Die Philosophin und Zeitzeugin Agnes Heller
Die Philosophin und Zeitzeugin Agnes Heller Bildrechte: dpa

Trauer Ungarische Philosophin Agnes Heller gestorben

Die Philosophin und Zeitzeugin Agnes Heller
Die Philosophin und Zeitzeugin Agnes Heller Bildrechte: dpa

Die ungarische Philosophin Agnes Heller ist tot. Die 90-Jährige starb am Freitag während ihres Urlaubs am Plattensee, wie die Ungarische Akademie der Wissenschaften mitteilte. Nach Angaben des Online-Portals "444.hu", das sich auf Augenzeugen beruft, schwamm Heller in den See hinaus und kehrte nicht mehr zurück.

In der Marxismus-Tradition des Georg Lukács

Heller, 1929 geboren, überlebte als Kind den Holocaust im Budapester Getto sowie mehrere Massenexekutionen durch die faschistische und antisemitische Partei der Pfeilkreuzler. In den 50er-Jahren studierte sie zunächst Naturwissenschaften an der Universität Budapest und später Philosophie als Schülerin des marxistischen Philosophen Georg Lukács.

Nachdem 1956 der ungarische Volksaufstand von der sowjetischen Armee niedergeschlagen wurde, stellte sich Heller der sozialistischen Regierung entgegen – als Mitbegründerin der "Budapester Schule". Nach Jahren der politischen Verfolgung ging sie 1977 ins Exil nach Australien und wanderte später in die USA aus. In New York übernahm sie den Lehrstuhl der deutschen Philosophin Hannah Arendt.

Zu Hellers bedeutendsten Publikationen gehören "Theorie der Gefühle" (1980), "Der Mensch der Renaissance" (1988) und "Der Affe auf dem Fahrrad. Eine Lebensgeschichte" (1999).

Kritikerin Viktor Orbáns

1989 kehrte Heller in die ungarische Heimat zurück. Dort gehörte sie zuletzt zu den prominentesten Kritikern des rechtskonservativen Regierungschefs Viktor Orbán. In zahlreichen Interviews, bei Demonstrationen und in Vorträgen äußerte sie sich besorgt über den Zustand der Demokratie in ihrem Land.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. März 2019 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2019, 10:11 Uhr

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