Egypt Station" ist beim Label Capitol erschienen. Bildrechte: Capitol

Für diese Experimentierlust gibt es einen direkten Auslöser: In dem einzigen großen Interview zur neuen Platte, das McCartney dem britischen Musikmagazin "Uncut" gegeben hat, erzählt er, wie er die Doku "Sgt. Peppers Musical Revolution" von Howard Goodal gesehen hat. Und nachdem der Musikwissenschaftler und Komponist auseinandergesetzt hat, dass das Penny-Lane-Piano eigentlich vier unterschiedliche Pianos waren, erinnerte sich McCartney wieder an den kreativen Spirit der Sessions, damals vor 50 Jahren. Davon angestachelt rief er seinen Produzenten an und sagte zu ihm: "Ich weiß jetzt, wie es werden muss!" Und dann haben sie mit "Egypt Station" losgelegt.

Und so wurde munter drauflos experimentiert. Und diese Lust am Neuen hat einen doppelten Swing: Zum einen klingen die Songs irre frisch. Aber sie klingen vor allem wie echte McCartneys, wie auf "Band On The Run", "RAM" oder "Tug Of War", die alle ganz große Alben im McCartney-Kanon waren.

Ungewohnte Selbstbeschau

Auch aus einem anderen Grund ist "Egypt Station" neu für den Ex-Beatle. Fast jedes Album in der Vergangenheit hatte ein Thema bei McCartney, aber sich selbst zum Thema zu nehmen, auch das Altern mal zu beleuchten, das ist schon eher neu. Und wenn sich dann die Single "I Don't Know" auch ganz explizit mit der Frage von Verantwortungen und Familie beschäftigt, dann ist das schon erstaunlich.

Geniales Songwriting

Musikalisch ist es ein McCartney-Album, und das ist großartig. Selbst die schwachen Songs sind besser als vieles, was andere Musiker produzieren. Er ist nicht umsonst einer der bedeutendsten und kunstfertigsten Songwriter, denn seine Harmonieprogressionen sind legendär und so komplex, leicht und unerwartet - das ist genial. Das hat er bei den Beatles gekonnt, und das kann er noch immer, gerade bei Songs wie "I Don't Know" oder "Happy with you". McCartneys Harmonien und seine Gesangslinien bleiben für immer. Vielleicht nicht alle, ganz sicher nicht alle von diesem Album, aber einige ganz gewiss. Und an die wird man sich auch noch in hundert Jahren erinnern.

'Egypt Station' wird niemals die großen frühen Werke überstrahlen, schon gar nicht die der Beatles, aber es ist ein unfassbar gewissenhaft und elegant gearbeitetes Stück Populärmusik, dass es eine wirkliche Freude ist, es sich immer und immer wieder anzuhören.

Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. September 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 04:00 Uhr

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