Ein Mann steht vor einer Wand.
Peter Wensierski wollte schon mit 15 Jahren Journalist werden. Bildrechte: Simon Bernard/MDR

Journalist Peter Wensierski Buch über DDR-Opposition: Diese Druckerei bekam die Stasi nicht

Drei Jahre gelingt es den Menschen hinter den "radix-blättern", verborgen vor der Stasi oppositionelle Schriften herauszubringen. Der Autor Peter Wensierski hat der Untergrunddruckerei das Sachbuch "Fenster zur Freiheit" gewidmet. Aus dem Westen kommend hat er die DDR bereits als Kind kennengelernt und sie später als Korrespondent bereist. Zu Gast bei MDR KULTUR spricht er mit Thomas Bille über Opposition, Gemeinsamkeiten zischen Ost und West und die Debatte über sexuellen Missbrauch in der Kirche.

Ein Mann steht vor einer Wand.
Peter Wensierski wollte schon mit 15 Jahren Journalist werden. Bildrechte: Simon Bernard/MDR

In einem kleinen Haus am Rand von Berlin wurden ab 1986 die "radix-blätter" gedruckt. Sie boten eine Gegenöffentlichkeit zur gängigen SED-Sichtweise. Trotz aller Gefahren gelang es Stephan Bickhardt und Ludwig Mehlhorn, mit ihrer Untergrunddruckerei unentdeckt zu bleiben. "Die Stasi war oft nicht so toll, wie sie sein wollte" sagt Peter Wensierski. Der Journalist hat private Archive der Beteiligten aufgearbeitet.

Cover: Peter Wensierski - Fenster zur Freiheit
Peter Wensierskis Sachbuch wird vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. herausgegeben. Bildrechte: mitteldeutscher verlag

Wensierski hat nachgerechnet: Etwa eine Million Seiten seien am Ministerium für Staatssicherheit vorbeigedruckt worden. Zwar schrieben die Autoren unter ihren vollen Namen, aber ab 1988 habe sich keiner mehr getraut, sie festzunehmen. Schriften über Antisemitismus, Macht und Dominanz der Männer, städtisches Leben und weitere Themen gelangten so in den Umlauf.

Jüngster westlicher Reisekorrespondent in der DDR

Peter Wensierski wird 1954 in Heiligenhaus bei Essen geboren. Die DDR lernt er von klein auf kennen. Seine Eltern lernen sich in der Nähe von Halberstadt an der innerdeutschen Grenze kennen. Sie ziehen ins Ruhrgebiet, als dies noch möglich ist. Mit der Mutter reist Wensierski früh und oft in die DDR. Bereits mit 15 Jahren weiß er, dass er Journalist werden will. Für das Studium geht er nach Berlin und wird 1979 jüngster westlicher Reisekorrespondent in der DDR, für den Evangelischen Pressedienst.

Die DDR zeigte sich nach außen total grau und unattraktiv und je besser ich sie kennenlernte, desto bunter wurde es.

Peter Wensierski

Am Osten reizen ihn vor allem die Gemeinsamkeiten mit dem Westen. Viele Themen seien auf beiden Seiten der Mauer wichtig gewesen: Aufrüstung, Umweltschutz und die Bücher, die gelesen wurden. "Auch wir wollten anders leben als unsere Eltern", sagt Wensierski über die Jugendlichen DDR. Zu ihnen habe er einen besonderen Draht verspürt.

Einreiseverbot 1986

Wensierski publiziert zahlreiche Bücher über die DDR. Bis 1986 macht er von seinen Reisemöglichkeiten gebrauch. Dann wird er mit einem Einreiseverbot belegt, als er Recherchen über Umweltverschmutzungen ausweiten will. Ab 1993 arbeitet Wensierski für den Spiegel. Auch als Dokuemtarfilmer ist er tätig.

Die Katholische Kirche und die DDR

Über den Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen schreibt Wensierski schon viele Jahre vor der heutigen Debatte. Auch hier seien Menschen in Ost und West betroffen gewesen. Er sieht Parallelen zwischen Katholischer Kirche und DDR, die über alte Männer an der Spitze hinausgehen. Dazu zählt er die Haltung des: "Wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich". Dass viele der damaligen Themen auch heute noch aktuell sind, darüber sagt Wensierski: "Die Gegenwart bleibt, nur die Zeit vergeht."

Buchpräsentation auf der Leipziger Buchmesse Am Freitag, 22. März 2019, präsentiert Peter Wensierski sein Sachbuch "Fenster zur Freiheit" auf der Leipziger Buchmesse. Um 19:30 Uhr im Zeitgeschichtlichen Forum. Mit dabei ist der Herausgeber der "radix-blätter" Stephan Bickhardt.

Bücher über die DDR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. März 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 10:57 Uhr

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