Joey Santiago, Paz Lenchantin, David Lovering und Black Francis der US-Independent-Band Pixies.
Black Francis (rechts) und die Pixies Bildrechte: dpa

Neues Album: "Beneath The Eyrie" Wie die Pixies zeigen, dass die Welt sie mal kann

Die Pixies gelten als Helden der amerikanischen Indie-Rock-Szene. Als Band, die den Grunge und den Alternative Rock vorweggenommen hat und seit 33 Jahren für ein faszinierendes Wechselspiel aus Laut und Leise und für schrullige, surreale Texte steht. All das kultivieren Mastermind Black Francis und seine Mitstreiter auch auf ihrem siebten Album "Beneath The Eyrie", das mehr in Richtung Gothic tendiert. Was es damit auf sich hat, erklärt Black Francis selbst.

von Marcel Anders, MDR KULTUR

Joey Santiago, Paz Lenchantin, David Lovering und Black Francis der US-Independent-Band Pixies.
Black Francis (rechts) und die Pixies Bildrechte: dpa

"Wenn man ein Rock-Album macht, weiß man nie, was dabei herauskommt", sagt Black Francis. "Mehr noch: Je mehr Ideen und Pläne man hat, desto weniger lassen sich umsetzen."

Von daher kann man nicht mehr als eine vage Vorstellung haben, die man schnell zur Seite legt, um sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren. Ist die ursprüngliche Idee dann immer noch präsent, beeinflusst sie auch alles andere.

Black Francis, Sänger der Pixies

Spuk in New York

Charles Thompson IV alias Blach Francis, weiß wovon er redet: Seit 1986 ist er Sänger, Gitarrist und Kopf der Pixies. Eine Band, die zwar nie viele Alben verkauft, aber nachhaltigen Einfluss auf die Musikwelt gehabt und Dutzende von Kollegen geprägt hat. Für ihr neues Werk "Beneath The Eyrie" hatte sich das Quartett aus Boston etwas Märchenhaftes, Gothic-mäßiges vorgestellt – und das Dreamland Studio in Woodstock bezogen. Ein finsterer Ort.

"Er war irgendwie gruselig und hatte eine wirklich intensive Atmosphäre, für die Upstate New York bekannt ist – gerade im Winter. Da ist es wie ausgestorben“, sagt Black Francis. "Und eine alte Kirche verstärkt dieses Gefühl noch. Allein wegen der religiösen Symbolik, der Architektur und weil es dort angeblich spukt. Aber das tut es in jedem amerikanischen Studio, das älter als zehn Jahre ist.“ Der Techniker habe sich geweigert, es nachts alleine zu betreten.

Von Märchenfiguren und rachsüchtigen Ex-Frauen

Das Cover des Albums "Beneath The Eyrie" der US-Independent-Band Pixies.
"Beneath The Eyrie" ist das siebte Album der Pixies Bildrechte: dpa

Mit dieser Atmosphäre kokettieren die Pixies nur zu gerne. Sei es mit Songs, die genauso düster wie vielseitig sind – und zwischen Jazz, Cabaret, osteuropäischer Folklore und Garagenrock pendeln. Aber auch Texten, in denen sich Hexen, tote Surfer, Agenten, Märchenfiguren und rachsüchtige Ex-Frauen tummeln. Letztere seien übrigens äußerst real, sagt Black Francis. "Als wir ins Studio gingen, war mir nicht klar, dass meine Frau die Scheidung einreichen würde. Das ist mir schon einmal passiert und damals wusste ich das genauso wenig." Das sei vielleicht etwas, das man man instinktiv spüre und sich allein deshalb im Songwriting niederschlage. "Nur: Lässt man zu viel von seiner eigenen Biographie in die Musik einfließen, geht man das Risiko ein, dass sie ihre Kraft verliert."

Es ist besser, die Dinge offener und symbolischer zu halten und auf doppelte Bedeutungen zurückzugreifen.

Black Francis, Sänger der Pixies

"Wir haben es immer noch drauf"

In Stücken wie "Bird Of Prey" gibt sich Black Francis allerdings so explizit, dass es auch den Scheidungsanwalt interessieren dürfte. Doch der 54-Jährige ist genauso korpulent wie selbstbewusst. Er rühmt sich damit, allein für dieses Album über 300 Stücke geschrieben zu haben und mehr künstlerische Relevanz zu besitzen als die meisten Großverdiener der Rockmusik. "Weil wir uns als Band kein bisschen älter fühlen als zu Beginn unserer Karriere", erklärt Black Francis. "Deswegen hat neue Musik zu schreiben und aufzunehmen auch etwas mit Attitüde zu tun. Also der Welt zu sagen, dass sie uns mal kann. Dass wir hier sind, um einen Job abzuliefern und es immer noch draufhaben."

Nach dem Motto: Wenn ihr uns schreien hören wollt, dann schreien wir. Wollt ihr, dass wir einen merkwürdigen kleinen Song aufnehmen, tun wir das ebenfalls. Und wenn ihr uns lieber etwas poppiger hättet, kriegen wir das auch hin. Es ist ein freundschaftlicher Wettkampf mit allen anderen Künstlern.  

Black Francis, Sänger der Pixies

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. September 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 04:00 Uhr

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