Der Opern-Regisseur Peter Konwitschny
Peter Konwitschny erhielt mehrfach Auszeichnungen als Regisseur des Jahres sowie für seine Inszenierungen Bildrechte: dpa

Barock-Festival Regisseur Peter Konwitschny eröffnet Händel-Festspiele Halle

Peter Konwitschnys Inszenierung von "Julius Caesar in Ägypten" feiert am 31. Mai bei den Händel-Festspiele in Halle Premiere. Es ist das Eröffnungsstück. Im Vorfeld spricht der Regisseur über den Opernbetrieb und kritisiert die häufig nur oberflächliche Rezeption von Opernproduktionen bei weiten Teilen des Publikums.

Der Opern-Regisseur Peter Konwitschny
Peter Konwitschny erhielt mehrfach Auszeichnungen als Regisseur des Jahres sowie für seine Inszenierungen Bildrechte: dpa

Peter Konwitschnys Inszenierung von Georg Friedrich Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" feiert bei den Händelfestspielen in Halle Premiere. Die Aufführung eröffnet das Barockmusik-Festival am 31. Mai. Im Vorfeld zeigt sich der Opernregisseur als Fan des Publikums in Halle, er zieht es teilweise sogar dem in Millionenstädten vor. Im Gespräch bei MDR KULTUR sagte er: "Ich aber muss sagen, je bescheidener, desto mehr ist man am Mittelpunkt von irgendwas – zum Beispiel von der Ausstrahlung der Kunst. Je teurer das Ganze wird, sowohl Bilder wie auch die Zuschauer, desto sinnloser für die Gesellschaft ist das. Auch in der Oper."

In Konwitschnys Wahrnehmung sagen teure Opernkarten nichts über den Zugang des Publikums zur Oper aus. Ganz im Gegenteil. Er übt Kritik an einem Typus vom gehobenen Operngänger: "Die sitzen dann da, verstehen herzlich wenig", merkt er an. Viele würden sich nur oberflächlich auskennen und sich dennoch als Musikkenner und -liebhaber fühlen.

Das ist ein Opernbetrieb, den finde ich asozial. Immer gemessen daran, welchen Sinn, welchen Effekt ein Opernhaus oder ein Bild für die Gesellschaft hat. Da werden die Leute nicht klüger, sie werden eingebildeter.

Peter Konwitschny

"Die Kunst erzieht uns"

Peter Konwitschny, Chefregisseur der Oper Leipzig,
Peter Konwitschny ist einer der bekanntesten Opernregisseure Bildrechte: dpa

Von Bertolt Brecht habe er gelernt, dass Theater etwas in der Gesellschaft bewirken müsse. Darin sieht Konwitschny den Sinn von Kunst: "Die Kunst erzieht uns. Die macht uns reifer, die macht uns klüger, sie macht uns empfindungsfähiger und sie klärt natürlich auch auf. Denn so ein Stück wie 'Caesar' ist ja nicht aus der Luft gegriffen, das ist ja passiert."

Ebenfalls von Brecht habe er die Sichtweise übernommen, dass die Bühne zwar auch Belehrung liefern kann, aber auch Unterhaltung. Es ergebe sich so eine beidseitige Interaktion, denn auch das "Publikum hat rückwirkende Kraft auf den Prozess, der auf der Bühne stattfindet." Bei Film und Fernsehen könne so etwas nicht passieren, so Konwitschny.

Die Händel-Festspiele 2019 31. Mai - 16. Juni 2019 in Halle (Saale)

Motto
"Empfindsam – heroisch – erhaben. Frauenfiguren in der Musik zur Zeit Händels"

Interpretinnen:
Mary Bevan, Hana Blažíková, Julia Böhme, Giuseppina Bridelli, Silvia Frigato, Karina Gauvin, Vivica Genaux, Emmanuelle Haïm, Ann Hallenberg, Sophie Junker, Raffaella Milanesi, Sandrine Piau, Christina Pluhar, Anna Prohaska, Carolyn Sampson u.a.

Aufführungsorte sind u.a.:
Oper Halle, Händel-Haus, Goethe-Theater Bad Lauchstädt, Marktkirche zu Halle, Galgenbergschlucht, Franckesche Stiftungen, Opernhaus Magdeburg

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Opernmagazin | 25. Mai 2019 | 20:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2019, 04:00 Uhr

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