Pink Floyd - Roger Waters
Roger Waters brachte "The Wall" 2011 auch nach Athen Bildrechte: dpa

Meilenstein Vor 40 Jahren schrieb Pink Floyd mit "The Wall" Musikgeschichte

Vor 40 Jahren erschien Pink Floyds Album "The Wall". So manche Fans konnten damit nicht viel anfangen. Aber vom Hit "Another Brick in the Wall" waren viele begeistert. Eine gigantische Bühnenshow wurde inszeniert, bei der eine riesige Mauer aufgebaut und dann wieder eingerissen wurde. Nur vier Mal konnte diese aufwändige Show anfangs aufgeführt werden. 1990 fand "The Wall" an der einst trennenden Berliner Mauer einen ganz besonderen Rahmen.

von Sven Hecker, MDR KULTUR-Autor

Pink Floyd - Roger Waters
Roger Waters brachte "The Wall" 2011 auch nach Athen Bildrechte: dpa

Vor 40 Jahren erschien Ende November 1979 Pink Floyds vielschichtiges und durchaus umstrittenes Doppel-Album "The Wall" in Großbritannien. Für dieses Rock-Opus aktivierte man auch beim DDR-Jugendradio DT64 die einschlägigen Kontakte ins nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet, um schließlich der erfreuten Hörerschaft die beiden Platten zum Mitschnitt zu präsentieren. Textübersetzungen waren dabei inbegriffen – allerdings mit einer kleinen Änderung: statt "Die Mauer" hieß es aus den bekannten Gründen "Die Wand".

Für die Konzerte zur Präsentation von "The Wall" lässt Waters Ende 1980 eine Mauer quer über die Bühne aufbauen, Stein für Stein, 40 Meter lang und 9 Meter hoch. "The Wall" ist das zentrale Element eines monumentalen Spektakels, das ob seiner Ausmaße weltweit nur in vier Städten aufgeführt werden kann. Es gibt Feuersäulen, abstürzende Flugzeuge, riesige Marionetten und projizierte Trickfilme an der Mauer sowie Gitarrensoli. Bei allem Gigantismus wird tatsächlich vielen im Publikum erst in dieser visuellen Umsetzung einigermaßen verständlich, was Pink Floyd (besser, was Roger Waters) mit dem Konzeptalbum eigentlich will.

Pink Floyd
Pink Floyd Bildrechte: imago/ZUMA Press

Biographische Bezüge

Der Protagonist des Werks, Pink, ist ein biografischer Mix. Waters hat Züge seiner eigenen Geschichte mit dem Schicksal von Syd Barrett kombiniert. Barrett war 1968 wegen ständiger Drogenexzesse aus der Band geworfen worden.

Pink Floyd - Roger Waters
Roger Waters Bildrechte: dpa

Der Musiker Pink ist ausgebrannt, leer vom Tourstress und den branchenüblichen Begleiterscheinungen. Bekifft sitzt er in seinem Hotelzimmer und lässt sein bisheriges Leben Revue passieren: Der sinnlose Kriegstod des Vaters, die übertriebene Fürsorge der Mutter, ein strenges Schulsystem mit sadistischen Lehrern – das sind alles weitere "Steine in der Mauer". Es ist eine Mauer, die Pink mehr und mehr sozial isoliert. Sie trennt ihn von dieser Massengesellschaft, die leicht verführbar ist, wie sich zeigt, als eine sogenannte Ersatzband in Nazi-Manier das Rampenlicht betritt. Das Publikum ist begeistert. Am Ende wird Pink von einem imaginären Gericht – wohl seinem Gewissen – verurteilt, sich der gefürchteten Realität zu stellen und die Mauer niederzureißen.

1982 - Pink Floyd: The Wall
Einen Film "The Wall" gab es 1982 auch, in der Hauptrolle Bob Geldof als Pink Bildrechte: imago/EntertainmentPictures

Ratlosigkeit und Erfolg

Das Doppelalbum "The Wall", veröffentlicht im November 1979, spaltet die Fans. Es bietet den letzten Anlass für die Trennung von Pink Floyd und lässt manchen Kritiker ratlos zurück.

Ich bin mir nicht sicher, ob es schrecklich oder brillant ist.

Chris Brazier in der Musikzeitschrift "Melody Maker"


Davon unbeeindruckt wird die Platte ein Verkaufserfolg. Ein Grund dafür ist sicher der Erfolg der Single-Auskopplung "Another Brick in the Wall".

Another Wall

Im Juli 1990 realisiert Roger Waters eine Intention, die er beim Schreiben seines Monumental-Opus nie hatte. Dort, wo einst der sogenannte "antifaschistische Schutzwall" Ost und West trennte, am Potsdamer Platz in Berlin, inszeniert er eine erneute Aufführung von "The Wall" – mit großen Stars und einigen Pannen. Doch am Ende fällt sie auch auf der riesigen Bühne – die Mauer.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. November 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2019, 04:00 Uhr

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