Paul Millns
Paul Millns, geboren 1945 im britischen Norfolk, hat in Deutschland eine treue Fangemeinde. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Albumtipp: "A Little Thunder" Paul Millns' musikalische Lebensbilanz

Der 73-jährige britische Blues-Pianist Paul Millns macht sich auf seinem neuen Album, "A Little Thunder", Gedanken über sein Leben und die ihm noch verbleibende Zeit. Unsere Musikritikerin ist angetan von den eindrucksvollen Bildern und Metaphern in seinen Songs voller Emotionen und Zuversicht.

von Heidi Eichenberg, MDR KULTUR-Musikredakteurin

Paul Millns
Paul Millns, geboren 1945 im britischen Norfolk, hat in Deutschland eine treue Fangemeinde. Bildrechte: imago/STAR-MEDIA

Der britische Soulpoet Paul Millns hat eine große Fangemeinde in Deutschland, die auch ohne Werbung und Anzeigen weiß, wo seine Konzerte stattfinden. Und wer einmal dabei war, kann sich der starken Sogwirkung seiner Musik kaum entziehen. Vorzugsweise in Stadtkirchen oder Burgkapellen und überwiegend vom Klavier aus teilt Millns seine Gedanken und Erfahrungen mit der ergriffenen Gemeinde seines Publikums.

Nicht als Bekehrer, Besserwisser oder Trendsetter, sondern als ein Überlebender, der durch Stürme und Schlamm navigiert ist, mit Mut und Verzweiflung im Gepäck. Die Freuden des Lebens und der Liebe inklusive.

Mit einem Knall vom Leben verabschieden

Seine Songs konzentrieren sich auf das Wesentliche, das Schöne und Lebendige, das im Alltag allzu oft überschattet wird von Erfolg, Gewinn und Effekt. Verabschieden will sich Paul Millns vom Leben irgendwann nicht mit einem Wimmern, sondern mit einem Knall. So auch der Titel seines aktuellen Studioalbums: "A Little Thunder", es ist eines seiner typisch klaren Statements.

In den Songs darauf geht es um die Liebe und das Leben, der Tod und etwas Alkohol kommen auch drin vor, so Millns. Geschrieben hat er die Musik am Klavier, und er besinnt sich dabei auf die "Zeit, als Popsongs noch gute Melodien hatten, wie in den Sechzigern". Wichtiger als intellektuelle Ideen ist Millns dabei die Emotionalität.

Es geht um den Tod und darum, wie man abtritt. Wenn man 73 ist, denkt man über all diese Dinge nach.

Paul Millns über sein Album "A Little Thunder"

Mit der Komplexität eines Randy Newman oder Joni Mitchell-Songs etwa kann Millns ebenso viel anfangen wie mit der einfachen Struktur eines Blues-Songs. Dass er beides selbst meisterhaft in seinen Songs vereint, ist sicherlich auch der Schule als Blues-Pianist in Bands von Alexis Korner, Eric Burdon und Bert Jansch zu verdanken, die Millns seit den späten 60er-Jahren prägt.

Sein Talent und Vermögen, als Songwriter die Zeichen der Zeit zu erspüren, hat der britische Vollblutmusiker über die Jahre nahezu perfektioniert. In eindrucksvollen Bildern und Metaphern setzt er die Welt vor den Augen seines Publikums immer wieder neu zusammen. Es mag dem Hörer wie ein Hauch von Endzeitstimmung entgegenwehen, wenn Millns auf seinem neuen Album dazu auffordert, nochmal auf die aufgehende Sonne anzustoßen und die Gläser mit Liebe zu füllen – während der Teufel uns schon auf dem Gepäckträger hat.

Erfahrungen als Waisenkind

Paul Millns, A Little Thunder, cd, cover
Paul Millns - "A Little Thunder"
Label: Acoustic Music Records
Bildrechte: Acoustic Music Records

Welcher Aspekt des Lebens zählt noch, wenn es ums blanke Überleben geht? Die Antwort findet sich in der Musik des britischen Songwriters, sein Blues ist nie ohne Humor und Zuversicht. Millns bemerkt dazu:

"Es gibt auf dem Album einen Song mit dem Titel 'My Father’s Son'. Ich habe noch nie etwas über mein sehr frühes Leben geschrieben. Aber wenn du älter wirst, kümmert es dich nicht mehr so sehr, was die Leute denken. Ich habe meine Mutter nie gekannt, meinen Vater auch nicht, ich war in einem Waisenhaus. Aber eigentlich ist es gar kein trauriger Song, weil ich von netten Adoptiveltern aufgenommen wurde und dort zehn glückliche Jahre hatte, mit Stiefschwestern, Stiefbrüdern und Stiefcousins. Mein Familienleben hat sich komplett verändert. Und in einer der Zeilen heißt es: 'Es kommt darauf an, wohin du gehst, und nicht woher du kommst. Und ja – daran glaube ich.'"

Neben tiefen persönlichen Einblicken in sein Leben und trotz düsterer Bestandsaufnahmen gibt es sie, die Momente, die Paul Millns wie kein anderer mit seiner Musik in goldenes Licht zu tauchen vermag. So heißt es in einem der schönsten und kraftvollsten Songs des Albums, "The Only Dance that Matters" etwa: "… wenn die Zeit nicht mehr der sorglose Freund unserer Liebe ist, wenn der Spiegel Risse bekommt und zu zerbrechen droht, dann werden wir weitermachen und uns wiegen zum einzigen Tanz, der zählt."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 14. Januar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 04:00 Uhr