Szenenbild der Oper Halle
An der Oper Halle übernehmen Affenhorden die Bühne. Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle/Falk Wenzel

Kritik Giuseppe Verdis "Requiem" an der Oper Halle: Affenhorden übernehmen die Herrschaft

Die neue Spielzeit an der Oper Halle wird mit Verdis Totenmesse eröffnet, inszeniert von Intendant Florian Lutz. Die Oper verwandelt sich dafür in die "Raumbühne Babylon", auf der faschistische Affenhorden die Herrschaft übernehmen. MDR KULTUR-Kritiker Uwe Friedrich hat die Premiere besucht, ist aber nicht ganz überzeugt.

Szenenbild der Oper Halle
An der Oper Halle übernehmen Affenhorden die Bühne. Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle/Falk Wenzel

Die Zuschauer werden vor Betreten der "Raumbühne Babylon" aufgefordert, Schutzanzüge anzuziehen und sich als Affen zu verkleiden. Gewalttätige Primaten hätten nämlich nach einer Katastrophe die Macht übernommen und würden alle Menschen niedermetzeln. Nach der Verkleidung verteilt sich das Publikum auf der Hauptbühne und im Zuschauerraum, die nun durch Einbauten von Sebastian Hannak mit der Staatskapelle Halle in der Mitte verbunden sind.

Der Chor jagt als Affen verkleidet durch den Raum, der eine auf mehreren Ebenen begehbare Stadt darstellt. Bananen werden verteilt, später auch Getränke. Die Affenhorde zivilisiert sich zumindest teilweise, indem sie den ersten Brudermord begeht und Wasser in Cola verwandelt. Die Bezüge zur christlichen Heilsgeschichte sind deutlich, auch wenn der gesamte Abend allenfalls locker mit Musik und Inhalt von Verdis Totenmesse verbunden ist.

Oper Halle
Das Bühnenbild der "Raumbühne Babylon" stammt von Sebastian Hannak. Bildrechte: Oper Halle/Foto: Sebastian Hannak

Die Affen als faschistische Horden

Oper Halle
Das Publikum wird mit einbezogen, Zuschauerraum und Hauptbühne sind miteinander verbunden. Bildrechte: Oper Halle/Foto: Sebastian Hannak

Diese Inszenierung versteht sich dezidiert politisch, denn mit den Affen sind kaum die realen Tiere gemeint, vielmehr wird mit Videoprojektionen deutlich gemacht, dass offenbar rechtspopulistische oder faschistische Horden die Herrschaft übernommen haben. Die Sopranistin Romelia Lichtenstein fristet als Obdachlose ihr Dasein, Tenor Eduardo Aladrén gibt den Revoluzzer im Che Guevara-Look, Mezzosopranistin Svitlana Sylvia ist eine Wissenschaftlerin, die vergebens vor den unzivilisierten Horden warnte und Bass Ki-Hyun Park gibt den unverdrossenen Alt-Hippie, der vom freien Leben träumt. Sie befördern die Affenhorde gewaltsam in den Tod und gründen mittels einer Abendmahlszene eine neue Gemeinschaft freier Menschen, die sich allerdings nicht um ihre Erlösung kümmert, sondern lieber auf Smartphonebildschirme starrt.

Szenenbild der Oper Halle
Blick in die Raumbühne Babylon mit Verdis "Totenmesse" Bildrechte: Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle/Falk Wenzel

Zwiespältiges Fazit

Ein Abend mit recht eindeutiger Botschaft, zu dem auch jede andere Musik als Giuseppe Verdis "Requiem" den Soundtrack hätte liefern können. Die Solisten machen ihre Sache gut, Dirigent Christopher Sprenger rückt der Partitur mit der Staatskapelle Halle sehr robust zu Leibe, der Opernchor singt souverän. Und doch bleibt der Eindruck zwiespältig, weil Bühnengeschehen und Verdis Musik nicht viel mit einander zu tun haben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. September 2018 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2018, 16:31 Uhr