Porträt zum 75. Geburtstag Meisterpianist Peter Rösel: "Dresden ist für mich ein Kraftquell"

Der weltweit gefeierte Konzertpianist aus Dresden ist mit seinen Interpretationen russischer Komponisten, wie Tschaikowski, bekannt geworden. Doch auch mit Stücken von Beethoven und Mozart ist er seit einiger Zeit zu hören. Viele Jahre spielte er unter der Leitung von Kurt Masur als Solist des Leipziger Gewandhausorchesters. Aber auch wenn er in den Konzertsälen der Welt zu hören ist – Peter Rösel ist im Herzen vor allem ein Dresdner. Ein Porträt zum 75. Geburtstag.

Der Pianist Peter Rösel
Peter Rösel hat bisher in über 40 Ländern auf allen Kontinenten Konzerte gegeben. Bildrechte: dpa

Man kennt ihn für seinen Anschlag: Prägnant, virtuos und dennoch beseelt. Der Pianist Peter Rösel ist für seine enorme Technik bekannt, ja: weltbekannt. Was auf eine profunde Ausbildung, hohes Talent und jede Menge Fleiß zurückzuführen ist. Fünf Jahre studierte Rösel in Moskau. Der Repertoireschwerpunkt zwischen Tschaikowski und Prokofjew habe mehr Fleiß und kompromissloseres Üben verlangt, erklärt Rösel: "Also ich hab in diesen fünf Jahren sehr viel gelernt und verdanke eigentlich das, was ich bin oder vielleicht in den Augen von Zuhörern darstellt, eindeutig dieser Schule."

Der Repertoireschwerpunkt lag irgendwo zwischen Tschaikowski und Prokofjew. Diese zum Teil sehr virtuose Literatur bedingt natürlich auch ein kompromissloseres Üben.

Peter Rösel, Pianist

Von Tschaikowski zu Beethoven

Peter Rösel
In eine "Schublade" lässt sich Peter Rösel nicht stecken. Bildrechte: dpa

In die damalige "Schublade" lässt sich Peter Rösel schon lange nicht mehr stecken. Nach dreißig Jahren russischem Repertoire kommen neue Schwerpunkte: Anfang der 70er-Jahre spielt Rösel die Brahms'schen Klavierwerke ein. Und Rösel bleibt neugierig; in den letzten zehn Jahren spielt er eine Beethoven-Gesamtaufnahme mit Sonaten und Konzerte ein – ein musikalisches Mammutunterfangen. Dazu kommen Mozart’sche Klavierkonzerte; insgesamt sind es zwanzig CDs für den fernöstlichen Markt in den letzten zehn Jahren, die Rösel für ein japanisches Label eingespielt hat: "Da hat sich der Schwerpunkt meines Repertoires eindeutig verlagert in Richtung Beethoven, Mozart und Wiener Klassik überhaupt", erzählt Rösel. Und weiter: "Man erschließt sich eben schwerpunktmäßig im Laufe des Lebens verschiedene Bereiche."

Da hat sich der Schwerpunkt meines Repertoires eindeutig verlagert in Richtung Beethoven, Mozart und Wiener Klassik überhaupt.

Peter Rösel, Pianist

Weltenpianist aus Dresden

Im fernen Osten, insbesondere in Japan und China, ist Peter Rösel freilich nicht nur für den CD-Markt von großem Interesse, sondern wird regelmäßig auch als Interpret eingeladen und gefeiert. Seit 2007 ist er jedes Jahr dort. Die Welt hat der Pianist aber schon wesentlich früher bereist, schließlich war er 15 Jahre lang als fester Solist des Gewandhausorchesters unter Kurt Masur verpflichtet, Gastspielreisen inklusive.

Dass er seiner Geburtsstadt Dresden damals wie heute treu geblieben ist, hat vielleicht auch mit den besonderen Umständen am 13. Februar 1945 zu tun, wie Rösel erzählt: "Am 13. Februar ist meine Mutter mit mir aus der Klinik gekommen. Sie war damals schon 14 Tage verwitwet, aber das wusste sie noch nicht. Aufgrund der Tatsache, dass sie schwach war und sich nicht richtig wohlfühlte, ist sie in die Wohnung ihrer Eltern gegangen mit mir – und das war eben insofern ein Glück, als es ihre eigene Wohnung dann abends nicht mehr gab und die Klinik, in der ich zur Welt gekommen bin, auch nicht. Das ist purer Zufall, dass ich noch da bin."

Dresden ist meine Stadt. Ich freue mich eigentlich jeden Tag, dass ich hier wohne. Für mich ist das eine Art Kraftquell.

Peter Rösel, Pianist

Wo auch immer Peter Rösel gastierte, zog es ihn in sein Haus hoch über der Elbe zurück, wo zwei schwarze Flügel auf ihn warten, an denen er nach Möglichkeit jeden Tag seinen Anschlag trainiert. In den höchsten Tönen schwärmt Rösel von seiner Geburtsstadt: "Dresden ist meine Stadt, Dresden hat zwei fantastische Orchester, ist eine reiche Kulturstadt. Ich freue mich eigentlich jeden Tag, dass ich hier wohne. Für mich ist das, klingt ein bisschen pathetisch, eine Art Kraftquell."

Peter Rösel 50 min
Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Februar 2020 | 09:40 Uhr