Larissa Vassilian
Bloggerin, Journalistin und Podcasterin Larissa Vassilian im Jahr 2006 Bildrechte: imago/epd

Interview Podcast-Boom: Kann man davon leben?

Larissa Vassilian hatte schon einen Podcast, als die meisten den Begriff noch gar nicht kannten. Von 2005 bis 2015 unterhielt sie unter dem Pseudonym Annik Rubins den damals erfolgreichsten Podcast "Schlaflos in München" mit etwa 10.000 Hörern. Seit 2007 betreibt die Bloggerin und Journalistin mit "Slow German" einen Podcast für fortgeschrittene Deutschlernende, mit dem Sie monatlich bis zu 500.000 Menschen erreicht. 2018 erschien ihr Buch "Podcasting". Worin sich Podcasts vom Radio unterscheiden und was sie reizvoll macht, erklärt Larissa Vassilian im Interview.

Larissa Vassilian
Bloggerin, Journalistin und Podcasterin Larissa Vassilian im Jahr 2006 Bildrechte: imago/epd

MDR KULTUR: Wie muss eine Stimme sein, die man öfter hören will?

Larissa Vassilian: Vor allem nicht perfekt. Das stört mich beim Radio ein bisschen: Dass da nur perfekte Stimmen sind, die das den ganzen Tag machen. Da gibt es kein Räuspern, keinen Versprecher und selten Dialekte – es sei denn, das ist von der Welle gewünscht. Ich finde, Podcaster sind Menschen, denen man auch im Café am Nachbartisch zuhören würde. Das sind einfach Typen. Da ist es wichtig, wer dahinter steckt und was er zu erzählen hat und nicht, das seine Stimme perfekt klingt.

Kann man gerade von einem Podcast-Boom reden?

Ich finde das immer lustig, wenn vom Podcast-Boom oder Hype die Rede ist. Ein paar Monate später heißt es: Podcast ist tot. Dann kommt wieder der nächste Hype, dann der nächste Tod. So geht das, seitdem ich mit Podcasting begonnen habe, seit 2005. Was sich aber wirklich verändert hat, ist, dass die Technik günstiger und einfacher ist. Jeder kann heute mit dem Smartphone einen Podcast machen. Wenn wir von Radio und Podcasting reden, muss ich sagen: Ich habe das Radio der Achtziger geliebt und Podcasts erinnern mich daran. Vielleicht muss sich das Radio wieder darauf zurückbesinnen.

Nur die wenigsten Podcaster können aber davon leben – oder irre ich mich da?

In den USA können viele vom Podcasting leben. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass sie durch die englische Sprache viel höhere Abrufzahlen haben. Unser Markt ist relativ beschränkt. Da springen die Werbetreibenden nicht mit so horrenden Summen auf. Trotzdem gibt es auch hier einige Podcaster, die davon leben können oder – wie ich – das als Nebenverdienst betreiben können. Hinzu kommen auch Auftragsproduktionen, ich habe auch schon für Firmen Podcasts gemacht. Es gibt schon Geld zu verdienen im Podcastmarkt.

Nun gibt’s auch Laber-Podcasts und Personality-Shows. Wohin, glauben Sie, wird die Entwicklung der Podcasts gehen?

Die Entwicklung geht natürlich zur Professionalisierung der Podcasts. Man merkt jetzt schon, dass es jetzt anders ist als vor fünf Jahren. Andererseits hoffe ich auch, dass es in Richtung der Kreativität geht. Wir müssen aufpassen, dass es uns eben nichts so ergeht wie dem Radio, dass sehr durchformatiert ist und wenig Platz für spontane Ideen lässt.

Das Interview führte Stefan Maelck für MDR KULTUR.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Neue Töne in Serie" | 26. März 2019 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 04:00 Uhr

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